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TV-Sommerserie: Graue Skeptiker und silberne Surfer in der Eifel

TV-Sommerserie: Graue Skeptiker und silberne Surfer in der Eifel

Beim Medienkonsum tritt der Unterschied zwischen Jung und Alt besonders deutlich zutage. Doch viele Ältere setzen an, die Kluft zu überspringen

Ein Leben ohne Internet und Handy ist für die Generation U30 nur schwer vorstellbar. Permanent informiert, und das auf allen Kanälen: Das ist ihr Motto. Das Nutzungverhalten der Jungen wurde bereits in vielen Studien erforscht. Die wichtigsten Ergebnisse sind in der Zahlenwolke (rechts) zusammengefasst. Damit ist bei kaum einem anderen Aspekt der Unterschied zwischen Jung und Alt eklatanter als beim Medienkonsum.Jung & Alt - versteht sich

Doch auch die Alten nutzen Medien - manchmal sogar ziemlich intensiv. Und der eine oder andere Ältere überspringt sogar die Kluft zwischen seiner Generation und denjenigen, die mit der neuen Technik groß werden. In Anlehnung and die oft silber-grauen Haare werden diese Menschen "Silver Surfer" genannt. Exemplarisch erzählen einige Senioren, wie sie selbst mit Medien umgehen. Den Medienkonsum der Jungen kritisch im Blick haben dabei fast alle.
Friedel Lenartz, 68, Pelm: "Mit dem Computer fange ich nicht mehr an."

Spätestens morgens um sechs Uhr mache ich das Radio an. Das läuft bis um 16 oder 17 Uhr. Ab dann gucke ich Fernsehen bis kurz nach Mitternacht. Beide Geräte laufen aber oft nur nebenbei.

Seit ich im Altenheim bin, lese ich sehr viel. Auch, wenn Fernseher und Radio laufen. Pro Woche sind es meistens vier Illustrierte. Die kann ich schnell beiseite legen, wenn im Fernsehen etwas Interessantes kommt. Aber in den letzten zweieinhalb Jahren habe ich auch 120 Romane gelesen, zusätzlich jeden Tag die Zeitung und die Wochenmagazine.
Meinen ersten eigenen Fernseher habe ich erst 1986 bekommen, als ich umgezogen bin. Früher hatte ich wegen der Arbeit auch viel weniger Zeit. Die Zeitung konnte ich zum Beispiel erst abends lesen, wenn ich von der Arbeit kam. Radio und Fernsehen habe ich natürlich auch viel weniger genutzt.

Als ich jung war, gab es noch keine Computer, und in meinem Alter fange ich nicht mehr damit an, mich damit zu beschäftigen. Da würde ich mehr falsch als richtig machen.
Norbert Lauer, 83, Gerolstein: "Ich habe kein Internet."

Ich habe ein Handy, aber nur ein ganz einfaches, damit ich unterwegs mal telefonieren kann. Mit diesen modernen Geräten ohne Tasten käme ich nicht zurecht. Internet habe ich auch keins, weder auf dem Handy noch am Computer. Ich habe zwar einen alten Computer, aber den nutze ich nur für Kartenspiele. Den habe ich vor vielen Jahren von meinem Sohn bekommen, als der ihn nicht mehr wollte.

Morgens lese ich normalerweise die Zeitung, damit ich weiß, was so los ist. Das Radio läuft sehr oft, aber eher nebenbei. Im Fernsehen schaue ich meistens die Regionalprogramme und viel Sport.

Dass die Jugendlichen so viel am Handy und im Internet sind, ist ein bisschen schade. Ich denke, es ist viel schöner, sich persönlich zu unterhalten. Aber sie sind damit aufgewachsen. Für die ist das ganz normal.

Josef Müller, 72, Pelm: "Der Fernseher läuft den ganzen Tag."

