Überirdischer Auftrag: Dauner Spätzle für den Freund im All - Jörg Frankenbach kreiert die Leibspeise für den Astronauten Alexander Gerst
Daun · Der deutsche Geophysiker und Astronaut Alexander Gerst ist seit Mai in der Internationalen Raumstation ISS tätig. Sein Essen besteht zwar zum großen Teil aus Dosennahrung der Astronauten, aber er durfte sich auch persönliche Speisen wünschen. Eine davon kreierte Jörg Frankenbach, Chefkoch eines Dauner Hotels.
Der deutsche Raumfahrer Alexander Gerst hat seit einigen Monaten eine Aussicht, die nur sehr wenigen vorbehalten ist. Der 38 Jahre alte Geophysiker ist noch bis zum 10. November als Astronaut auf der Internationalen Raumstation (ISS). In rund 400 Kilometern Entfernung umkreist die Raumstation die Erde, und wenn Alexander Gerst nicht mit wissenschaftlichen Arbeiten beschäftigt ist, muss er natürlich auch was essen. Die Verpflegung kam schon im April mit einem unbemannten russischen Transporter im Voraus auf die Raumstation.Psychologische Unterstützung
Doch essen im All ist anders als essen auf der Erde. Die Weltraumnahrung aus Tube, Dose oder Folientüte benötigt eine spezielle Konsistenz, sonst würde sie in der Schwerelosigkeit beim Öffnen einfach wegfliegen. Wie alle anderen Raumfahrer durfte sich Gerst deshalb auch ein sogenanntes Bonus Food wünschen, und so wählte der Schwabe - wenig überraschend - Käsespätzle, aber auch Linsen mit Spätzle und Würstchen und Grießpudding. Bonus Food dürfen sich die Astronauten auch als psychologische Unterstützung im Weltraum wünschen, es soll auch die Kommunikation unter den Astronauten und Kosmonauten fördern.
Das Rezept für die Käsespätzle kommt aus der Vulkaneifel, kreiert vom Chefkoch des Hotels Panorama in Daun, Jörg Frankenbach. Und das ist kein Zufall. Gerst und der 37 Jahre alte Frankenbach stammen beide aus Künzelsau im Hohenlohekreis und sind schon lange befreundet. "Alexander war auch mal ein Wochenende zu Besuch bei uns in Daun. Abends haben wir uns über seinen Raumflug unterhalten und darüber, was es da zu essen gibt. Und da sagte er: Mensch, das ist doch was für dich, ein persönliches Essen für mich zu machen."
Einfach drauflos? Nicht in diesem besonderen Fall, gilt es doch, Vorgaben der europäischen Weltraumorganisation ESA (European Space Agency) zu beachten. Die schreibt vor, wie die Konsistenz der Nahrung sein muss oder wie viel Salz drin sein darf. "Normalerweise sind Käsespätzle rein vegetarisch, Alexander wollte aber etwas Speck darin haben", nennt der Koch einen Extrawunsch des Freundes.
Die Käsespätzle, Linsen und Wurst mit Spätzle und den Grießpudding kreierte Frankenbach in Zusammenarbeit mit dem Drei-Sterne-Koch Harald Wohlfahrt vom Hotel Traube Tonbach in Baiersbronn. Der hat Erfahrung, hat er doch vor Jahren schon einmal Weltraumnahrung hergestellt. Also machten sich beide daran, die Lieblingsspeisen so zu kreieren. Zwei Verköstigungen gab es dafür bei der ESA in Köln, bis alles stimmte. Die Menüs für den Weltraum herstellen durften Frankenbach und Wohlfahrt aber nicht. "Die Nahrung wurde von einer Spezialfirma nach unserem Rezept hergestellt, sterilisiert und in Dosen abgefüllt. Es wurde alles genau untersucht, verständlich, denn ein Krankheitserreger wäre im Weltraum nicht so gut", erklärt Jörg Frankenbach.
Inzwischen hat Alexander Gerst die ersten Dosen schon gegessen, und es hat ihm sehr gut geschmeckt: "Wir hatten schon Kontakt per E-Mail", erzählt Jörg Frankenbach. Für den Neu-Dauner mit hohenlohischen Wurzeln war die Kreation des Lieblingsessens für den Astronauten natürlich eine Ehre. "Ein bissle stolz bin ich schon und freue mich, dass ich dabei sein konnte."