Ulrike soll wieder zur Schule gehen - Alles hängt an einem Gutachten der Behörden

Mutter kämpft für Bildung ihres Kindes : Ulrike soll wieder zur Schule gehen - Alles hängt an einem Gutachten der Behörden

Eine schwierige Situation: Anja Saxler möchte, dass ihre  zwölfjährige  behinderte Tochter wieder mit anderen Kindern zusammen lernen kann.

Mit geübter Hand zieht Anja Saxler die hochkalorische Nahrung mit der Spritze auf und setzt diese an den elastischen Kunststoffschlauch, der die Verbindung zwischen Bauchwand und Magen ihrer Tochter Ulrike herstellt. Perkutane endoskopische Gastrostomie (PEG-Sonde) ist das Fachwort für das Verfahren, mit dem die heute Zwölfjährige seit 2016 ernährt wird.

Kurz nach dem ersten Geburtstag seien bei der bis dahin gesunden Ulrike nach einer schweren Magen-Darm-Grippe Entwicklungsstörungen aufgetreten, erzählt Anja Saxler. „Sie konnte nicht mehr laufen, und sie verweigerte jegliche feste Nahrung“, erinnert sie sich an den Herbst 2008. Auf die zunächst verabreichte Flüssignahrung folgte später dann die künstliche Ernährung per PEG-Sonde. „Aber damit kommen wir gut zurecht“, sagt Anja Saxler.

Doch etwas anderes macht der 45-Jährigen, die ursprünglich aus Kirchweiler stammt und mit Ulrike sowie ihren 14 und 19 Jahre alten Söhnen im Juli aus Hessen zu ihrem Lebensgefährten nach Welcherath in der Verbandsgemeinde Kelberg umgezogen ist, zu schaffen. Mit diesem Anliegen hatte sie sich schließlich an unsere Zeitung gewandt. „Ulrike besucht seit April nicht mehr die Schule, und das soll noch mindestens ein halbes Jahr lang so bleiben“, erklärt sie. Und erzählt, dass ihre Tochter von der zuständigen Behörde im hessischen Alsfeld wegen des „hohen Hilfebedarfs“ für „nicht beschulbar“ erklärt worden sei (siehe Info).

Ihrem Antrag auf Hausbeschulung sei wegen des Widerspruchs von Ulrikes Vater nicht stattgegeben worden. Inzwischen sei Ulrike aber ausgeglichener, betont Anja Saxler. So habe sie sich direkt nach dem Umzug in die Vulkaneifel an das zuständige St.-Laurentius-Förderzentrum in Daun gewandt, damit ihre Tochter dort unterrichtet wird.

Doch auch hier kann das Mädchen nicht eingeschult werden, da das Einverständnis der hessischen Behörden nicht vorliege. „Es soll ein Sachverständigen-Gutachten erstellt werden, für das eine Frist von sechs Monaten eingeräumt wurde“, sagt Ulrikes Mutter. Und bedauert: „Das Kind weiß nichts mit sich anzufangen. Ihr fehlt es ohne Schule an Struktur, und ihr ist es langweilig.“

Aus datenschutzrechtlichen Gründen können die mit dem Fall befassten Ämter und Behörden nach eigenem Bekunden hier wie dort  keine Auskunft geben oder eine Aussage treffen. Dennoch hofft Anja Saxler, dass sich durch die Veröffentlichung des Falls eine zeitnahe Lösung zu Gunsten von Ulrike ergibt.

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