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Unser "Koch zum Sonntag"

Unser "Koch zum Sonntag"

Walburga und ich sind uns einig: Nicht Kerner, Beckmann und Jauch sind die bestimmenden und allgegenwärtigsten Figuren des deutschen Fernsehens, sondern die Köche. Diese stets in blütenweißer Kluft Auftretenden gehören zur optischen und inhaltlichen Grundausstattung eines jeden Senders.

Köche treiben sich in fröhlich-geschwätziger Ausübung ihres Amtes auf allen Kanälen herum. Walburga bezweifelt, dass es dafür überhaupt noch genug Rezepte gibt. Inzwischen wohl nicht mehr, denn Köche "lafern" sich nun auch durch kochfremde Sendungen, bei denen trotzdem nur schmalste Unterhaltungskost aufgetischt wird. Ja, Schlimmeres muss befürchtet werden: Es könnte bald die Sendung "Koch zum Sonntag" geben, ein Koch die Nachrichten ("Wir heben den Deckel hoch") und den Wetterbericht ("Was braut sich da") sprechen, Tim Mälzer beim Neujahrskonzert die Wiener Philharmoniker dirigieren, ein Koch die Weihnachtsansprache ("Wir kochen für Deutschland") halten; Guido Knopp berichtet in "History" über "Wie Köche die Welt verändert haben", Wolf von Lojewski über "Abenteuer Kochen" und zur besten Sendezeit singen die Fischerchöre Kochlieder aus aller Welt mit dem Auftakttitel: "Mal koch ich am Neckar, mal koch ich am Rhein." Wem damit nicht genug geköchelt wird, wem das noch nicht reicht, der sei an den hessischen Landesvater Koch ("Wie versalze ich anderen die Suppe") oder an unseren Hillesheimer Karl-Wilhelm Koch ("Meine geliebte grüne Landesküche") erinnert. Nicht zu vergessen den regionaltypischen Vielschreiber Jacques Berndorf, der 2007 vielleicht den Krimi "Eifel-Koch" vorlegt. Da wundert es nicht, dass ein gewisser Paul, sternenloser Chefkoch eines Eifeler Ra(s)tshauses gleich für eine ganze Kochbuchreihe verantwortlich zeichnet. Die Werke tragen, wie man auf der Frankfurter Buchmesser hörte, folgende Titel: "Hier kocht der Chef sein eigenes Süppchen", "Kochen ohne Rezept - Typisches aus dem Gerolsteiner Land", "Kochen ohne Zutaten - Schmeckt nicht, gibt's doch" und "Ein Koch verdirbt den Brei". "Guten Appetit" wünscht