Üdersdorfer Grundschule bangt um ihre Existenz
Daun/Gerolstein · Für 553 Kinder im Kreis beginnt Anfang August das Schulleben. Sie verteilen sich auf 17 Grundschulen - eine weniger als 2010, nachdem der Standort Niederstadtfeld geschlossen worden ist. Derweil steht auch die Üdersdorfer Schule auf der Kippe.
Daun/Gerolstein. Noch etwas mehr als zwei Wochen, dann ist es wieder so weit: Mit großem Programm werden in den Grundschulen im Kreis Vulkaneifel die Schulneulinge begrüßt. Ein großer Tag, den in diesem Jahr praktisch genauso viele Erstklässler wie 2010 erleben. Denn die Zahlen haben sich in jüngster Vergangenheit kaum verändert: Waren es 2009 556 und im vergangenen Jahr 554 ABC-Schützen, sind es nun 553.
Die Schülerzahlen sind in etwa konstant geblieben, dafür gibt es eine Grundschule (GS) weniger: Der Standort Niederstadtfeld (in der Verbandsgemeinde Daun) ist (inklusive der dortigen Hauptschule) vor wenigen Wochen mit Ende des Schuljahrs 2010/2011 geschlossen worden. Die Erstklässler waren bereits im vergangenen Jahr in Üdersdorf eingeschult worden, wo nun auch die übrigen Niederstadtfelder Grundschüler ihre neue schulische Heimat haben.
Während in den übrigen vier VGen (Gerolstein: vier Grundschulstandorte; Hillesheim: zwei; Kelberg: zwei; Obere Kyll: drei) des Kreises Vulkaneifel noch kein Grundschulstandort geschlossen wurde, passiert es in der VG Daun bereits zum zweiten Mal: In Strohn gibt es schon seit 2008 keinen Unterricht mehr.
Der im Kreis-Schulentwicklungsplan prognostizierte "dramatische Einbruch" bei den Anmeldezahlen ist zumindest bei einer großen Grundschule, nämlich Gerolstein nicht eingetroffen. Die Bildung von drei Klassen fürs nächste Schuljahr war vorhergesagt worden, tatsächlich aber "gibt es dank 87 Anmeldungen vier starke erste Klassen", sagt Schulleiter Stefan Gerber, "und davon zwei feste Ganztagsklassen".
Grundsätzlich sei ein Trend zur Ganztagsschule deutlich erkennbar, sagt der Rektor, der seit 2007 in Gerolstein ist. Trotz seiner Zufriedenheit mit der aktuellen Anmeldezahl: Die Gesamtschülerzahl an der GS Gerolstein ist deutlich gesunken. Von um die 400 bei Gerbers Amtsantritt vor vier Jahren auf nun an die 340.
Ein Trend zur Ganztagsschule macht kleineren Schulen ohne ein solches Angebot zu schaffen. Beispiel Üdersdorf: Die Eltern von fünf Schülern, die ihre Kinder zur Ganztagsgrundschule Mehren schicken wollen, haben beantragt, dass eine Busverbindung von Üdersdorf eingerichtet wird. Ein Alarmsignal für die VG Daun als Schulträgerin: Gehen fünf Schüler weg, geht das an die Substanz der Üdersdorfer Schule.
"Eine Grundschule wie die in Üdersdorf ist auf jeden einzelnen Schüler angewiesen", sagt denn auch Bürgermeister Werner Klöckner. Die Konsequenz: In Üdersdorf wird so schnell wie möglich eine Betreuung an Nachmittagen eingerichtet.
Meinung
Nicht vor der Diskussion drücken
Das Thema Schulschließungen ist nicht populär, aber vor der Diskussion darüber kann sich niemand mehr drücken. Die Schülerzahlen werden zurückgehen, und damit werden vor allem kleinere Schulen nicht auf ewig Bestand haben. Heute gilt es, sich mit Zusammenlegungen auseinanderzusetzen, nicht erst dann, wenn es brennt. Auch die Kosten dürfen nicht außer Acht gelassen werden: Wer über mangelnde Finanzausstattung klagt, darf nicht in Gebäude investieren, die absehbar nicht mehr gebraucht werden. s.sartoris@volksfreund.deDas zahlen Kommunen für die Schulen: Einer Aufstellung der Verwaltung für die Jahre 2007 bis 2011 zahlete die VG Daun für ihre Schulen (Grundschulen, Hauptschule Daun, Realschule plus Gillenfeld) rund 1,4 Millionen Euro jährlich zahlen. Für die Grundschule Daun (Stand Ende Mai 2011: 292 Schüler) schwanken die Kosten zwischen knapp über 200 000 und knapp über 260 000 Euro. Für Dockweiler (87 Schüler) belaufen sich die Kosten auf knapp über 90 000 bis zu 110 000 Euro, für Mehren (163 Schüler) von 100 000 bis 122 000 Euro, für Wallenborn (50 Schüler) von 34 000 bis 50 000 Euro.