TV -INTERVIEW

GEROLSTEIN. Immer mehr Feste, aber immer weniger Gäste: Das gilt auch in Gerolstein. Dennoch spricht sich Hans-Peter Böffgen, Geschäftsführer der Tourismus- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft (TW) Gerolsteiner Land, gegen eine Fusion von St.-Anna-Kirmes und Sprudelfest aus.

Nur vier Wochen ist dieSt.-Anna-Kirmes her, die trotz besten Wetters keinen Besucheransturm erlebte, nun sollen die Gäste beim Sprudelfest feiern und Geld ausgeben. Macht es nicht Sinn, die beiden Feste zusammen zu legen? HANS-PETER BÖFFGEN: Zunächst einmal: Alle Beteiligten sollten die Kirmes mit einer realistischen Erwartungshaltung betrachten. Und danach kann man mit dem diesjährigen Verlauf durchaus zufrieden sein. Nach wie vor halte ich eine Zusammenlegung von Kirmes und Sprudelfest für nicht erforderlich und nicht sinnvoll. Denn: Kirmes und Sprudelfest sind Traditionsveranstaltungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Im Mittelpunkt der Kirmes stehen die Schausteller mit ihren Fahrgeschäften und Buden. Den Schwerpunkt des Sprudelfests bildet der große Jahr- und Trödelmarkt mit einem begleitenden Unterhaltungsprogramm - Dampflok, Marktschreier, Marionettenzirkus, Tombola und so weiter. Hinzu kommen besondere Live-Musik-Angebote (zum Beispiel Höhner, Paveier) im Festzelt. Mit dem Traditionsargument allein kann die Aufrechterhaltung der Feste, falls ihre Beliebtheit weiterhin sinkt, wohl kaum gerechtfertigt werden, oder? BÖFFGEN: Nein, das nicht, aber es gibt ja auch eine touristische Komponente: Den Feriengästen bieten wir mit Kylltal Aktiv, Kirmes und Sprudelfest in der Hauptsaison mehrere attraktive Veranstaltungen als Ferienprogramm. Feriengäste erwarten am Urlaubsort verschiedene Veranstaltungsangebote. Wäre es, falls künftig die Zahl der Besucher weiterhin sinkt, nicht trotzdem sinnvoll, aus zwei Veranstaltungen einen "Kracher" zu machen? Zumal mit der Einbindung des verkaufsoffenen Sonntags und des kulinarischen Brunnenplatzes, die zuvor selbstständige Veranstaltungen waren, ja bereits erste Konzentrationsschritte unternommen wurden. BÖFFGEN: Ich denke nicht. Neben den Feriengästen profitieren auch das heimische Gewerbe und die Bürger von der Trennung. Im Umfeld der Kirmes besuchen viele Gäste auch die Geschäfte und die Gastronomie in der Stadt. Der Markt zieht Kunden in die Innenstadt, die auch ein Eis essen, Kaffee trinken. Am Sonntag sitzen Kirmesgäste zum Mittagessen auf der Rondell-Terrasse, das Feuerwerk schauen sich Gäste vom Cafe Dolomit oder der Terrasse des Hotels Calluna an. Auf den Kirmesplätzen sind Vereine mit Ständen vertreten. Aus den Einnahmen wird die Vereins- und Nachwuchsarbeit mitfinanziert. Ebenfalls vertreten sind heimische Gastronomiebetriebe auf der Kirmes. Die zusätzlichen Einnahmen tragen zur Existenzsicherung dieser Betriebe bei. Damit werden auch (kleine) Impulse im Gewerbe gesetzt, die uns durchaus wichtig sind. S Die Fragen stellte unser Redakteur Mario Hübner.