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Vier Tage für die Familiengeschichte

Vier Tage für die Familiengeschichte

DAUN/HILLESHEIM. Im 18. und 19. Jahrhundert wanderten Tausende von Deutschen aus bitterer Not nach Amerika aus, um dort ihr Glück zu finden. Viele Nachkommen der Auswanderer, besonders aus den USA, suchen heute die Wurzeln ihrer Vorfahren und Verwandten. So auch die Ehepaare Miller-Pastorius aus Pittsburgh.

Früher waren die Menschen in der Eifel arm. Der karge Boden gab nicht genug her, und es gab keine Industrie, die die Menschen ernähren konnte. Deshalb sahen viele Eifeler in der Auswanderung die einzige Möglichkeit, ein besseres Leben zu führen. Der gebürtige Hillesheimer Wilhelm Pastorius heiratete 1820 Eva Christine Constance Molitor aus Daun. Er war im Gegensatz zu vielen anderen Auswanderern kein armer Mann, denn er besaß dort, wo heute das Forum Daun steht, ein Wirtshaus, hatte eine Landwirtschaft und war von der französischen Verwaltung als Bürgermeister eingesetzt. Doch einer Aufteilung seines Vermögens unter den Kindern hätte auch ihn arm gemacht, und so verließ er mit sechs seiner zehn Kinder im Jahr 1843 Daun und wanderte nach Baltimore/USA aus. Der Kontakt kam über Kradenbach

Was dort aus ihm und seiner Familie geworden ist, ist nicht klar. Kathleen Miller-Pastorius und ihr Mann James H. Miller Jr. sowie ihr Bruder Joseph mit seiner Frau Florence wohnen in Pittsburgh/Pennsylvania, und ihre "Spurensuche" nach den Vorfahren begann mit einem Zufall. "Als 1990 unsere Tante gestorben ist, fanden wir im Nachlass den Reisepass unseres Vorfahren Wilhelm Pastorius. Danach begannen wir uns für die Geschichte zu interessieren", erzählt Kathleen Miller- Pastorius. Der alte Reisepass war am 19. März 1843 in Trier von den Königlich-Preußischen Staaten ausgestellt worden, und er gibt auch Auskunft über die Reiseroute über Belgien, Antwerpen nach New York. Im Internet und der Datenbank der Mormonen suchte Kathleen Miller nach ihren Ahnen. Über das Ein- und Auswandererregister von Helmut Pauly aus Kradenbach kam der Kontakt auch zum Heimat- und Familienforscher (und hauptamtlichen Beigeordneten der Verbandsgemeinde Daun) Friedbert Wißkirchen zustande. "Vor zwei Monaten sind die Amerikaner an mich heran getreten. Ich habe dann auch im Internet nach der Familie Pastorius und Molitor gesucht und auch gefunden. Dabei habe ich auch die Nachfahren in Hillesheim ausfindig gemacht. Nur in Daun kam ich nicht weiter, und deshalb habe ich Alois Mayer um Hilfe gefragt", erzählt Wißkirchen. Im Familienbuch von Daun, an dem Mayer seit langem arbeitet, fand er die benötigten Angaben. Am 13. September landeten die amerikanischen Pastorius in Frankfurt. Zwei Wochen dauerte ihre Deutschland-Visite, die sie nach Berlin, Nürnberg, Garmisch- Partenkirchen, Heidelberg und nach München zum Oktoberfest führte.Es ist wundervoll, am Ort der Vorfahren zu sein

Vier Tage hatten sie sich aber Zeit genommen, um in der Eifel auf Spurensuche nach ihren Vorfahren und den noch lebenden Verwandten zu gehen. "Es ist wundervoll, hier am Ort unserer Vorfahren zu sein. Ich bin wirklich ein wenig gerührt", sagt Kathleen Miller-Pastorius, die ausgesprochen stolz auf ihre deutschen Ahnen ist. Drei Verwandte wohnen noch in Daun. Ihnen stattete die Reisegruppe aus den USA einen Besuch ab. "Wir haben Kontakt zu ihnen aufgenommen, und sie freuten sich über den Verwandtenbesuch aus den USA", erzählt Mayer. Eine Stunde dauerte der Besuch bei den drei älteren Geschwistern in Daun. "Der Besuch war sehr emotional gewesen, besonders für Kathleen Miller-Pastorius. Das war für sie etwas Besonderes", beschreibt Wißkirchen den Besuch.