Landwirtschaft: Viel Verantwortung, viele Freiräume

Landwirtschaft : Viel Verantwortung, viele Freiräume

Besseres Verständnis für die Landwirtschaft: Die Landjugend Daun veranstaltet heute in Roth bei Gerolstein ihren jährlichen Feldabend. Die Besucher erwarten Traktoren, Technik und Information.

Die Hiobsbotschaften gibt es schon seit etlichen Jahren: „Wachse oder weiche“ gilt für die Bauernhöfe mit dem Ergebnis, dass allzu viele schon weichen mussten.

Wahrlich keine rosigen Aussichten für die, die mit dem Gedanken spielen, ihre berufliche Zukunft in einer Branche zu sehen, die von Verbrauchern und Umweltschützern zunehmend misstrauischer beäugt wird. Oder doch nicht? „In der Tat sind die Perspektiven allgemein nicht rosig“, räumt Tobias Faber, Vorsitzender der Landjugend Daun, ein. „Auf vielen Höfen fehlen Nachfolger und Mitarbeiter, viele sind auf Grund der Investitionen, die zwangsläufig mit ‚wachse oder weiche‘ verbunden sind, hoch verschuldet, wiederum etliche Bauern haben auf Dauer im Beruf mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen.“

Doch die Landjugend, die als Nachwuchsorganisation dem Bauernverband angegliedert ist, will diese Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte nicht tatenlos hinnehmen. Denn: „Eigentlich ist es ein wunderbarer Beruf, sehr abwechslungsreich, mit viel Verantwortung und vielen Freiräumen, die Zukunft für alle wieder besser zu gestalten“, sagt Faber.

Er absolviert derzeit seine Ausbildung zum Agrartechniker, dort seien die Schülerzahlen rückläufig. „Es gibt kaum Quereinsteiger in den Beruf, fast alle übernehmen die Höfe innerhalb der Familie“, schildert er die nach wie vor gängige Tradition. „Unser Landesverband arbeitet jedoch mit Orientierungsseminaren daran, aufzuklären und die grünen Berufe zu fördern.“ Das Image der Branche in der Öffentlichkeit sei nämlich vollkommen verzerrt, es treffe die Realität nicht. Landwirt sei zum Beispiel als Agraringenieur auch ein akademischer Beruf mit vielen Facetten, der Umgang mit Hightech, Naturwissenschaften und Marketing umfasst - alles, was moderne junge Leute fasziniert. „Es hat eben nicht nur mit Güllefahren zu tun, aber das wissen die meisten Außenstehenden nicht“, bringt es Faber auf den Punkt. „In der Landjugend spüren wir viel Zusammenhalt, es macht einfach Spaß.“

Zugleich sitze man an wichtigen Stellschrauben, um Tradition und Zukunftsperspektiven gut zusammenzubringen. „Gerade im Naturschutz ist für uns viel möglich, angefangen bei Blühstreifen, die immer mehr angelegt werden, bis hin zur ökologischen Waldwirtschaft, an der viele von uns interessiert sind, da Bauern oft auch Wald besitzen.“ Außerdem sei es wichtig, die Qualitäten des Landlebens allgemein wieder mehr in den Vordergrund zu rücken. „In der Vulkaneifel ist man eben nicht abgehängt. Da geht das Glasfaserkabel auch schon mal direkt bis auf den Hof.“ Die tägliche Arbeit mit Hilfe der Digitalisierung zu meistern, werde immer selbstverständlicher.

Die Öffentlichkeitsarbeit der Landjugend findet ebenfalls nicht nur über die gewohnten gedruckten Flyer statt, sondern verstärkt in den sozialen Medien: Facebook und Youtube werden bedient und sind oft erste Anlaufstelle und Kontaktadresse für Interessierte. Eine ganz handfeste und analoge Anlaufstelle ist der jährliche Feldabend: Hier stellt die Landjugend neueste landwirtschaftliche Methoden und Maschinen vor, aber es gibt auch viel Gelegenheit für Fragen aller Art, von Laien wie Fachleuten gleichermaßen. „Wir laden alle ein, die neugierig sind auf das, was auf einem modernen Bauernhof los ist“, sagt Faber. „Das ist auch etwas für Familien, die wissen wollen, wie ihre Lebensmittel entstehen.“

In diesem Jahr geht es in ungezwungener Festatmosphäre im Gerolsteiner Ortsteil Roth ab 19.30 Uhr vor allem um Innovationen rund ums Mähen und Säen.

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