Verwahrlost und allein

SCHUTZ. (vog) Über 300 Wildkatzen leben im Kreis Daun. Die Kommunen streiken meist beim Thema "Tierschutz". Initiatoren der privaten Tierhilfe Daun-Wittlich haben im vergangenen Jahr über 800 verwahrloste Katzen eingefangen und kastrieren lassen. Unter den Tieren, die auf der Binsenmühle zurückgelassen wurden, waren einige an der gefährlichen Katzenseuche erkrankt.

Im Herbst 2005 verschwindet die Inhaberin des Hotels "Binsenmühle", das mitten im Waldstück zwischen Desserath, Schutz und Weidenbach liegt. Ihre 14 Katzen überlässt sie dem Schicksal. Tierschützerinnen nehmen sich der ausgehungerten, verwahrlosten und kranken Katzen an (der TV berichtete). Initiatorinnen der privaten Tierhilfe Daun-Wittlich fingen die Tiere ein und brachten sie zum Tierarzt. Svetlana Gabricevic: "Ein Teil der Tiere war innerhalb weniger Tage tot, die anderen haben wir kastrieren lassen." Eines der toten Tiere schickte sie zum Landesuntersuchungsamt (LUA) nach Koblenz. Prompt kam die Bestätigung: "Katzenseuche". Gabricevic: "In dem Waldstück leben hundertprozentig auch Wildkatzen, die seit 1934 europaweit unter Artenschutz stehen." Manfred Trinzen, Wildkatzen-Experte für die Bundesländer Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, wettert: "Da sehe ich eine ganz konkrete und reale Gefahr." Umso bedrohender sei die Situation, da im Eifelraum die beste Wildkatzen-Population Deutschlands sei. Von den geschätzten mehr als 1000 Wildkatzen lebten drei Viertel auf rheinland-pfälzischer Seite der Eifel und davon etwa 300 im Kreis Daun. Gabricevic schimpft: "Es wird viel Geld für Wildkatzen-Zäune entlang von Straßen ausgegeben, aber uns lässt man auf den 800 Euro Kosten für Kastration und Untersuchung sitzen." Trinzen hatte im Dezember "verzweifelt versucht" in der Kreisverwaltung Daun "Veterinärbehörde und Landesamt an einen Tisch zu kriegen". Er bilanziert: "Es ist einfach idiotisch. Keiner fühlt sich für das Problem zuständig." Trotz diesem Geschachere müsse gehandelt werden. Erst auf Drängen und nach einem halbem Jahr Wartezeit bezahlte die VG Daun als zuständige Ordnungsbehörde die Rechnung. Ausnahmsweise. Auf TV-Anfrage gab sich der vor kurzem pensionierte Büroleiter Gerd Becker überrascht: "Wir dachten, das sei nach Absprachen im Dezember von der Kreisverwaltung geregelt worden." Von der Kreisverwaltung gibt es weder zu diesem Thema noch zur generellen Handhabe in puncto Kostenübernahme bei Kastrationen verwahrloster Katzen eine Stellungnahme. Dezernent Berthold Schmitz: "Die Tierschützerinnen waren in der Bürgersprechstunde des Landrates und davon tragen wir nichts nach außen." Das sehen Gabricevic und Anja Gierten anders: "Wir haben offiziell um einen Termin gebeten. Außerdem haben wir dabei auch die 5200 Unterstützungsunterschriften für den Bau eines Tierheims abgegeben." (der TV berichtete). Die Behörden reagieren mit Ignoranz

Doch auch bei anderen Behörden stoßen die TPH-Initiatorinnen auf Ignoranz. Luba Bartz erzählt: "Das Gerolsteiner Ordnungsamt hat mit 5000 Euro Strafe gedroht, weil ich mich um 15 Katzen in Densborn gekümmert habe, deren Halter verstorben war." Anke Zimmer aus Gladbach bei Wittlich ergänzt: "In einer Feldscheune bei Minderlittgen haben wir 17 ausgehungerte Katzen einfangen." Sie meint: "Bei der Verbandsgemeinde Wittlich-Land sah man keinen Bedarf, uns zu helfen." Gabricevic gibt derweil die Hoffnung auf Unterstützung der Behörden nicht auf. Sie bringt die Stadt Trier als Vorbild ein: "Da werden jährlich 5000 Euro für die Kastration der Stadtkatzen an den Verein und 2000 Euro für Katzenkastrationen ans Tierheim gezahlt." Landrat Onnertz habe ihr gegenüber versichert, beim nächsten Treffen mit den Kollegen der Nachbarkreise über Hilfsangebote zu sprechen. Private Tierhilfe Daun-Wittlich, Konto 143651 bei der Kreissparkasse Daun (BLZ 58651240), Internet www.private-tierhilfe.de, Ansprechpartner: Svetlana Gabricevic (Kreis Daun) 06592/3725, Silvia Schmitt (Kreis Wittlich) 06571/29543, Anja Gierten (Kreis Mayen) 02656/8361.