Verwirrendes Zahlenspiel

Verwirrendes Zahlenspiel

GEROLSTEIN.Nach einigem Hin und Her hat der Haupt- und Finanzausschuss (Hufa) der Stadt Gerolstein neue Friedhofsgebühren ab April 2005 festgesetzt. Der Stadtrat entscheidet am Donnerstag in öffentlicher Sitzung über deren Gültigkeit.

Auf die Frage, was eine Grabstelle auf Gerolsteins Friedhöfen tatsächlich kostet und wie viel der Kosten von den Gebühren gedeckt werden, dürfen Gerolsteins Bürger vorerst keine klare Antwort erwarten. Die Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses der Stadt Gerolstein war gespickt mit "nebulösen" Aussagen und den Fragen etlicher Mitglieder nach dem tatsächlichen Defizit. Laut Sitzungsvorlage betrugen 2004 die Ist-Einnahmen 99378 Euro und die Ist-Ausgaben 138422 Euro. Ergebnis: Defizit 39044 Euro, macht bei 87 Beerdigungen je Bestattung 448 Euro.Problem: Immer mehr Urnenbestattungen

Wenn da nicht die kalkulatorischen Gegenrechnungen wären: Danach dürften weitere 35 618 Euro angerechnet werden, so dass nur noch ein Defizit von 3426 Euro bliebe. Vorherrschende Frage im Ausschuss: "Was stimmt denn nun?" Klaus Jansen, zuständiger Fachbereichsleiter der Verbandsgemeinde Gerolstein, antwortete: "Eher die 39 000 Euro. Und es dürfte auch noch mehr sein, weil wir von durchschnittlich 75 Bestattungen bei den Berechnungen ausgingen und es tatsächlich 87 waren. Ein weiteres Problem ist die zunehmende Zahl der Urnenbestattungen." Urnengräber sind kleiner und damit kostengünstiger. Somit werden die von der Kommune vorgehaltenen Flächen wesentlich langsamer refinanziert. Seit 1994 erstellt die Verwaltung für die Friedhöfe eine konkrete Kostenrechnung. Allerdings wurden bei den meisten Gebäuden der elf Friedhöfe in der Kernstadt und den Stadtteilen Abschreibungssätze von einem oder 1,25 Prozent (entspricht einer Nutzungsdauer von 100 beziehungsweise 80 Jahren). Ende 2004 steht somit noch ein Restbuchwert von 1,22 Millionen Euro an. "Eine realistische Abschreibungszeit würde zwischen 30 und 50 Jahren liegen. Wir haben es jetzt so in der Aufstellung gelassen, weil die Anpassung der kommunalen Haushaltsführung ansteht", erklärte Jansen. Danach müssten noch hohe Anteile der Anschaffungs- und Investitionskosten der Friedhöfe in die neue Gebührenordnung eingerechnet werden. Ausschuss-Mitglied Alois Manstein (CDU) stellte fest: "Wir sind Spitzenreiter in der Region zwischen Trier und Köln." Sein Parteifreund Helmut Hauth hatte sich intensiv mit dem vorgelegten Zahlenwerk beschäftigt und einen Vorschlag erarbeitet. Er wollte generell 25 Prozent auf die Unterhaltungskosten und 17,6 Prozent (elf Jahre je 1,6 Prozent, weil 1994 mit der konkreten Rechnung begonnen wurde) auf die bisherigen Gebühren hinzurechnen. Das hätte eine Steigerung von insgesamt 42,6 Prozent ausgemacht. Damit war Herbert Lames (SPD) nicht einverstanden: "Wir haben 2002 die Verwaltungsgebühren angepasst. Da geht die Rechnung so nicht auf". Nach einer kurzen Debatte einigte sich der Ausschuss, die Gebühren für Grabanfertigungen sowie Nutzung der Leichenhallen einheitlich um fünf Prozent anzuheben. Jansen brachte für die Verwaltung den Vorschlag ein, "alle Unterhaltungskosten durch die Anzahl der Bestattungen zu teilen und als Grundgebühr für alle Arten von Grabstätten zu verlangen". Das würde knapp 400 Euro ausmachen. Hinzu müssten dann die Kosten für die Fläche und Abschreibungen kommen, errechnet nach einem Verteilungsschlüssel (Einzelgrab als Faktor eins, Urnengrab 0,3-fache). Danach müsste ein Einzelgrab knapp 1500 Euro und ein Urnengrab 715 Euro kosten. Der Ausschuss griff diesen Vorschlag nicht auf, sondern legte niedrigere Sätze fest. Elke Östreich (SPD) bilanzierte: "Da die eigentlichen Kosten höher sind, sollten wir jährliche Anpassungen vornehmen. Es muss für die Leute nachvollziehbar bleiben." Eines ist klar: Mit der neuen Gebührenordnung ist das Thema "Friedhof-Kostenrechnung" nicht vom Tisch, sondern nur verschoben.