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Ulmener Gewerbeverein löst sich auf

Wirtschaft : Ulmener Gewerbeverein löst sich auf

Unstimmigkeiten und mangelndes Interesse haben keine konstruktive Arbeit mehr ermöglicht.

Der Gewerbeverein Arge in Ulmen hat in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung seine Auflösung beschlossen. Nun wird überlegt, wie das noch vorhandene Geld eingesetzt werden soll. Das Aus des Vereins belegt eine Schieflage, in der sich viele ländliche Gewerbevereine befinden.

Nur etwas mehr als ein Dutzend der insgesamt 55 Vereinsmitglieder hatten sich in der Bürgerstube versammelt, um entweder zu schauen, ob die Arge (Arbeitsgemeinschaft) der Gewerbetreibenden von Ulmen noch zu retten ist oder ob sie sich mangels Vorstand auflöst. Allein schon das geringe Interesse sprach Bände. Und als Beisitzerin Katja Schaaf in die Runde fragte, ob jemand für die mindestens drei für eine Aufrechterhaltung notwendigen Vorstandsposten kandidiere, meldete sich niemand.

„In Ulmen konzentriert sich das Gewerbe stark auf das Handwerk, und die Handwerker haben in der Regel zu wenig Zeit für zusätzliche Arbeit nach Feierabend“, versuchte sie eine Erklärung für das siechende Engagement. „So kommt es, dass die Ehrenämter immer an denselben wenigen Aktiven hängen.“ Nun sei es eben so weit gekommen, dass kein Nachfolger zur Verfügung stehe.

Der letzte Vorsitzende, Klaus Huntscher, hatte ebenso wie seine Vorstandskollegen bereits 2018, seinen Posten gekündigt – im Jahr der Übernahme der Vorstandsämter. Er gab einen kleinen Rückblick auf die Veranstaltungen des vergangenen Jahres: Ostermarkt, Scheunenfest, Martinsmarkt, Sitzungen zum neuen Datenschutz und zur Baustelle, die die Stadt derzeit wieder teilweise im Griff hat. Auch ein Unternehmensstammtisch, um mehr Nähe zu Gewerbetreibenden herzustellen, sei ins Leben gerufen worden.

Alles in allem also kein Beleg für Untätigkeit, ebenso wenig dafür, dass eine gemeinsame Struktur der örtlichen Gewerbetreibenden überflüssig sein könnte.

Dennoch ergab sich aus dem Fehlen jeglicher Vorstandskandidatur die Auflösung des Vereins. Katja Schaaf und Klaus Huntscher wurden als Liquidatoren gewählt, die das verbliebene Vereinsvermögen sowie das „Maarhexengold“ (geldwerte Einkaufsgutscheine) im Einklang mit der Satzung und den Anforderungen des Koblenzer Amtsgerichts entsprechenden Zwecken zuführen müssen.

„Ihr seid mit so viel Euphorie gestartet“, warf ein Mitglied ein, „warum ist das so schnell verpufft?“ Huntscher verwies auf persönliche Gründe. Zwar mögen diese sowie Vereinsinterna, über die niemand öffentlich reden mag, in Ulmen für eine besondere Problematik gesorgt haben. Doch mit ihrem Schicksal ist die Ulmener Arge nicht allein: Bereits vor einigen Jahren gab der Gewerbeverein im benachbarten Kelberg auf, auch dort war niemand mehr willens, die Vorstandsarbeit zu leisten.

Gerade noch die Kurve gekriegt hat jüngst der Gewerbeverein in Jünkerath in der Vulkaneifel, doch auch dort kamen von mehr als 40 Mitgliedern nur elf zur jüngsten Vorstandsneuwahl. Anders sieht es zum Beispiel in Kaisersesch, Cochem, Daun oder Gerolstein aus.

Nach beschlossener Auflösung und Sitzungsende gab es kurzen, eher müden Applaus, dann ging es raus in den Abend, vorbei an der Brandruine der ehemaligen Sushibar und Eisdiele, die den Marktplatz derzeit beherrscht. „Es ist ein Trauerspiel“, sagte ein Händler, „wir dürfen doch nicht zulassen, dass die Kernstadt weiter abstirbt.“