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Corona: Viele Corona-Fälle auch in Mehren

Corona : Viele Corona-Fälle auch in Mehren

Stand Mittwoch sind 65 der 70 Bewohner des Alten- und Pflegeheims positiv getestet worden. Seit der ersten Infektion Anfang November sind sieben Menschen gestorben. Unter den Mitarbeitern gibt es 20 bestätigte Fälle, 23 der Pfleger und Betreuer gelten als wieder gesundet.

Das Datum der ersten Infektion mit Covid-19 im Haus Helena ist bekannt: Am 6. November wurde ein Mitarbeiter positiv getestet, innerhalb von wenigen Tagen verbreitete sich das Virus explosionsartig. „Es folgte ein steiler Anstieg der Fallzahlen bis zum 24. November. Im Augenblick beobachten wir aber, dass die Kurve abflacht“, sagt Katja König, die Leiterin des Hauses. Die alltägliche Pflegearbeit gestalte sich für die Mitarbeiter sehr schwierig, weil sie Schutzkleidung tragen müssen: „Eine Vollvermummung mit Haube, Brille, Maske, Handschuhen und einem Ganzkörper-Kittel“, berichtet König. „Das ist überaus anstrengend, wir haben aus diesem Grunde die Schichten aufgedoppelt und dazu Honorarkräfte eingestellt. Selbstverständlich sind auch unsere Pflegekräfte in Sorge, sich anzustecken.“

Für die schwer demenzkranken Bewohner des Heims sei diese Vollvermummung ein Problem. „Sie begreifen nicht, was hier geschieht. Wir können ihnen die Situation nicht erklären“, sagt die Leiterin. Die schnelle, fast ungebremste Ausbreitung des Virus sei auf die besonderen Struktur des Pflegeheims zurückzuführen. „Wir können an Demenz erkrankte Menschen nicht isolieren, sie könnten in Depression verfallen, oder aggressiv werden, wenn ihnen die Tagesstruktur genommen wird,“ erklärt Katja König. Das Haus ist in mehrere Hausgemeinschaften unterteilt, in denen sich die Bewohner frei bewegen können. 

„Die seit dem 6. November bestehenden Infektionsbereiche werden mit Abflachung der Infektionskurve sukzessive, in Absprache mit dem Gesundheitsamt in die Normalität zurückgeführt“,  sagt Katja König. In anderen Alten- und Pflegeheimen seien die Infektionswellen mithilfe der Isolation der Bewohner gebrochen worden, „bei unserer Struktur ist das nicht möglich, daher konnte sich das Corona-Virus so schnell verbreiten.“

Die Zusammenarbeit mit dem Dauner Gesundheitsamt laufe bestens, sagt die Leiterin des Hauses. „Wir erfahren komplette Unterstützung. Die Mitarbeiter des Amtes sind einmal wöchentlich vor Ort, um Abstriche vorzunehmen - bei Verdachtsfällen werden Schnelltests durchgeführt.“

Dankbar ist Katja König auch für die Unterstützung durch Bundeswehrangehörige aus Daun, die im unter Quarantäne gestelltem Seniorenheim die Betreuung sicherstellen.

Und sie wünscht sich darüber hinaus eine faire Berichterstattung, sagt sie: „Ich kann nachvollziehen, dass die Medien versuchen, die Situation manchmal sehr reißerisch darzustellen. Doch das schlägt sich negativ in der Motivation unseres Teams nieder.“ 

Unbeantwortet bleibt bis Redaktionsschluss die Frage, warum die Pressestelle des Kreises von  76 Corona-Fällen im Haus Helena ausgeht. „Die Zahl ist nicht richtig“, sagt Katja König. „Da sieben Menschen im November verstorben sind, haben wir nunmehr 70 Bewohner, von denen  65 positiv getestet sind.“

Weitere Anfragen unserer Zeitung zum aktuellen Stand der Dinge im Mehrener Pflegeheim sind von der Kreisverwaltung an das Gesundheitsamt weitergeleitet worden.

Unter anderem drehten sich die Fragen darum, ob das Gesundheitsamt die getroffenen Schutzmaßnahmen in der Einrichtung als ausreichend ansieht und ob eine Chance besteht, das Infektionsgeschehen in Zukunft einzudämmen. Die Antworten darauf lagen bei Redaktionsschluss nicht vor.