Viele Ärzte unter einem Dach - Das Hausärztliche Versorgungszentrum in Daun öffnet seine Pforten

Viele Ärzte unter einem Dach - Das Hausärztliche Versorgungszentrum in Daun öffnet seine Pforten

Der Mediziner Carsten Schnieder setzt seine Idee um, Praxen zusammenzuschließen. In Daun wird am 1. April das Hausärztliche Versorgungszentrum in der Abt-Richard-Straße eröffnet.

Daun Es ist ein ständiges Kommen und Gehen, Telefone klingeln, Termine werden vergeben. So sieht es auch am späten Nachmittag in der Praxis von Dr. Carsten und Dr. Ina Schnieder in der Abt-Richard-Straße in Daun aus. Dann kommt ein anderes Praxisteam von einer Computerschulung. Es sind Dr. Heinz-Josef Weis und seine Mitarbeiter, die heute zum Fototermin für einen neuen Prospekt in Schnieders Praxis erscheinen. Denn am 1. April öffnet hier offiziell das Hausärztliche Versorgungszentrum (HVZ). Mit im Boot ist dann auch Weis mit seinem Team, der bisher seine Praxis in der Burgfriedstraße hatte.
Die Idee eines Zusammenschlusses der Praxen stammt von Schnieder. Der 46-Jährige aus Birresborn macht sich seit geraumer Zeit Gedanken um die ärztliche Versorgung im Vulkaneifelkreis. Und die sieht auf mittlere Sicht nicht so rosig aus: In einem Gutachten der Arbeitsgemeinschaft Schade & Winkel vom 1. März 2015, das die Kreisverwaltung und die Verbandsgemeinden in Auftrag gaben, heißt es, die Einwohnerzahl gehe bis 2030 möglicherweise um zehn Prozent zurück. Aber da die Bevölkerung immer älter werde, nehme der medizinische und gesundheitliche Versorgungsbedarf dennoch zu. "Das gilt für sämtliche Verbandsgemeinden."
Weiter heißt es in dem Gutachten: "Bis 2030 wird sich die Situation ohne strukturelle Veränderungen aufgrund der bis dahin erfolgten Ruhestandseintritte massiv verschärfen. Ohne Nachbesetzungen wäre überall von gravierenden Versorgungsproblemen auszugehen."
Diese Probleme kennt Schnieder: "Es ist heute schon so: Wenn ein anderer Arzt Urlaub macht, stehen die Patienten bis ins Treppenhaus, und das ist kaum zu bewältigen." Eine Lösung fand er, indem in seiner Praxis mittlerweile sieben Ärzte als Angestellte arbeiten, davon mehrere aus Bonn. "Sie können sich ihre Arbeitszeiten selbst aussuchen und bekommen auch eine Wohnung gestellt."
Nur so seien jüngere Ärzte in die Eifel zu bekommen. Denn das sei schwierig. "Warum bekommen wir zum Beispiel keine Ärzte aus Köln?", fragt sich Schnieder. Dort gebe es eine Auslastung von 140 Prozent, neue Praxen werden nicht mehr zugelassen. Schnieders Antwort: "Die Allgemeinärzte dort sind überwiegend weiblich und zur Zeit ihres Facharztabschlusses in der Regel um die 40 Jahre alt, haben Familie und Kinder. Sie sind vor Ort stark eingebunden und ziehen nicht mehr um. Wir müssen jetzt schon etwas tun, denn in elf Jahren herrscht Notstand".
Und etwa elf Jahre dauert es, bis ein Medizinstudent sich bei optimalem Verlauf als Facharzt für Allgemeinmedizin niederlassen kann. Schnieder hat auch hier Vorsorge getroffen. Seine Praxis hat eine Berechtigung zur Weiterbildung, eine Facharztausbildung ist also auch in Daun möglich. "Wir hoffen, dass der ein oder andere dann hier bleibt."
Mit Eröffnung des HVZ werden neun Allgemeinmediziner und Internisten gemeinsam in Schichtarbeit den Patientenansturm bewältigen. "Ich möchte genügend Ärzte vor Ort haben, um alle Patienten zu behandeln", sagt Schnieder. Das sind rund 6000 im Quartal. Deshalb habe er den Vorschlag gemacht, alle zusammenzuschließen, um Synergien zu schaffen, ohne mit anderen in Konkurrenz zu treten.
Schnieders nächstes Ziel: In Zusammenarbeit mit den Krankenhäusern, Kommunen und dem Kreis sei eine Stiftung oder ein Stipendium für Medizinstudenten aus der Region denkbar. "Denn wer ein echter Eifeler ist, kommt auch wieder zurück."HAUSäRZTE IN DER VULKANEIFEL

Extra

Nach Aussage des Pressesprechers Rainer Saurwein der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz gibt es 2017 aktuell im Vulkaneifelkreis 39,5 Hausärzte. Bis 2022 müssten nach derzeitigem Stand der Statistik rund 26 Hausärzte, die aus Altersgründen möglicherweise ihre Praxen aufgeben, ersetzt werden, das sind 63 Prozent.

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