Verwaltungsmitarbeiter bedroht: Mann vor Gericht

Verwaltungsmitarbeiter bedroht: Mann vor Gericht

Ein Vorfall im Gerolsteiner Rathaus beschäftigt das Trierer Landgericht. Morgen, Donnerstag, beginnt der Prozess gegen einen 54-Jährigen, der laut Anklageschrift im Februar einen Beschäftigten der Gerolsteiner Verbandsgemeindeverwaltung mit einer Machete angegriffen haben soll. Befindet das Gericht ihn für schuldig, droht ihm eine Strafe zwischen fünf und 15 Jahren.

Gerolstein. Donnerstag, 10. Februar: Ein Tag, den die Mitarbeiter der Verbandsgemeindeverwaltung wohl nicht mehr vergessen werden. Ein Mann betritt vormittags das Gerolsteiner Rathaus im Kyllweg. Er ist erregt, will sich bei einer Mitarbeiterin beschweren, weil die Heizung in der Unterkunft, die ihm das Sozialamt gestellt hat, nicht funktioniert.
Ein Kollege der Rathaus-Beschäftigten nimmt sich des Falls an. Dann passiert das, was zumindest in einem Rathaus im Kreis Vulkaneifel noch nie geschehen ist: Der Mann zieht - so steht es in der Anklageschrift - eine Machete und bedroht den Mitarbeiter des Sozialamts. Rund eine Viertelstunde soll der Beamte in der Gewalt des Angreifers gewesen sein, bevor die Polizei den Täter entwaffnet und festnimmt.
Matthias Pauly, der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Gerolstein, erinnert sich: "Wir waren alle sehr beunruhigt, denn unser Kollege war mehrere Minuten lang in Lebensgefahr." Der Beamte blieb zwar körperlich unversehrt, erlitt aber einen Schock und musste ärztlich behandelt werden.
Beamter gefesselt und geknebelt


Laut Verwaltungschef Pauly "hat sich der Kollege zwischenzeitlich gut erholt, aber jetzt wird einiges sicher wieder hochkommen". Denn am Donnerstag steht der Mann, der die Machete gezogen haben soll, vor dem Landgericht Trier. Der 54-Jährige, der sich seit der Festnahme im Februar in Untersuchungshaft befindet, ist wegen Geiselnahme angeklagt.
Laut Anklage soll er den Verwaltungsmitarbeiter in dessen Büro mit der 53 Zentimeter langen Machete bedroht und sich so vor den Schreibtisch des Beamten gestellt haben, dass dieser das Büro nicht verlassen konnte. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte in der Absicht gehandelt hat, den Beamten mit Klebeband sowie einer Schnur zu fesseln. Mit seinem Vorgehen habe der Mann seine Forderung, die Heizung solle repariert werden, durchsetzen wollen.
Für den Prozess sind nach dem Auftakt am Donnerstag zwei weitere Verhandlungstage anberaumt. Befindet das Gericht den Angeklagten der Geiselnahme für schuldig, droht ihm eine Strafe zwischen fünf und 15 Jahren.
Im Gerolsteiner Rathaus haben Verwaltungsspitze und Personalrat nach dem Vorfall über Konsequenzen beraten. Das Ergebnis: "Wir haben Maßnahmen für einen besseren Schutz der Mitarbeiter ergriffen", berichtet der Bürgermeister.
Alarmsystem in Kreisverwaltung


Ins Detail will er allerdings nicht gehen: "Zu dem, was wir vereinbart haben, gehört auch, die Maßnahmen nicht nach außen zu kommunizieren. Das allein halten wir schon für einen gewissen Schutz."
In den übrigen Verbandsgemeindeverwaltungen im Vulkaneifel-Kreis gibt es keine besonderen Sicherheitsvorkehrungen. In der Kreisverwaltung gibt es in allen Abteilungen mit Publikumsverkehr ein Sicherheitssystem, mit dem über PC die Beschäftigten im Notfall alarmiert werden können.