Ulmen will Energieversorger werden

Ulmen · Die Verbandsgemeinde (VG) Ulmen will kommunaler Energieversorger werden und selbst Windkraft- und Photovoltaikanlagen betreiben. Über einen Solidarpakt sollen alle Gemeinden von den Gewinnen profitieren, aber auch die Bürger sollen über Banken beteiligt werden.

Ulmen. Der Ulmener Verbandsgemeinderat hat einstimmig einen Grundsatzbeschluss zum Betrieb von Windkraft- und Photovoltaikanlagen gefasst.
"Dies ist eine wichtige Weichenstellung", meinte in Ulmen Bürgermeister Alfred Steimers. Seit Fukushima sei die Welt eine andere geworden. Die angestrebte Energiewende führe zu einer stärkeren Nutzung alternativer Energien. Darum sollten sich die Kommunen in diesem Bereich mehr engagieren, so Steimers weiter. "Wichtig dabei ist aber die regionale Wertschöpfung, denn die Gewinne sollen auch in der Region bleiben", machte er klar.
Unterstützung dafür gab es von allen Fraktionen im VG-Rat. "Wir können uns nicht länger der Windkraft entziehen", meinte CDU-Sprecherin Roswitha Lescher. Durch eine Solidargemeinschaft würden aber alle davon profitieren, daher sei dies der beste Weg für die VG. SPD-Sprecher Bernhard Rodenkirch betonte, dass es wichtig sei, dass sich alle an diesem Solidarpakt beteiligen würden, auch die, die bereits Windkraftanlagen planten. Dann sei dieser Weg "richtungsweisend".
Gespräche mit Partnern


"Wir können uns dem nicht einfach verschließen", bekannte auch Anne Piechota von der FWG Ulmen, forderte aber, nicht nur auf Windkraft zu setzen, sondern alle alternativen Energien zu berücksichtigen. "Ich war immer ein Gegner der Landschaftsverspargelung durch Windkraftanlagen", meinte Aloysius Keßeler von der FWG. Doch Fukushima habe ein Umdenken bei ihm bewirkt. Darum müsse nun alles in Betracht gezogen werden, "was uns von der Atomkraft weg bringt", so Keßeler.
Derzeit gibt es im Flächennutzungsplan der VG Ulmen keine Konzentrationsflächen für Windkraft. Hauptgrund ist der Fliegerhorst Büchel, der als wichtigster Arbeitgeber der Region nicht gefährdet werden soll. "Dies soll auch weiterhin so bleiben", machte Bürgermeister Steimers unmissverständlich klar: "Der Flughafen ist uns heilig." Dennoch sollten geeignete Flächen und Standorte für Windkraftanlagen gesucht werden, die aber nicht die Landschaft beeinträchtigen sollen.
Gleichzeitig will die Verbandsgemeinde Gespräche mit potenziellen Partnern wie RWE oder Windkraftbetreibern aufnehmen, zudem sollen Rechtsformen für eine solche kommunale Energiegewinnung geprüft werden.
Keine Einzellösungen


Im Umkehrschluss heißt dies aber auch, dass die Gemeinden auf Einzellösungen verzichten.
"Und wir wollen die Bürger daran beteiligen, beispielsweise an einem Bürgerwindrad, gemeinsam mit den örtlichen Banken", so Alfred Steimers. Er machte im VG-Rat auch deutlich: "Das wird nicht einfach, die Feinarbeit wird ziemlich schwer, das ist ein Riesenauftrag an die Verwaltung, das umzusetzen", betonte der Bürgermeister. Dennoch ist er überzeugt: "Wenn es klappt, werden alle davon profitieren." red