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Viehwage wartet auf Gesellschaft

Viehwage wartet auf Gesellschaft

Die Scheune an der alten Hinterweilerer Schule ist auf Vordermann gebracht. Das Vorzeigestück, eine alte Viehwaage, steht schon, aber noch wird es dauern, bis eine Ausstellung mit landwirtschaftlichen Geräten komplett ist. 2015 soll es so weit sein.

Hinterweiler. Mit dem zweithöchsten Berg der Eifel (dem knapp 700 Meter hohen Ernstberg) und dem vermutlich kleinsten Flughafen Deutschlands, wo der Drachenfliegerclub Vulkaneifel beheimatet ist, hat die Gemeinde Hinterweiler schon etwas zu bieten. Aber bald soll es einen Anziehungspunkt im Ort geben: Eine auf Vordermann gebrachte alte Viehwaage soll im Mittelpunkt einer Ausstellung mit alten landwirtschaftlichen Geräten stehen. Eine Walze steht bereits drin, andere Geräte sollen bis 2015 folgen.
Wie fast alle Eifeldörfer war auch Hinterweiler von der Landwirtschaft geprägt, das bäuerliche Leben bestimmte das Geschehen im Ort. Lange vorbei, der Ort mit seinen gut 230 Einwohnern ist heute fast nur noch Wohndorf. Doch bevor alle Erinnerungen verschwinden, hat die Gemeinde ein Überbleibsel aus früheren Zeiten "gerettet": die Viehwaage aus den 1930er Jahren. Mit der Idee einer ständigen Ausstellung mit der Waage und weiteren alten landwirtschaftlichen Geräten hat sich Hinterweiler beim Wettbewerb "235 gute Gründe zum Leben und Arbeiten im Dorf" beworben - mit Erfolg. Die Lokale Aktionsgruppe (LAG) Vulkaneifel (siehe Extra) bewilligte einen Zuschuss aus dem europäischen Leaderprogramm. Die alte Viehwaage gehörte früher der Weidegenossenschaft und wurde 1983 zum letzten Mal geeicht. Sie stand in der in die Jahre gekommenen Scheune der ehemaligen Schule. "Wir haben uns gesagt: Bevor alles verfällt, müssen wir was machen", sagt Ortsbürgermeister Erich Mertes.
Bürger packen mit an


Nach der Anerkennung beim Wettbewerb packten auch die Bürger kräftig mit an, um die alte Scheune wieder auf Vordermann zu bringen. So wurden der alte Putz abgeschlagen und die Steine neu ausgefugt, Pflaster wurde gelegt und ein Stahltor eingesetzt. Ein großes Schild außen macht nun auf die Viehwaage aufmerksam. Die ebenfalls neu installierte Informationstafel im Eingangsbereich berichtet über die lokalen Besonderheiten, aktuelle Ereignisse und die Geschichte und Bedeutung der Viehwaage in der dörflichen Arbeits- und Lebenswelt.
Die Viehwaage soll künftig Besucher und besonders Radfahrer, die auf dem durchs Dorf führenden Ardennen-Radweg unterwegs sind, dazu bewegen, etwas länger in Hinterweiler zu verweilen. Später, wenn die technische Möglichkeit besteht, sollen die Gäste auch die Möglichkeit haben, die Waage ganz praktisch zu nutzen und eine Wiegekarte zu drucken.
"Geld ist damit natürlich nicht zu verdienen, aber bevor alles verfällt, ist das die richtige Lösung", sagt der Ortsbürgermeister. Gut 47 000 Euro hat das Projekt gekostet, 16 300 Euro gab es aus dem europäischen Fördertopf, 12 500 Euro wurden als Eigenleistung gewertet, den Rest übernimmt die Gemeinde.Extra

2007 wurde die Lokale Aktionsgruppe (LAG) Vulkaneifel gegründet. Von da an bis 2014 wurden rund 70 Projekte mit Fördermitteln von fünf Millionen Euro angestoßen und umgesetzt, die ein Investitionsvolumen von 11,5 Millionen Euro auslösten. Auch in der neuen Förderperiode bis 2020 will die LAG möglichst viele Vorhaben auf den Weg bringen - unter Beteiligung der Bürger. Gemeinsam mit 150 Teilnehmern wurden kürzlich erste gemeinsame Ideen für die Zukunft erarbeitet. So ist es ein Anliegen, die Gesundheitsversorgung und den Tourismus weiter voranzubringen, aber auch Breitband, Mobilität und erneuerbare Energien sind im Blickfeld. Darüber hinaus ist ein separater Workshop vorgesehen, in dem Jugendliche zu Wort kommen sollen, sowie ein eigener Workshop für Unternehmer. Die LAG umfasst den Kreis Vulkaneifel, den Kreis Bernkastel-Wittlich mit Gebietsteilen aus den Verbandsgemeinden Wittlich-Land und Traben-Trarbach sowie den Landkreis Cochem-Zell mit den Verbandsgemeinden Kaisersesch und Ulmen sowie einigen Orten aus der Verbandsgemeinde Cochem. HG