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"Verbissen wie Maschinen"

"Verbissen wie Maschinen"

EIFEL. Der Erste Weltkrieg geht zu Ende - und hinterlässt auch in der Eifel ein Trümmerfeld. Lesen Sie heute den dritten und letzten Teil einer Rückschau.

Die Nahrungsnot in den Städten wuchs von Tag zu Tag. Scharenweise kamen Menschen aus den Städten am Rhein, zogen hamsternd von Ort zu Ort und kauften alles Essbare. Ungezählte Arme verlegten sich aufs Betteln, um sich und ihre kinderreichen Familien am Leben zu erhalten. Besonders das Los der männerlosen Landwirtschaften und die vielfältigen Arbeiten in den Bauernhöfen und auf den Feldern war hart. Bei der Feldarbeit mit eingesetzt wurden französische und russische Kriegsgefangene, von denen sich ab 1915 viele in der Eifel befanden. Nach anfänglichem Misstrauen wurden sie meist ins familiäre und dörfliche Leben mit einbezogen. In Chroniken werden sie häufig beschrieben als "junge, kräftige Leute, als Mohammedaner, die sich bei der Arbeit geschickt, fleißig und willig zeigten". Der Erste Weltkrieg war zu Ende. Er hatte fast zehn Millionen Todesopfer und etwa 20 Millionen Verwundete gefordert. Fast zwei Millionen Deutsche starben. Es gab zahllose Verwundete, die mitunter bis zur Unkenntlichkeit entstellt wurden. Dem Nahrungsmangel wegen der Blockade waren in Deutschland rund eine dreiviertel Million Menschen zum Opfer gefallen.Eifel verliert Gebiete nach Belgien

"Ich habe noch nie einen Menschenknochen gesehen. Im dem riesigen Gebeinhaus bei Verdun aber war in jedem Fenster ein Haufen von Knochen zu sehen. Sie stammten von deutschen und französischen Gefallenen, von Menschen, die gegeneinander gekämpft haben. Verbissen wie Maschinen. Jetzt liegen deren Knochen hier seit Jahren zusammen. Man kann keinen Deutschen oder Franzosen unterscheiden. Ich glaube, die Schädel gucken mich auch durchdringend an." So beschrieb ein Schüler des Dauner Förderzentrums im Jahr 2003 beim Besuch der Schlachtfelder bei Verdun seine Eindrücke. Die Friedensbedingungen waren restriktiv. Das Deutsche Reich musste Elsass-Lothringen an Frankreich, Posen und Westpreußen an Polen abtreten. Das Memelgebiet wurde unter französische Verwaltung gestellt und 1923 durch Litauen besetzt. Das Saargebiet wurde für 15 Jahre der Verwaltung des Völkerbunds unterstellt, wobei Frankreich die Wirtschaftshoheit übernahm. Die Eifel verlor ebenfalls große Gebiete. Die heutige "Deutschsprachige Gemeinschaft" (Eupen, Malmedy, St. Vith) musste an Belgien abgetreten werden. Viele private, familiäre und wirtschaftliche Beziehungen wurden abrupt getrennt. Das Deutsche Reich wurde zur Abrüstung verpflichtet. Im Westen des Deutschen Reichs entstand eine entmilitarisierte Zone. Als besonders ungerecht wurde Artikel 231 des Versailler Vertrags angesehen, der dem Deutschen Reich und seinen Verbündeten die alleinige Kriegsschuld gab. Dieser begründete so die Forderung der Alliierten auf Zahlung von Reparationen, anfangs in Höhe von 269 Milliarden Goldmark, welche in 42 Jahresraten ausgezahlt werden sollten. Zudem musste das Deutsche Reich zahlreiche Sachlieferungen leisten. Noch heute wissen viele von den "Waldplünderungen" in der Eifel und den Kohlelieferungen aus dem Ruhrgebiet zu berichten.