Unkomplizierte Hilfe

GEROLSTEIN. (vog) "Gewalt in der Familie" war das Hauptthema der Jahreshauptversammlung des Vereins "Hilfe für Frauen in Not - Fin". Seit Jahresbeginn verzeichnet Fin jede Woche einen neuen Fall - ohne die, die schon seit längerem betreut werden. Fin sucht weitere ehrenamtliche Helferinnen.

"Gewalt in der Familie ist leider immer wieder ein Thema", sagte Fin-Vorsitzende Evi Linnerth zu Beginn der Versammlung. 14 der 82 Mitglieder verfolgten gebannt die Erläuterungen der Aufgaben des Vereins anhand von zwei anonymisierten Fallbeispielen. Die von Frauen aus der Region real erlebten Szenarien lassen aufhorchen: Gewalttätige Ehemänner und Väter, die ihre Familien malträtieren und mit Psychoterror in Schach halten. Neben Gewalt spielt auch oft Alkohol eine entscheidende Rolle. Erst, wenn der Druck schier unerträglich wird, wagen viele Frauen den "Schritt nach draußen". "Gerade zum Jahresbeginn kam jede Woche ein neuer Fall dazu", berichtet Linnerth. Selten sei die ehrenamtliche Hilfe von Fin mit einem Anruf erschöpft. "Meist folgen Kontakte über die nächsten Wochen oder sogar Monate. Mal geht es um die rasche Suche nach einer neuen Wohnung, mal um die Begleitung zu Behörden", sagte Linnerth. In den beiden Beispielen kümmern sich die Fin-Mitarbeiterinnen seit mehr als einem halben Jahr um die Frauen und deren Kinder, die Opfer häuslicher Gewalt wurden. "Viele Frauen brauchen dabei nicht nur Beratung, sondern auch Trost und Stärkung. Einfach einen Ansprechpartner in Notsituationen", sagt die Vorsitzende. Werktags außer mittwochs können Hilfesuchende von 10 Uhr bis 18 Uhr (ansonsten ist der Anrufbeantworter eingeschaltet) über die Fin-Bereitschaftsnummer 06591/ 980622 eine Mitarbeiterin erreichen. Der Dienst wird vom ehrenamtlichen Fin-Team geleistet. Die zehn Betreuerinnen (die dringend Verstärkung suchen) begleiten die Hilfesuchende auch zu Gerichtsverhandlungen, zur Schuldnerberatung oder helfen bei der Vermittlung von Finanzmitteln. Das meiste Geld aus den Fin-Mitgliedsbeiträge und Spenden wird für Fahrkosten oder die Unterbringung in sicheren Unterkünften aufgewendet.