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Viele Bücher und eine Utopie

Viele Bücher und eine Utopie

Wie bringt man 30 000 Bücher an den Mann? Mit dieser Frage beschäftigt sich Wolfgang Huste, der den Bestand der Schmökermühle übernommen hat.

Birresborn Mit der Schmökermühle verbindet sich der Name Mirko Meier. Der war gelernter Buchbinder, hat als Heilerzieher gearbeitet und liebte Bücher. Die Internetbuchhandlung, der er den Namen Schmökermühle gab, sollte seine Zukunft sein. Als er im Dezember vergangenen Jahres bei einem Unfall ums Leben kam, blieb es letztlich Aufgabe der Nachlasspflegerin Myriam Berres, sich darum zu kümmern, was mit den Büchern passiert. Ein Artikel des Volksfreunds konnte bei der Suche nach einem neuen Besitzer helfen. Tatsächlich hat nun Wolfgang Huste aus Bad Neuenahr die 30 000 Bücher, verteilt auf drei Lager, übernommen.
Huste betreibt ein Antiquariat und ist Auktionator, kennt sich also mit der Materie aus. "Mirko Meier habe ich kennen gelernt, als er bei mir einen Kurs besucht hat über die Gründung und Führung eines Antiquariats", erklärt Huste. Ursprünglich sei eine Zusammenarbeit geplant gewesen, "denn man findet ja immer seltener Antiquariate", bedauert Huste und nennt auch Zahlen: "Wir haben etwa die Hälfte der Antiquare, die wir noch vor 15 Jahren hatten. Es gibt noch rund 1700 echte Antiquariate in Deutschland."
Mit einem ersten Sonderverkauf am vergangenen Wochenende hat Huste bereits etliche Käufer anlocken können. Sie haben teilweise Kisten voller Bücher mitgenommen, mussten aber viel Zeit für die Suche aufbringen. "Ich suche alles, was mit Eisenbahnen zu tun hat", erklärt ein Käufer und zeigt auf den bereits halb gefüllten Karton neben seinen Füßen. Andere suchen historische Romane oder steuern gezielt auf alles zu, was nach Reclam-Heften aussieht. Huste wirbt derweil im TV-Gespräch für seine Arbeit: "Antiquar ist ein fantastischer Beruf. Ich mache das seit 30 Jahren, bilde auch in dem Beruf aus." Angesichts der vielen Leerstände in Birresborn hat er einen Vorschlag: "Das ist eine Utopie von mir, aber hier könnten sich die Gemeinde und andere offizielle Stellen mit den Ladenbesitzern zusammen setzen und ein Bücherdorf einrichten. Wenn man das gut bewirbt, kommen die Leute auch von weiter her." Als Beispiel nennt er das niederländische Bredevoort: "Das ist ein Ort mit 400 Einwohnern. Die haben 40 Antiquariate und bieten Büchermärkte für Laien und Profis. Das ist für strukturschwache Gegenden eine Möglichkeit, Leben rein zu bringen", schwärmt er. Vorerst aber geht es darum, die Bücher aus dem Bestand der Schmökermühle an die Käufer zu bringen. An diesem Wochenende gibt es dazu die nächste Gelegenheit.
Huste öffnet am heutigen Samstag von 16 bis 18 Uhr die Lagertür. Am Sonntag, 23. Juli, darf von 11 bis 18 Uhr gestöbert werden.Extra: ERSTES BÜCHERDORF GAB ES IN WALES


Das erste Bücherdorf der Welt ist 1961 im walisischen Hay-on-Wye von Richard Booth gegründet worden. In Mühlbeck-Friedersdorf ist 1997 das erste deutsche Bücherdorf entstanden. Auch im benachbarten Belgien gibt es mit Damme und Redu zwei Bücherdörfer, die viele Touristen anziehen.