Überraschung im Boden: Römervilla in der Eifel ist eine Festung – Anlage ist heute sichtbar

Überraschung im Boden: Römervilla in der Eifel ist eine Festung – Anlage ist heute sichtbar

Die Stadt Trier ist gerade 100 Jahre alt, da baut 65 Kilometer Luftlinie entfernt ein Römer ein Landgut im heutigen Bodenbach. Soweit nichts Ungewöhnliches in der Eifel. Doch 200 Jahre später ist aus der Villa rustica eine Festung geworden. Eine Besonderheit in der Region.

Lange haben die Archäologen um Peter Henrich, Leiter der Landesarchäologie bei der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) in Koblenz und Träger des Dr.-Heinz-Cüppers-Preises, gerätselt. Klar ist seit 1890: In Bodenbach (Verbandsgemeinde Kelberg) haben Römer gesiedelt, östlich des Orts sind römische Funde dokumentiert.

Nach ersten Untersuchungen mit einem Magnetometer im Jahr 2003 vermutet Henrich: Es handelt sich um einen Burgus, eine spätantike Kleinbefestigung. Die Anlage mit drei parallel verlaufenden Verteidigungsgräben misst etwa 60 Meter im Quadrat. Eine Sensation, ist so ein Typ doch in der Region nicht bekannt. Initiiert hatte die Analyse Bodenbachs Ratsmitglied Günter Rätz, finanziert der Gemeinderat. Ziel sei es gewesen, die vermutete römische Villa zu bestätigen, sagt Rätz. Sie sollte Teil der "Geschichtsstraße" werden.

Eine zweite Untersuchung zeigte ein anderes Bild: Georadarmessungen im Sommer 2007 deuteten darauf hin, dass in der Erde die Grundmauern einer Villa rustica vom Typ Bollendorf liegen. "Die beiden Villen ähneln sich", sagt Henrich. Beide seien 27 mal 21 Meter groß. "Die Grundrisse sind nahezu identisch. Selbst die Badeanlage liegt an der gleichen Stelle."

Erst die dritte Untersuchung mit einer verbesserten technischen Methode bringt 2009 die Lösung: Henrich vermutete eine befestigte Römervilla - ein Novum in der Eifel. Um auf Nummer sicher zu gehen, graben Henrich und sein Team 2010 und 2013 in Bodenbach in Kooperation mit der GDKE und dem Landesmuseum in Trier. Gearbeitet wurde "minimalintensiv", so Henrich, "an den spannenden Punkten".Bauzeit und Bauherr unbekannt


Im Eingangsbereich waren die Mauern im Keller fast einen Meter dick. "Wir können von einem mindestens zweigeschossigen Gebäude ausgehen", sagt Henrich. Wann das Landgut errichtet wurde, "wissen wir nicht". Auch nicht, wer sie gebaut hat. Die Archäologen haben nur wenig entdeckt, was Hinweise geben könnte: "Wir haben nur 28 Münzen aus dem frühen 2. bis Mitte des 4. Jahrhunderts gefunden." Henrich geht daher davon aus, dass die Villa im 1. Jahrhundert erbaut wurde. Überhaupt gab es wenige Funde: "Das passt in vier Kisten." Interessant sind eine spanische Fischsoßenamphore, die auf Fernhandel hinweist, sowie ein Fensterglas in Butzenscheibengröße. "Es ist fast durchscheinend und erinnert an ein Jugendstilfenster", sagt Henrich. "Das habe ich noch nie vorher gesehen."

Unbekannt waren in der Eifel bis dato auch Befestigungsgräben für Villen. Drei Stück schützten ab dem 4. Jahrhundert, als die Zeiten für die Römer unruhiger wurden, das Bodenbacher Gut. Der äußere maß 57 mal 64 Meter, war 1,80 Meter breit und 60 Zentimeter tief. Die Ostseite sei nicht mehr erhalten oder musste wegen des Hanges nicht geschützt werden, vermutet Henrich. Deutlicher ausgeprägt war der mittlere Graben mit 5,40 Metern Breite und 1,50 Metern Tiefe. Die Seitenwände liefen spitz zu. Mit 5,70 Metern war der innere der breiteste und mit 1,60 Metern auch der tiefste der Gräben. Er war 32 mal 42 Meter groß. Zudem schützte eine ein Meter dicke, dreigliedrige Befestigung das Gut, bestehend aus einer Mauer, einem Stein-Erdgemisch und dicken Holzpfosten, sogenannten Palisaden, im rückwärtigen Bereich.

Ähnliche Wehranlagen kennt der Limesexperte Henrich von Kastellen am Grenzwall. Allerdings gebe es einen Unterschied: "Wir haben in der Eifel keinen Hinweis auf Militär gefunden." Vermutlich habe es hier keinen professionellen Schutz gegeben. Die Villa sei so mit nur vier Mann auf den Ecktürmen zu verteidigen gewesen. "Das war eine Privatinitiative zum persönlichen Schutz von Hab, Gut und Leben und habe wohl hauptsächlich der Abschreckung gedient. Wir haben keine Hinweise auf einen Kampf wie etwa Waffen oder Bolzen gefunden."
Rätsel gibt das Ende der Villa auf. "Wir haben keine Brandschicht gefunden", erklärt Henrich. "Das Gebäude ist nicht abgebrannt." Die Spuren zeigten, dass es nicht zerstört, sondern um das Jahr 350 systematisch eingerissen worden und unbrauchbar gemacht sein muss. Alle Gräben seien, so Henrich, intakt gewesen, als sie später verfüllt wurden. Der innere enthielt Steine, vermutlich aus der abgetragenen Wehrmauer.

Vor dem Hintergrund des Bodenbacher Fundes müsse die Villenforschung in der Eifel neu gedacht werden. "Bisher hat sich die Forschung auf die Hauptgebäude konzentriert", sagt Henrich. "Wir haben immer eine Schubkarre neben den Außenmauern aufgehört zu graben. Es würde sich lohnen zu prüfen, ob auch andere Villen befestigt waren."Extra

Die bei den Ausgrabungen entdeckten Mauer- und Fundamentreste der römischen Villenanlage sind inzwischen wieder unter der Erde begraben. Besucher können sie dennoch sehen. Entweder auf den Schaubildern der Stationen 15 bis 18 auf dem zweiten Abschnitt der Geschichtsstraße oder auch an Ort und Stelle - durch Pflanzen visualisiert. Die Grundmauern des Hauptgebäudes deutet eine Hainbuchenhecke an, in den Gräben wächst eine Blumenwiese. Nur die Befestigungsanlage ist mit Steinen markiert. Stangen machen die Traufhöhe des Gebäudes sichtbar. Die Anlage wurde am 19. Juli eröffnet. mehi