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Corona-Krise : Eifeler plädieren für Ruhe, Besonnenheit und Nachbarschaftshilfe

Von Bürger für Bürger bis Wochenmarkt: Zu den Absagen gesellen sich im Vulkaneifelkreis neue Angebote, die die Schwächeren unterstützen möchten.

(ako/mh/sts) Gefühlt von einem Tag auf den anderen hat sich die Welt verändert, man kommt kaum noch nach, was die aktuellen Entwicklungen in Sachen Corona angeht. Für viele ist die Situation bedrückend. Gerade ältere, auf Nachbarschaftshilfe angewiesene Menschen dürften große Sorgen haben.

„Unser Bürgerbus ist  für 14 Tage eingestellt“, erläutert Tim Becker vom Verein Bürger für Bürger. Gut 50 Dörfer werden jede Woche mit dem Neunsitzer angefahren, auf festen Routen quer durch die Verbandsgemeinde Daun, aber es geht auch grenzüberschreitend in die Struth in die Verbandsgemeinde Kelberg. „Den Service auszusetzen, muss sein, denn bei uns engagieren sich ältere Aktive, die selbst zur gefährdeten Gruppe gehören.“ Aber die Unterstützung entfällt dennoch nicht komplett, im Gegenteil. So werden weiterhin Hilfen organisiert, zum Beispiel Einkäufe oder Botengänge erledigen und Senioren ohne eigenes Auto zu Arztterminen fahren. Becker: „Wichtig ist aber, dass die Helfer selbst geschützt sind.“

In Gefell sagt Ortsbürgermeister  Alfred Gundert: „Wir sind ein kleines Dorf und seit jeher gewohnt, einander zu unterstützen. Das ist natürlich auch jetzt so und geht ganz informell.“ Man sage Bescheid, wenn jemand etwas braucht oder für andere Besorgungen erledigen kann.

Niederstadtfeld hatte 2012 sogar ein eigenes Projekt „Niederstadtfelder helfen einander“ eingerichtet. Ziel ist es, im rund 450 Einwohner starken Ort, Menschen miteinander zu verbinden, die sonst nicht miteinander in Kontakt kommen. Der aktuelle Appell an die älteren Einwohner: „Lasst euch eure Einkäufe möglichst mitbringen!“ Denn der Ausflug in die Stadt soll gerade für Risikogruppen vermieden werden. Gerade jetzt werden, so der Aufruf, freiwillige  Helfer gesucht. Drei Ansprechpartner sowie Ortsbürgermeister Günter Horten stehen für die Koordination zur Verfügung.

Gerolsteins Stadtbürgermeister Uwe Schneider (SPD), der inzwischen in zwei vielbeachteten und tausendfach geklickten Video-Ansprachen bei Facebook die Bürger Gerolsteins zu Ruhe, Besonnenheit und Nachbarschaftshilfe in Zeiten der Corona-Krise aufgerufen hat, hat einige Dinge verfügt, um die weitere Ausbreitung des Virus´ zu verhindern. Er sagt: „Die Gemeindehäuser in der Kernstadt und den Stadtteilen bleiben vorerst geschlossen, alle bereits zugesagten Veranstaltungen finden nicht statt. Das gilt auch für geplante Abitur-Feiern.“ Ebenfalls absagen wird er die auf den 25. März terminierte Sondersitzung des Stadtrates, bei der es um die Aufstellung des Bebauungsplanes für das Areal der ehemaligen Drahtwarenfabrik gehen sollte. „Das ist nicht dringlich und kann daher um einige Wochen verschoben werden“, so Schneider.

In Sachen Nachbarschaftshilfe appelliert er: „Gerade in diesen Zeiten, wo wir zwar alle Abstand halten und unsere sozialen Kontakte aufs Notwendigste beschränken müssen, darf es dadurch nicht zu sozialer Kälte kommen. Daher bitte ich die Bürger Gerolsteins: Bleiben Sie besonnen und achtsam, aber helfen Sie sich gegenseitig. Rufen Sie Ihren Nachbarn, Ihre Nachbarin an, vor allem wenn es sich um eine ältere oder hilfebedürftige Person handelt, und fragen sie, ob sie helfen und beispielsweise einen Einkauf oder sonstiges erledigen können! Lassen Sie uns solidarisch zusammenstehen!“

Er selbst weiß von zwei spontanen Hilfsangeboten in Gerolstein: „Privatmann Wolfgang Schimmels, der auch bei der Feuerwehr ist, hat via Facebook seine Hilfe angeboten für Personen mit erhöhtem Risiko wie ältere Menschen. Seine Ankündigung: Ihr dürft euch gerne bei mir melden! Und Tobias Rau, Ortsvorsteher von Büscheich, hat eine Whatsapp-Gruppe erstellt mit der Notfallerreichbarkeit aller wichtigen Personen in Büscheich.“

Die Stadt Gerolstein richtet nach Informationen von Stadtbürgermeister Schneider aktuell eine zentrale E-Mail-Adresse ein, wo Hilfsangebote angemeldet, gebündelt und auf der Internetseite www.gerolstein.org veröffentlicht werden. Sie lautet:  Gerolstein.Steht.Zusammen@gerolstein.org

Hillesheims Stadtbürgermeisterin Gabi Braun (parteilos) hat die in der Markt- und Messehalle geplanten Veranstaltungen für die Zeit bis nach den Osterferien abgesagt, darunter eine Messe, den Abi-Ball, den Antik- und Trödelmarkt sowie ein Konzert des Musikvereins, ebenso in Absprache mit dem Gewerbeverein den für den 5. April geplanten verkaufsoffenen Sonntag.

Der Hilles­heimer Wochenmarkt an jedem ersten und dritten Donnerstag im Monat findet vorerst aber weiterhin statt, der nächste Markt also diesen Donnerstag, 19. März. Damit es auch in diesen schwierigen Zeiten weitergeht, kommt sie trotz der Absage der Stadtratssitzung (für Mittwoch, 18. März geplant) am Mittwoch mit den Beigeordneten und den Fraktionsvorsitzenden zusammen, „um zu beraten, was wir tun und auf den Weg bringen können“. Über Nachbarschaftshilfen sagt sie: „Ich weiß von einigen privaten Initiativen, und ich finde das super.“ Selbst habe sie der Leiterin des Seniorenheims ihre Hilfe zugesichert.

Die für Donnerstag anberaumte Sitzung des Rats der Verbandsgemeinde Kelberg enthält laut Bürgermeister Johannes Saxler keine Tagesordnungspunkte, die nicht aufgeschoben werden könnten. „Nach E-Mail-Rücksprache mit den im Rat vertretenen Gruppierungen und mit den Beigeordneten wird der Sitzungstermin aufgehoben.“ Ebenfalls am Donnerstag hätte sich der Haupt- und Finanzausschuss der Stadt Daun treffen sollen, ist aber wegen Corona-Virus auch gestrichen worden.

Wer selber Nachbarschaftshilfe anbietet oder Informationen über Hilfsangebote im Kreis Vulkaneifel hat, wird gebeten, uns eine Mail mit den wichtigsten Daten (Ansprechpartner, Ort, Telefonnummer, Mailadresse, Umfang des Angebots) an folgende Adresse zu schicken: eifel@volksfreund.de