Verprügelt und vernachlässigt

Verprügelt und vernachlässigt

Zwei Fälle von Kindesmisshandlung werden heute vorm Gericht in Daun verhandelt. In der einen Strafsache wird den Eltern vorgeworfen, ihre kleinen Jungs in fast 50 Fällen verprügelt zu haben. In dem anderen Fall mussten kleine Kinder laut Anklage unter unvorstellbarer Verwahrlosung leiden.

Wegen Körperverletzung von Schutzbefohlenen in zahlreichen Fällen müssen sich ein 35 Jahre alter Mann und seine 30-jährige Ehefrau aus dem Kreis heute in öffentlicher Sitzung (ab 10.30 Uhr) vor dem Amtsgericht in Daun verantworten.

Die Anklage wirft ihnen vor, ihre vier kleinen Jungs im Alter von heute vier bis sieben Jahren von Sommer 2006 bis Anfang März 2009 körperlich misshandelt zu haben.

Dem Mann wird zur Last gelegt, in 45 Fällen seine Kinder geschlagen zu haben - und zwar mit der Hand und mit einem Stock. Auch die Mutter soll in drei Fällen nachweislich auf ihre Kinder eingeschlagen haben.

Erstmals bekannt wurden die Misshandlungen im Sommer 2006, als die Frau einen ihrer Jungs im Garten heftig mit der Hand gegen den Kopf geschlagen haben soll. Das habe eine Nachbarin gesehen, dies aber erst später zur Anzeige gebracht. Nachdem laut Anklage die Prügelei vonseiten des Mannes seit Anfang 2007 besonders große Ausmaße angenommen hat, ist die Frau mit den Kindern ins Frauenhaus nach Trier geflüchtet. Anhand der erkennbaren Verletzungen der Kinder und später auch Aussagen von Mutter und Kindern wurden Polizei und Jugendamt eingeschaltet. Im Dezember 2008 wurde Strafanzeige gestellt.

Polizei stellt Stöcke und Fesseln sicher



Bereits einen Monat vorher war die Frau aber mit ihren Kindern bereits wieder in die gemeinsame Wohnung zu ihrem Mann zurückgekehrt.

Im Rahmen der Ermittlungen wurden Zeugen gehört, die Beschuldigten und die Kinder vernommen. Dabei wurde laut Anklage klar, dass es noch immer kein Ende mit den Misshandlungen nahm. So soll eines der Kinder im Frühjahr 2009 - also mehr als ein Jahr nach der Strafanzeige - ausgesagt haben, dass es weiterhin geschlagen werde: von Vater und Mutter. Außerdem sind bei den Durchsuchungen Stöcke und Fesseln sichergestellt worden.

Zur Verhandlung geladen sind vier Zeugen sowie Vertreter des Jugendamts. Den Kindern soll jedoch erspart werden, vor Gericht auszusagen. Dem Jugendamt macht die Staatsanwaltschaft laut Anklage keine Vorwürfe. Es ist ein Verhandlungstag angesetzt.

Wohnung total verschmutzt



Ebenfalls am Montag (ab 9 Uhr) müssen sich in öffentlicher Sitzung ein 41-jähriger Mann und seine 35-jährige Frau wegen grober Verletzung ihrer Fürsorge- und Erziehungspflicht verantworten. Die Anklage wirft ihnen vor, im Sommer 2008 und vermutlich auch schon zuvor, ihre drei kleinen Kinder (die damals zwei, vier und acht Jahre alt waren) vernachlässigt zu haben. So sollen die Kinder weder ausreichend noch ausgewogen ernährt, gepflegt und versorgt worden sein.

Laut Anklage waren die Kinder zeitweise sich selbst überlassen. Bei einer Besichtigung ist dann festgestellt worden, dass die Wohnung total unaufgeräumt und verschmutzt war, es erbärmlich stank und sich der Müll türmte. In den Zimmern lagen benutzte Windeln und zum Teil verdorbene Essensreste herum.

Auf die Zustände aufmerksam geworden sind Polizei und Jugendamt durch den Hinweis einer Nachbarin, die am 22. Juni 2008 der Polizei nachts meldete, dass die Kinder seit Stunden schreien würden. Daraufhin schritt die Polizei ein.

Ein Vertreter des Jugendamts soll am Montag aussagen. Inwiefern sich die beiden Angeklagten zur Sache einlassen, ist unklar. Es sieht aber so aus, als ob beide ohne Rechtsbeistand auftreten: Während der Mann auf einen Verteidiger verzichtet hat, hat die Verteidigerin der Frau kürzlich ihr Mandat niedergelegt. Die Kinder werden aber nicht vor Gericht aussagen müssen. Es ist ein Verhandlungstag angesetzt.

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