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Und der Sieger ist ... der Bürgerbrunnen

Und der Sieger ist ... der Bürgerbrunnen

Entscheidung nach mehrmonatiger Vorgeschichte: Der Bürgerbrunnen von Martin Schambach wird künftig den Rondellvorplatz zieren. Das hat der Stadtrat am Dienstagabend mit deutlicher Mehrheit (16 Ja-, fünf Nein-Stimmen, eine Enthaltung) entschieden.

Gerolstein. Erst zaghafter, dann lautstarker Applaus der gut 30 anwesenden Bürger brandet um 20.04 Uhr auf, als sich der Stadtrat nach zwei Stunden Präsentation, Fragerunde und Sitzungsunterbrechung mehrheitlich für das Brunnenmodell von Martin Schambach ausspricht und Stadtbürgermeister Bernd May (parteilos) nüchtern feststellt: "Damit ist die Entscheidung für den Bürgerbrunnen gefallen." May selbst hatte sich gegen dieses Modell ausgesprochen.
Dass der Jubel der vielen Bürgerbrunnen-Unterstützer anfangs sehr verhaltend ausfällt, hat damit zu tun, dass die meisten es erst einmal noch nicht richtig fassen können. So sagt Zuschauerin Annett Höcker nach der Sitzung: "Ich war mir erst gar nicht sicher: Ist das jetzt die Entscheidung? Haben wir es wirklich geschafft?" Dann aber Klarheit. Und Glückwünsche an den Künstler Schambach, der sich mit seinem Entwurf letztlich deutlich gegen den Röhrenbrunnen mit dem Titel "Raumtäuschung" von Werner Bitzigeio aus Winterspelt durchgesetzt hat. Dem TV sagt Schambach nach der Entscheidung: "Jetzt geht die Arbeit erst richtig los." Den Beifall und die Glückwünsche nach dem Votum nennt er "ein schönes Gefühl", fügt aber hinzu: "Der Applaus gilt ja nicht nur mir, sondern genauso dem Engagement der Bürger, ohne das es meinen Entwurf nie gegeben hätte."
Thomas Regnery, einer der Initiatoren des Bürgerbegehrens gegen den zuvor bereits von der Stadt ausgewählten Röhrenbrunnen, zeigt sich ebenfalls froh und gibt das Lob zurück. Er sagt: "Ich bin super zufrieden. Aber ich bin auch glücklich, dass wir so einen tollen Künstler aufgetan haben."
Sein Mitstreiter Martin Stritzke will nach den stressigen Wochen des Bürgerbegehrens, bei dem mehr als 1000 Unterschriften gesammelt wurden, "gar nicht mehr viel sagen". Er meint nur bissig-knapp: "Manchmal gewinnen eben doch die Richtigen."
Kostenrahmen: 30 000 Euro


Vor der Entscheidung hatten beide Künstler ihre Modelle präsentiert und Fragen der engagierten und interessierten Stadtratsmitglieder beantwortet. Zunächst war Martin Schambach an der Reihe. Von ihm wollte Werner Schwind (CDU) wissen: "Kann wirklich jedes Material eingegossen werden?" Zu weiche Materialien eignen sich nach Aussage des Künstlers nicht. Er sagte: "Aber was etwas weniger geeignet ist, kann durchaus in den Sockel der Fundamentplatte gegossen werden. Die Dinge sind dann zwar nicht sichtbar, aber dennoch integriert. Und somit wird auch der Idee der Einbindung der Bürger entsprochen."
Zum Verständnis: Grundidee des Brunnens ist es, dass Bürger Dinge, mit denen sie etwas verbinden, in die Beton-Fundamentplatte eingießen lassen können. Das soll bei einem öffentlichen Event passieren.
Ratsmitglied Schwind lobte vor allem, dass die vier Sitzbänke, von denen jede eine Tonne wiegen soll, nun nicht aus Beton, sondern aus Granit und die Brunnenplatte aus Basalt hergestellt werden sollen: "Ich bin angetan davon, dass einheimisches Gestein im Mittelpunkt steht."
Im Mittelpunkt der Fragen der Beigeordneten standen die Kosten und ob bereits Vorgespräche mit Handwerkern und Firmen geführt worden seien, um den Kostenrahmen von 30 000 Euro einhalten zu können. Schambachs Antwort: "Ja, es gab Vorgespräche. Und die Preise sind so kalkuliert worden, wie ich Planunterlagen bekommen habe. Die Preisobergrenze ist sportlich, kann nach jetziger Kalkulation aber gehalten werden."
Tim Steen (Grüne) wollte wissen, wie lange die Bauzeit ist. "Im Winter geht nichts mehr, aber danach ist der Brunnen relativ zügig zu realisieren", sagte Schambach. Seine Prognose: Bis zum Sommer 2012 könne der Brunnen stehen.
Apropos Zeit und Geld: Mitbewerber Werner Bitzigeio, der sein Modell ebenfalls kompetent präsentiert und ebenfalls zahlreiche Fragen beantwortet hatte, meinte am Ende, als er auf sein eventuelles Honorar angesprochen wurde: "An dieser Geschichte sind schon sehr viele Stunden an Aufwand verschlissen worden."Meinung

Vorbildliches Engagement
Das deutliche Votum für den Bürgerbrunnen von Martin Schambach und somit auch die Kehrtwende des Stadtrats in der Brunnen-Entscheidung ist ein Paradebeispiel für Demokratie - also die Willensbildung und Entscheidungsfindung durch Bürger. Da haben sich Gleichgesinnte zusammengetan und etliche Zeit investiert, um ihre Wunschvorstellung für ein bestimmtes Projekt zu realisieren. Da ist es zunächst einmal zweitrangig, dass sie sich erst nicht für, sondern gegen etwas engagiert haben. Nämlich den Röhrenbrunnen von Werner Bitzigeio und vor allem: Wie die Stadt die Entscheidung für diesen herbeigeführt hat. Die nun abschließende Diskussion im Stadtrat hat gezeigt: Die Ratsmitglieder haben verstanden. Selten ist über ein Vorhaben so ausführlich, engagiert und interessiert gesprochen worden. Selten haben sich die Räte im Vorfeld so intensiv um eine eigene Meinungsbildung bemüht. Vorbildlich und zur Nachahmung empfohlen. Das gilt auch für das Bürgerengagement. Der Sieg der Bürger hat gezeigt, dass es sich lohnen kann, Zeit für die eigenen Vorstellungen, für die Gestaltung der Heimat aufzubringen. Warum dann nicht auch gleich dauerhaft? Die Parteien suchen stets engagierte Mitstreiter. Sich dort einzubringen und es besser machen zu wollen, ist allemal besser, als nur zu meckern. m.huebner@volksfreund.de