Unliebsame Besucher

Der Kreisbauernverband Daun zeichnet Horrorszenario auf: extreme Schäden durch Wildschweine auf landwirtschaftlichen Flächen und Rotten, die demnächst Hausgärten verwüsten. Jäger halten mit vermehrten Abschüssen dagegen. Heute Abend treffen sich in Wiesbaum Ortsgemeinderat und Jagdgenossenschaft.

Wiesbaum/Daun. "In großen Gebieten des Landkreises haben die Wildschweine schon enorme Schäden angerichtet. Es ist fünf nach zwölf. Ich bin überzeugt davon, dass in Kürze das Schwarzwild bis in die Dörfer vorrückt", meint Bernd Feltges, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Vulkaneifel. Die Schwarzwildbestände seien extrem gestiegen.

Beim heutigen Treffen in Wiesbaum geht es darum, dass die Jagdpächter wegen zu hoher Schadensregulierungen Jagdpachtminderung fordern. Trotz der enormen Schäden ist die Existenz der Bauern nicht bedroht. Feltges erklärt: "Die Jagdpächter müssen die Schäden ja regulieren. Trotzdem ist es ärgerlich für beide Seiten."

Bei Schäden in Grünland sei der Aufwuchs für ein Jahr vernichtet, weil die Grasnarbe zerstört ist. Fast alle 300 Haupterwerbsbetriebe (20 000 Hektar Grün- und 10 000 Hektar Ackerland) seien betroffen. Genaue Schadensermittlungen existieren nicht, da nur die Streitfälle bei den Verbandsgemeinden bekannt werden.

Kreisjagdmeister Ulli Umbach dementiert jeglichen Vorwurf an die Jägerschaft: "Die Jäger sind doch aus eigenem Interesse schon sehr bemüht, den Bestand zu reduzieren. Nirgendwo gibt es Jäger, die keine Sau schießen." Er verspricht eine "eklatante Reduzierung in den nächsten Wochen", da etliche revierübergreifende Großjagden anständen.

Umbach erläutert die aktuelle Situation: "Die Sauen hatten beste Nahrungsbedingungen durch den lauen Winter und nehmen schneller zu." Bachen werden meist mit 30 Kilogramm Gewicht geschlechtsreif, dieses Jahr also früher als üblich. Der Kreisjagdmeister sieht bei der Bejagung auch die Bauern in der Pflicht.

In immer größeren Maisfeldern sollten Schneisen schon beim Anbau gelassen werden, damit die Jäger die Chance erhalten, das Schwarzwild zu sehen. Umbach: "Vielerorts kann erst nach der Maisernte gejagt werden." Landwirt Lothar Schütz aus Wiesbaum, dem Wildschweine 20 Prozent eines sieben Hektar großen Maisfeldes verwüstet haben, kontert: "Wir bauen doch keinen Mais an, um die Jäger zu ärgern. Wir brauchen ihn als Viehfutter und für die Beschickung der Biogasanlage." Schneisen würden hohe Verluste bedeuten. Schütz: "Die Flächen fielen bei der Berechnung der Flächenprämie raus und könne keinen Ertrag bringen."

In diesem Jahr (Stichtag 30. September) haben die Jäger bereits 1115 Stück Schwarzwild erlegt. 2007 waren es 834, 2006 nur 491 und 2005 immerhin 1145.