Die Zeitung lese ich jeden Morgen, wenn es die Gesundheit zulässt. Der Fernseher läuft fast den ganzen Tag, manchmal auch nur nebenbei, damit es nicht so still ist. Meistens gucke ich Sport oder Nachrichten. 1968 haben wir unseren ersten Fernseher bekommen. Mein Vater wollte zunächst keinen haben. Aber als er 1967 verstorben ist, hat meine Mutter einen gekauft. Abends haben wir immer gemeinsam davorgesessen. Manchmal sind wir dabei auch eingeschlafen. Gerne gesehen habe ich immer "Dalli dalli" mit Hans Rosenthal. Auch an die Mondlandung 1969 kann ich mich noch erinnern!

Morgens mussten wir immer früh aus dem Haus. Da blieb keine Zeit, noch Nachrichten zu hören. Aber abends lief das Radio immer. Auch eine Zeitung hatten wir nicht.

Ein Computer ist eine schöne Sache, aber ich habe sowas nie gebraucht. Ich habe ja einen Fernseher. Jetzt bin ich auch zu alt, noch mal etwas Neues zu lernen.

Maria Berger, 82, Pelm: "In der Wirtschaft lief immer das Radio."

Vom Fernsehen halte ich nicht so viel, aber ich lese sehr viel. Nach dem Abendessen ziehe ich mir die Schuhe aus, lege mich aufs Bett und lese. Das ist mein Ritual vor dem Einschlafen. Morgens höre ich meistens zuerst Radio, ein bisschen Musik, ein bisschen Nachrichten. Nach dem Frühstück nehme ich mir dann eine Stunde Zeit, um die Zeitung zu lesen, damit ich über alles Bescheid weiß.

Früher habe ich im Hotel gearbeitet und musste um 5 Uhr aufstehen. Da hatte ich keine Zeit, morgens noch Nachrichten zu lesen oder zu hören. Aber in der Wirtschaft des Hotels lief immer das Radio. Auf diese Weise habe ich immer mitbekommen, was in der Welt passiert ist. Abends habe ich mich zu den Gästen in die Stube gesetzt und mit ihnen ferngesehen.

Wir selbst hatten sehr früh einen Fernseher. Wann genau, weiß ich nicht mehr, aber es war noch in der Zeit, wo sie aufkamen. Das Bild war noch schwarz-weiß. Krimis habe ich gerne geguckt. Die Mondlandung habe ich zwar auch im Fernsehen gesehen, aber die war eher was für Männer.

Noch mal an einen Computer zu gehen, habe ich eigentlich nie überlegt. Ich habe auch so alles, was ich brauche. Aber die jungen Leute, die sollen das ruhig machen!

Gary Retterbush, 78, Eisenschmitt: "Computer nutze ich seit 30 Jahren."

Zum Frühstück lese ich die Zeitung. Danach mache ich den Computer an und schaue nach neuen E-Mails und Forenbeiträgen. Danach besuche ich auch Facebook und informiere mich auf verschiedenen deutschen und amerikanischen Nachrichtenseiten.

Meine Frau macht nachmittags gegen vier oder fünf den Fernseher an, aber ich gucke sehr wenig. Abends bin ich meistens am Computer, vor allem, wenn ich viele neue Bilder fotografiert habe. Wir haben hier in Eisen schmitt leider nur DSL 2000, das ist ein großer Nachteil. Wenn ich ein Bild per E-Mail verschicken will, dauert das bis zu einer Viertelstunde. In Foren lade ich sie deshalb nur komprimiert hoch. Beim Surfen ist es aber nicht ganz so schlimm.
Meinen ersten eigenen Computer habe ich schon Anfang der 1980er gekauft. Das war damals ein Hobby für mich. Ich erinnere mich an eine Festplatte mit 1,5 Megabyte Speicher, die hat damals 1500 Mark gekostet.

