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Umfrage-Trend: Mehrheit für Verbandsgemeinde Kelberg

Umfrage-Trend: Mehrheit für Verbandsgemeinde Kelberg

In gut vier Monaten endet die Freiwilligkeitsphase, in der sich Verbandsgemeinden Fusionspartner aussuchen dürfen. Die Verbandsgemeinde Kelberg setzt aber nach wie vor auf Eigenständigkeit. Dass auch ein Großteil der Bürger dahintersteht, davon soll Innenminister Lewentz überzeugt werden.

Kelberg. Für ein paar Tage die Regentschaft über die Verbandsgemeinde (VG) Kelberg abzugeben, ist für Bürgermeister Karl Häfner (CDU) kein Problem. Am Weiberdonnerstag wird er wieder symbolisch Widerstand leisten, dann aber kapitulieren, wenn die Narren zum Sturm auf das Verwaltungsgebäude blasen.
Geht es aber um die Zukunft der VG, wollen weder Häfner noch der VG-Rat klein beigeben. Nach wie vor gilt: Die VG Kelberg will eigenständig bleiben und nicht - wie vom Land empfohlen - mit der VG Daun fusionieren. Auch eine "Nord-VG" mit Hillesheim und der Oberen Kyll, die nach dem Ausstieg der VG Gerolstein (der TV berichtete) hätte eine Option sein können, kommt für Kelberg nicht infrage.
Das Land hat aber bislang nicht erkennen lassen, dass es eine Möglichkeit gibt, die es zulassen würde, dass die VG Kelberg weiter besteht. Sie ist zwar flächenmäßig groß und hat mit 33 auch mehr Orte als viele andere Verbandsgemeinden. Aber sie liegt mit etwa 7200 Einwohnern deutlich unter der Marke von 12 000 Einwohnern, die - geht es nach dem Land - eine VG künftig mindestens haben sollte. Alois Kapell, Vorsitzender des vor gut einem Jahr ins Leben gerufenen Arbeitskreises (AK) "Die VG Kelberg muss bleiben", gibt aber trotz der Haltung der Landesregierung die Hoffnung nicht auf. "Vielleicht beeindruckt den Minister das Ergebnis der Unterschriftenaktion, die wir im November vergangenen Jahres gestartet haben", sagt der 66-Jährige. Ortsbürgermeister, Beigeordnete und Ratsmitglieder waren (und sind teilweise immer noch) in den Dörfern unterwegs, um Unterschriften für den Erhalt der VG zu sammeln.
KOMMUNAL REFORM



Nun soll die Aktion langsam auslaufen, nach Fastnacht beginnt im Rathaus die Auswertung der Listen. "Es wird zwar noch etwas dauern, bis das endgültige Ergebnis vorliegt, aber wir bemühen uns schon um einen Termin beim Innenminister", berichtet der langjährige Leiter der Kelberger Schule. Denn auch ohne offizielle Zahlen ist die Tendenz laut Kapell klar: "Es zeichnet sich eine überwältigende Mehrheit für den Erhalt ab."
Der Großteil der Bürger sei gerne bereit, für den Fortbestand der VG zu unterschreiben.
Kapell wertet auch als positives Zeichen, dass es anders als beispielsweise in der VG Obere Kyll keine Gemeinden gegeben hat, die in eine andere VG wechseln wollen. "Ich finde es bemerkenswert und erfreulich, dass noch niemand ausgeschert ist." Das sei auch Ansporn für den AK, mit seiner Arbeit bis Mitte des Jahres unverändert weiterzumachen.
Der 30. Juni ist ein wichtiges Datum, denn dann endet die sogenannte Freiwilligkeitsphase der Kommunal- und Verwaltungsreform.
Bis dahin könnte sich die VG Kelberg noch einen Partner für einen Zusammenschluss suchen - wenn sie denn wollte. Das Land bevorzugt die VG Daun als Fusionspartnerin: Dann entstünde ein Gebilde mit 71 Gemeinden und an die 30 000 Einwohnern. Zum Vergleich: Die nach den Einwohnerzahlen derzeit größte VG im Land ist Montabaur mit rund 40 000 Einwohnern, die meisten Ortsgemeinden hat Bitburg-Land mit 51. Eine Fusion mit Daun ist für Kapell "keine Alternative".
Ist eine mögliche VG Daun-Kelberg vernünftig zu verwalten? Auf eine entsprechende Anfrage des TV antwortet der Bürgermeister der VG Daun, Werner Klöckner (CDU): "Ja".
Extra

Der ehemalige Kommunalbeamte Werner Krämer (82) aus Kelberg hofft, dass die Bevölkerung in ihrer eindeutigen Mehrheit am Fortbestand der VG interessiert ist. Denn wenn sie sich "im großen Stil für den Erhalt ausspricht, kann die VG noch eine Zukunft haben." Monika Meyer (47), Musiklehrerin aus Mannebach, hat auch Resignation in der Bevölkerung gespürt. "Leider höre ich immer wieder Äußerungen wie ,Auf uns nimmt sowieso keiner Rücksicht\\'". Obwohl sie es bedauern würde, wenn die Eigenständigkeit verloren ginge, schätzt sie die Chancen auf Erhalt als eher gering ein. Stefan Müsseler (37), Lehrer aus Bongard, schätzt wie viele seiner Bekannten und Freunde "die kurzen Wege, die Bürgernähe und die solide Haushaltssituation in der VG." Die Chancen für einen Fortbestand hält er aber für gering: "Meines Erachtens ist die Sache längst von oben entschieden." Trotzdem hält er es für richtig, "sich weiterhin für den Erhalt dieses gut funktionierenden Systems einzusetzen." Marlene Muysers (47), Hausfrau aus Welcherath, hat festgestellt, dass die Kommunalreform ein Thema auch bei älteren Menschen ist. "Für sie ist es ja jetzt schon nicht immer ganz einfach, ihre Behördengänge zu erledigen, erst recht nicht, wenn wir zu Daun gehören. Die Menschen befürchten, dass der persönliche Kontakt deutlich abnehmen wird." Sie hält die Eigenständigkeit zwar für "unbedingt wünschenswert", befürchtet aber, dass die Landesregierung ihre Pläne durchsetzt. "Beim Einkaufen oder bei den Wanderungen des Eifelvereins drehen sich die Gespräche oft um die Zukunft der VG und um die Unterschriftenaktion", berichtet Ilse Zeimetz (60), Ärztin aus Kelberg. Die Wahrscheinlichkeit, dass die VG eigenständig bleibt, hält sie für "sehr gering. Ich vertraue nicht darauf, dass die Landesregierung ihr Versprechen hält, den Willen der Bevölkerung zu berücksichtigen." bb/sts