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Unternehmer aus Ulmen produziert jetzt Desinfektionsmittelspender

Kostenpflichtiger Inhalt: Corona-Krise : Eifeler Unternehmer produziert jetzt Desinfektionsmittelspender

Corona-Not macht erfinderisch: Unternehmer Bernhard Klasen hat eine „saubere“ Idee, die jetzt vielen hilft.

Sie werden gebraucht, sie werden gesucht und sie werden gefunden. Gemeint sind Desinfektionsmittelspender. In Zeiten der Corona-Krise läuft ohne sie im alltäglichen Leben zur Einhaltung der Hygieneregeln fast nichts mehr. Wegen der riesigen Nachfrage fällt es derzeit aber schwer, zeitnah an sie heranzukommen, und im Internet kursieren zweifelhafte Angebote zu horrenden Preisen.

Bernhard Klasen, Inhaber und Geschäftsführer des in Ulmen beheimateten Unternehmens MKW, kam so auf die Idee, solche Spender selbst zu produzieren. „Die Corona-Pandemie hat auch meine Firma stark ausgebremst. Ich habe 30 Mitarbeiter. Die meisten davon sind in Kurzarbeit. Da macht man sich schon so seine Gedanken“, berichtet Klasen.

MKW ist weltweit tätig und fertigt riesige, PC-gesteuerte und bis zu 20 Meter lange Zusammentragmaschinen für die Druckindustrie. Mit viel Glück konnte im März noch die zuletzt ausgelieferte Maschine in Florida aufgebaut werden.

Danach lief nichts mehr, die Produktion stand still. „Am Osterwochenende saß ich da und grübelte. Was haben wir auf Lager, was kann man daraus machen, um Mitarbeiter weiterzubeschäftigen. Schnell kamen mir dann Spendersäulen für Desinfektionsmittel in den Sinn, denn die dafür gebrauchten Werkstoffe wie Aluminium, Stahl und Edelstahl lagern hier“, erzählt Klasen. Der Anfang war gemacht und viel Arbeit wartete auf dem Weg zu der zwischenzeitlich als Schutzmarke eingetragenen mobilen Desinfektionssäule „Desi-Hyg“.

„Für mich stand eine zuverlässige und schnelle Lieferung immer an erster Stelle. Und die ist nur garantiert, wenn wir in Serienproduktion gehen“, erklärt Klasen. Dafür müssen bestimmte Bausteine garantiert sein.

Vor allem der Zufluss der benötigten Ware muss zeitgenau erfolgen. „Just in time“, heißt das im Produktionsablauf. So müssen beispielsweise Plastikteile wie die Auffangschale oder der Behälter für das Desinfektionsmittel beschafft werden. Hier kamen Klasen dann seine internationalen Kontakte zugute. Vor allem nach China in die Zwölf-Millionen-Metropole Shenzhen nahe Hongkong, wo MKW einen Showroom zur Präsentation der Maschinen und einen eigenen Mitarbeiter hat: „Das ist ein Vorteil, der nicht mit Geld zu bezahlen ist. Der Verkäufer geht in die Firmen, tätigt den Kauf und sorgt auch für den Versand.“ Und die Lieferung funktionierte, trotz einiger Schwierigkeiten mit der Luftfracht.

Außer auf Serienproduktion und einen „vernünftigen Preis“ setzt Klasen auch noch auf ein Komplettsystem mit Säule und dem wichtigsten – dem Handdesinfektionsmittel. Hier kommen eine Apotheke und eine  Brennerei ins Spiel, die ein solches Mittel herstellen. „Unser mobiler Ständer eignet sich überall da, wo eine Wandanbringung nicht möglich oder gewollt ist. Er ist witterungsbeständig, in drei Materialvarianten für innen oder außen lieferbar und in der Höhe richten wir uns gerne nach den Wünschen der Kunden“, betont der MKW-Chef.

Gedacht hat er dabei unter anderem an Kitas,  Schulen, Sportstätten, Vereine, Betriebe und Behörden. „Mit der ersten Auslieferung hatten wir es nicht weit. Die ging hier in Ulmen an die Verbandsgemeindeverwaltung“, lacht er. Aber auch etliche Kitas und Grundschulen im Umfeld wurden schon bedient.

So freut sich Simone Schmitz, die Kita-Leiterin aus Lutzerath, über eine Säule im Eingangsbereich: „Dieser Spender ist super, er steht fest und passt von der Höhe her ganz genau für uns Erwachsene. Unsere Kleinen dürfen da nicht ran, die waschen sich fleißig die Hände.“

Froh ist auch Tino Pfitzner. Der Mitarbeiter der Caritas und Ortsbürgermeister von Büchel hat für die Caritas-Werkstätten in Cochem-Brauheck und Ulmen und die Grundschule in Büchel je eine Säule besorgt. „Der Hinweis auf MKW kam vom Bürgermeister der Verbandsgemeinde Ulmen, Alfred Steimers. Morgens habe ich bei MKW angerufen und mittags waren drei Säulen da. Schneller geht’s nicht. Ich schätze die hohe Qualität und die problemlose Nutzung für die Schulkinder und die Beschäftigten in den Werkstätten“, sagt Pfitzner.

Simone Schmitz aus Immerath leitet die Kita-Leiterin Lutzerath. Ihre Erfahrung mit dem Produkt aus Ulmen: „Der Spender steht fest und passt von der Höhe her ganz genau für uns Erwachsene.“ Foto: TV/Alfons Benz

Auch Bernhard Klasen ist nach den ersten erfolgreichen Schritten erleichtert und wird den Verkauf über eine eigene Internetseite fortführen. Und wie es derzeit aussieht, wird trotz der Lockerungen im Alltag und im Berufsleben der Bedarf an Spendern für Desinfektionsmittel noch länger da sein.