Umbau des Bahnhofs Gerolstein beginnt frühestens 2019.

Infrastruktur : Weiter Verspätung auf den Gleisen 1 bis 4

Umbau des Bahnhofs Gerolstein beginnt frühestens 2019. Die Stadtverantwortlichen sind darüber verärgert – und über das Gebaren der Deutschen Bahn.

2014, 2016, Herbst 2017, Frühjahr 2018 und nun wohl doch erst frühestens 2019: Der Start für den Umbau des Bahnhofs Gerolstein wurde mehrfach von Seiten der Bahn verschoben, nun erneut. Das sorgt für Frust bei den Verantwortlichen der Stadt. Die neuerliche Terminverschiebung hat eine Anfrage des Grünen-Stadtratsmitglieds Tim Steen an den Tag gebracht. Der hatte die Stadt bezüglich des Bahnhofsprojektes angeschrieben, woraufhin diese sich an die Bahn gewandt und eine Antwort mit folgendem Wortlaut erhalten hat: „Die Baumaßnahme soll möglichst früh im Jahr 2019 begonnen werden. Die Abstimmungen dazu laufen.“

 Auf TV-Nachfrage bestätigte die Pressestelle der Deutschen Bahn in Frankfurt dies. Und lieferte auch eine Erklärung für die neuerliche Verzögerung mit: „In Abstimmung mit der Stadt Gerolstein wurde der Baubeginn auf 2019 verschoben. Der ursprünglich genannte Baubeginn konnte nicht eingehalten werden, da vom Eisenbahnbundesamt noch kein Planfeststellungsbeschluss ausgefertigt wurde.“

Hintergrund: Bereits am 30. September 2017 endete die Frist, zu der Stellungnahmen für die Planung abgegeben werden konnten. Inzwischen, also mehr als ein halbes Jahr später, liegt nach Auskunft der Gerolsteiner Verwaltung zwar seit Anfang April besagter Planfeststellungsbeschluss vor. Der stellt die rechtliche Grundlage für den Umbau dar. Dennoch kann es noch nicht losgehen. Denn zuvor müssen die Deutsche Bahn und die Stadt Gerolstein einen Vertrag über den Bau- und Finanzierungsplan des Vorhabens unterzeichnen. Der Erste Stadtbeigeordnete Klaus Jansen sagte im Bauausschuss: „Soweit ich weiß, gibt es noch nicht mal einen Vertragsentwurf, auf jeden Fall liegt der Stadt noch keiner vor.“ Und sobald er vorliege, müsse er ja auch erst noch in den städtischen Gremien beraten und nochmals mit der Deutschen Bahn abgesprochen werden, was weitere Zeit koste. Laut DB ist der „Realisierungs- und Finanzierungsvertrag in der Erarbeitung“. Ein Bahnsprecher teilte auf TV-Anfrage mit: „Wir planen, dass dieser bis Anfang Sommer der Stadt Gerolstein zur Prüfung übersandt werden kann.“

Eine weitere Aussage der Bahn macht stutzig. Obwohl der Umbau erst 2019 beginnen soll, heißt es von der DB-Pressestelle:  „Planmäßig sollen die zu einer Maßnahme zusammengefassten Bauabschnitte im September/Oktober 2019 fertiggestellt sein.“

Das alles brachte den SPD-Fraktionsvorsitzenden Uwe Schneider auf die Palme. Er sagte: „Wir haben das Thema Bahnhof über Jahre auf der Tagesordnung. Wir haben uns schon mit solch konkreten Dingen wie der Größe der Überdachungen und der Gestaltung der Fußgängerüberführung in etlichen Stunden auseinandergesetzt, und es gab von der Bahn auch schon einen vorgelegten Zeitplan für 2018 – und jetzt dies! Es ist eine Unverschämtheit, wie die Deutsche Bahn mit uns als Kommune umgeht und sich mit den Verträgen Zeit lässt.“

Und er fügte hinzu: „Ich schäme mich für unseren Bahnhof, der ja immerhin zu den zehn wichtigsten in ganz Rheinland-Pfalz zählt. Nicht nur wegen der Unterführung, sondern auch wegen der Blumenwiese, die jetzt wieder zwischen den Gleisen wächst.“ Er appellierte: „Wir sollten uns das nicht länger gefallen lassen, sondern einen Brandbrief an die Deutsche Bahn schicken oder über unsere Land- und Bundestagsabgeordneten politischen Druck ausüben.“

Parallel zum oder direkt im Anschluss an den Umbau der Bahnstation soll auch der unansehnliche Bahnhofsvorplatz erneuert werden. Foto: Mario Hübner
Der heruntergekommene Bahnhof in Gerolstein soll seit Jahren komplett umgebaut werden. Der Baustart verzögert sich nun aber erneut, sodass es frühestens 2019 losgeht. Foto: Mario Hübner

Während sich der Umbau der Bahnsteige weiter verzögert, ist  das Bahnhofsgebäude seit inzwischen zweieinhalb Jahren schick und modern: Die VG-Werke Gerolstein hatten es gekauft, umbauen lassen, Mieter gefunden und sind im Obergeschoss dort auch selbst eingezogen. Der Bahnreisende kann sich also zumindest dort in nettem Ambiente und bei einer Tasse Kaffee und einem Brötchen aufhalten und auf den nächsten Zug warten.