Verbände plädieren für die Reaktivierung der Eifelquerbahn von Gerolstein nach Kaisersesch.

Aus dem Archiv Juni 2019 : 3000 Kilometer Gleise reaktivieren - Fährt die Eifelquerbahn bald wieder?

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen und die Allianz Pro Schiene haben vorgeschlagen, bundesweit mehr als 3000 Kilometer Gleise zu reaktivieren. Mit auf der Liste ist auch die Eifelquerbahn von Gerolstein nach Kaisersesch.

Er ist gerade mal ein paar Wochen alt, der Verein Eifelquerbahn, der sich für die Reaktivierung der etwas mehr als 50 Kilometer langen Strecke einsetzt, da bekommt er schon Unterstützung von zwei bundesweit aktiven Verbänden.

Die Allianz Pro Schiene und der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) plädieren dafür, viele stillgelegte Nahverkehrs- und Güterstrecken wieder in Betrieb zu nehmen. Sie haben eine Liste von 186 Projekte mit etwa 3000 Kilometern Schienen vorgestellt und verweisen darauf, dass sich die schwarz-rote Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag vorgenommen hat, bis 2030 doppelt so viele Bahnkunden zu gewinnen wie bisher und gleichzeitig mehr Güterverkehr auf die umweltfreundliche Schiene zu verlagern.

Mit auf der Liste der Verbände: die Eifelquerbahn. Deren Abschnitt von Kaisersesch bis Ulmen wird mit der Priorität „dringlich“, der Abschnitt von Ulmen über Daun bis Gerolstein mit der Priorität „hoch“ eingestuft.

Für den Verein Eifelquerbahn, der seinen Sitz in Kötterichen in der Verbandsgemeinde Kelberg hat, ist das eine echte Steilvorlage für seine künftige Arbeit. Die organisatorischen Hürden wie die Anerkennung als gemeinnütziger Verein sind zwichenzeitlich genommen: „Wir freuen uns sehr, dass alles so reibungslos funktioniert hat, hier hat sich die entsprechende Vorarbeit bezahlt gemacht“, erklärt der Vorsitzende Jens Wießner. Nun sollten „positive Impulse“ genutzt werden, um ein mögliches endgültiges Aus für die Schienen zu verhindern.

Der Vorstand habe schon Kontakt zur Politik aufgenommen, woraus sich erste Gespräche in den Kommunen sowie in der Landespolitik ergeben hätten. Zudem sei die Planung der ersten Aktivitäten vorangetrieben worden. Erster öffentlicher Auftritt ist die Teilnahme des Vereins an „Daun spielt!“ am 16. Juni. Dort wird er mit einem Infostand vertreten sein.

Für den öffentlichen Personennahverkehr wird die Eifelquerbahn schon seit Jahrzehnten nicht mehr genutzt. Für touristische Fahrten wurde sie von 2001 bis 2012 genutzt, seitdem sind alle Bemühungen zur Reaktivierung der Eifelquerbahn durchweg gescheitert.

Daraus haben die Kreise Vulkaneifel und Cochem-Zell sowie die Verbandsgemeinden Gerolstein, Daun, Kelberg, Ulmen und Kaisersesch, durch die die Strecke führt, Konsequenzen gezogen. Erste Priorität hat für sie der Kauf der Trasse, um die Strecke zu sichern. Eine künftige Nutzung könnte ein Radweg sein.

Allerdings müssen sich die Kommunen, was ihre Verkaufsabsicht angeht, in Geduld üben. Denn es gibt Interessenten aus der Bahnbranche: die Eifelbahn Verkehrs GmbH aus Linz (Kreis Neuwied), Betreiberin der Kasbachtalbahn von Linz nach Kalenborn, und die Brohltal-Schmalspureisenbahn-Betriebs-GmbH aus Brohl-Lützing (Kreis Ahrweiler). Wer den Zuschlag bekommt, darüber entscheidet die Deutsche Bahn als Besitzerin der Strecke.

Das waren noch Zeiten, als Schienenbusse und Dampfloks auf der  Eifelquerbahn unterwegs waren. Über eine zukünftige Nutzung der Strecke gibt es unterschiedliche Vorstellungen. Foto: "e_servb" <e_servb@volksfreund.de>

Aus Sicht des Vereins Eifelquerbahn gilt es nun, die bisherigen Kostenschätzungen zur Reaktivierung neu zu bewerten. Einige der im Rahmen der Reaktivierungsbemühungen erstellten Gutachten lägen dem Verein vor, „diese legen nah, dass die bisher veranschlagten Kosten zur Reaktivierung im regulären Schienenpersonen-Nahverkehr zumindest in wichtigen Teilbereichen deutlich zu hoch angesetzt wurden“. Für eine rein touristische Nutzung wurden zuletzt Investitionen von etwa 24 Millionen Euro geschätzt, für die „richtige“ Reaktivierung der Eifelquerbahn wurde eine Summe von 40 Millionen Euro genannt.

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