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Uneins bei Windkraft, Fusionen, Kreisstraßen

Uneins bei Windkraft, Fusionen, Kreisstraßen

Der eine erachtet den Bau neuer Windräder, die Abstufung kaum genutzter Straßen und die Zusammenlegung von Verwaltungen als notwendig (Thiel), der andere winkt bei diesen Themen ab (Bender): Beim Kandidatenforum des Trierischen Volksfreunds zur Landratswahl haben die Bewerber Frank Bender (CDU) und Heinz-Peter Thiel (parteilos) rund 600 Gästen eine informative und friedliche Diskussion geboten.

Am Sonntag, 2. Dezember, ist nicht nur Landratswahl im Kreis Vulkaneifel, sondern auch der erste Advent, Beginn der Vorweihnachtszeit. Da geht es stets etwas besinnlicher und nachdenklicher zu. Auch auf die beiden Landratskandidaten scheint dieser Geist übergesprungen zu sein. Sowohl CDU-Mann Frank Bender (52), seit 2000 Kreisdirektor im Kreis Siegen-Wittgenstein, der von der BUV unterstützt wird, als auch der parteilose Heinz-Peter Thiel (49), seit 2003 Chef der Polizeiinspektion Daun, hinter dem SPD, FWG und Grüne stehen, haben beim Kandidatenforum des TV weitgehend darauf verzichtet, den Kontrahenten im Rededuell niederzuringen, ihn festzunageln.Nur ganz selten wurden kleine Nadelstiche gesetzt. So Thiel mit der Frage an Bender, wie er als Landrat mit der Landesregierung kooperieren wolle, die er schon oft attackiert habe: "Das hat etwas mit Professionalität zu tun. Und, wie gesagt: Ich habe Landrat gelernt", parierte der Kreisdirektor geschickt und setzte seinerseits einen Treffer. Oder beim Thema A 1. Nachdem Thiel sich zum zügigen Weiterbau bekannt hat ("Eine begonnene Baustelle muss auch abgeschlossen werden."), merkte Bender süffisant an: "Schön, dass auch Sie jetzt auf dem richtigen Weg sind."
Vergiftetes Klima im Kreis


Aufschlussreich auch die Aussagen auf die Fragen der TV-Moderatoren Lars Ross und Stephan Sartoris sowie einiger Gäste zum vergifteten Klima in Kreis und Kreistag. So meinte Thiel: "Ich werde einerseits das Gespräch mit allen Gruppierungen suchen und bin es andererseits gewohnt und in der Lage, eine professionelle Distanz zu konfliktsuchenden Akteuren zu wahren." Und Bender auf die Frage eines Bürgers, wie er sich gegen zu große Einflussnahme des BUV-Vorsitzenden, Dauner Unternehmers und Eifelzeitungseigentümers Peter Lepper zur Wehr setzen wolle: "Ich bin 52 Jahre und habe lange Berufserfahrung. Da hatte ich bereits Kontakt zu vielen interessanten Persönlichkeiten und lasse mich weder einwickeln noch leicht verbiegen." Raunen im Publikum.
Aufhorchen auch bei den Punkten, wo es unterschiedliche Auffassungen gab. So bei der Energiewende.Während Thiel eine Konzentration von neuen Windkraftanlagen auf wenige Standorte im Kreis wünscht, winkt Bender generell ab und sagt: "Wir sind nicht die richtige Region, um Windenergie wirtschaftlich zu betreiben."
Dennoch sind beide so realistisch zu sehen, dass der Kreis bei diesem Thema kaum mehr Einfluss nehmen kann. Da bleibt es nur bei Appellen: selbst Betreibergesellschaften gründen, die heimischen Banken als Geldgeber einbinden, auch Gemeinden ohne neue Anlagen über eine Solidargemeinschaft an den Einnahmen beteiligen.
Kommunalreform ist Quatsch


Unterschiede auch beim Thema Kommunalreform. Während Bender sie als "Quatsch" abtut und prognostiziert, dass "nach den anstehenden jahrelangen Prozessen und der nächsten Landtagswahl das Thema vielleicht bald vom Tisch sein wird", macht sich Thiel konkret Gedanken und spricht sich im Kreis für nur noch zwei Verbandsgemeinde- und eine Kreisverwaltung aus. Bei der Abstufung oder Einziehung von Kreisstraßen winkt Bender ab, während Thiel darauf verweist, dass der Landrat schlicht gezwungen sei, die bestehenden Landesgesetze umzusetzen. Auf die Frage, wo der hoch verschuldete Kreis noch Geld sparen könnte, wichen beide aus.
Überhaupt bemühten beide Bewerber oftmals Floskeln wie "moderierender Ausgleich", "Befriedung der Kreispolitik", "von Vernunft geprägte Herangehensweise". Und sie applaudierten, wenn der Mitbewerber eine Position eingenommen hatte, die der eigenen ähnlich war.
Und Übereinstimmungen gibt es in vielen Bereichen. Beide wollen die Bildungslandschaft sowie das Straßennetz im Kreis verbessern, beide fordern einen gerechteren Finanzausgleich im Land und - wie erwähnt - den zügigen A1-Weiterbau.
Und so zeigte sich Moderator Lars Ross trotz aller Ausweichmanöver der Bewerber, und nachdem er appelliert hatte, am Sonntag wählen zu gehen, zum Ende zuversichtlich: "Heute Abend war ein guter Start für eine friedlichere Zukunft im Kreis."Meinung

Zu selten Farbe bekannt
Das gut besuchte TV-Forum zur Landratswahl hat drei Erkenntnisse zutage gefördert. Erstens: Das politische Klima im Kreis ist nach wie vor überhitzt. Das hat man am Verhalten der Kontrahenten sehen können. Keiner wollte Öl ins Feuer gießen. Das lodert nach der Rücktrittsankündigung von Landrat Heinz Onnertz zwar nicht mehr, aber es glimmt nach wie vor, und lässt sich leicht wieder entfachen. Zweitens: Zwischen der Haltung der Kandidaten gibt es mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Daher wäre es zumindest für die noch unentschlossenen Wähler besser gewesen, wenn die Bewerber den Mut gehabt hätten, deutlicher Farbe zu bekennen. Drittens: So nah die beiden Bewerber liegen, so eng wird auch die Wahl am Sonntag ausgehen. Und erst in der Zeit danach wird man sehen, ob es dem Neuen wirklich gelingt, die verfeindeten Lager wieder zusammenzubringen. Oder ob sich lieber weiter gefetzt wird, während andernorts um die Auflösung des Kreises beraten wird. m.huebner@volksfreund.deExtra

Kölsche Fasteloovend oder Meenzer Fassenacht? Auf die Frage seines Kontrahenten antwortet Heinz-Peter Thiel: In dieser Zeit mache ich lieber meine Steuererklärung." Da schüttelt Bender nur ungläubig den Kopf: "In der schönsten Zeit des Jahres." Dienstfahrräder oder Dienstmotorroller: Während Thiel als Hobby-Radsportler sich eher für dienstliche Mountainbikes in der Kreisverwaltung einsetzen will, spricht sich Vespa-Fan Bender eher für Dienst-Motorroller ein. Nah dann viel Spaß bei den nächsten Fahrten nach Mainz. mhExtra

Im Kreishaus kann am Sonntag ab 18 Uhr mitverfolgt werden, wie die Ergebnisse einlaufen. Wer nicht vor Ort sein kann, den informiert der TV am Sonntag online ( www.volksfreund.de ). mh