Nach wie vor ist der Computer aber nur ein Werkzeug für mich. Ich finde es schlimm, wenn heute in der Großstadt alle Leute permanent auf ihr Handy gucken. Ich glaube, das ist ein bisschen übertrieben. Für viele ist es eine Sucht. Das Gute daran, dass wir hier in einem Funkloch leben, ist, dass die Menschen noch miteinander reden.

Drei Fragen an ... Tom Haeuser

Tom Haeuser (55) ist Kursleiter an der Volkshochschule Daun und gibt dort auch Kurse für sogenannte "Silver Surfer", also Computerkurse für Senioren.

Wie gehen Ihrer Erfahrung nach Senioren mit dem Computer und dem Internet um?
Tom Haeuser: Gerade die Generation der 60- bis 69-Jährigen freundet sich inzwischen immer mehr mit dem Internet an. Jeder Zweite surft mittlerweile durch das Netz. Aber weil diese Altersgruppe zu den sogenannten Digital Immigrants (digitale Immigranten) gehört, also jenen Nutzern, die nicht mit digitalen Technologien aufgewachsen sind. Folglich gibt es große Unsicherheit und reichlich Fragen.

Was hat Sie bewogen, solche Kurse anzubieten?
Haeuser: Die rasanten und stetigen Veränderungen in der digitalen Welt erfordern lebenslanges Lernen. Dabei ist es wichtig, dass ältere Menschen nicht auf der Strecke bleiben. Nur entsprechende Lernangebote, auch für die Generation 60+, können einer digitalen Benachteiligung entgegenwirken.

Wie haben sich die Kursinhalte geändert?
Haeuser: Während es zunächst vor allem Bedarf am Umgang mit dem Computer gab und wie man sich im Internet bewegt, interessieren sich die Teilnehmer heute auch vermehrt für Smartphones. Der Wunsch der Anwender ist groß, ihre jeweiligen Geräte mit den unterschiedlichen Betriebssystemen zu verstehen und bedienen zu können. cli
Extra

Mit 13% Zeitanteil liegt die Information bei den Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren auf dem letzten Nutzungsplatz hinter "Kommunikation", "Unterhaltung" und "Spiele".
Die Nutzung von Nachrichtenportalen, z.B. von Printangeboten, liegt dabei wiederum auf dem dritten Platz mit 17%, die sie mindestens mehrmals wöchentlich nutzen.
Fast 100% der Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren besitzen ein eigenes Handy, knapp 90% davon ein Smartphone mit Internetzugang.
Etwa die Hälfte der Jugendlichen bevorzugt zur politischen Information im Netz die Seiten von Anbietern, die sie aus der Offlinewelt kennen (darunter Printmedien 29%, privater Rundfunk 9%, öffentlich-rechtlicher Rundfunk 8%).
Etwa 40% der Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren lesen regelmäßig ein Buch. Mädchen lesen dabei etwa doppelt so viel wie Jungen.
70-80% der Jugendlichen zwischen zwölf und 19 Jahren hören mindestens mehrmals pro Woche Radio.
Die Tageszeitung genießt bei Jugendlichen das größte Vertrauen im Falle widersprüchlicher Berichterstattung (40%), gefolgt von Fernsehen (26), Radio (17) und Internet (14).
Über 90% der Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren haben einen eigenen Internetzugang.
Mobile Internetnutzung
hat bei Jugendlichen stark zugenommen (Handy stieg von 2012 bis 2014 von 49 auf 86%), Computer und Laptop haben hingegen leicht an Bedeutung verloren (gleicher Zeitraum Rückgang von 96 auf 82%).Einen eigenen Fernseher oder ein eigenes Radio besitzen jeweils rund 55% der Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren. Tageszeitungen gibt es in knapp 60% der Haushalte mit Jugendlichen, 35% geben an, sie mehrmals pro Woche zu lesen. Insgesamt sind 79% der Deutschen ab 14 Jahren zumindest gelegentlich online, täglich immerhin 58%.