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Völkerwanderung im Riff

Völkerwanderung im Riff

PELM/GEROLSTEIN. Mehr als 1000 Besucher kamen zur Premiere des "Tags des offenen Steinbruchs" im firmeneigenen Steinbruch der Rheinkalk-Akdolit-Werke. In Pelm war die größte Veranstaltung zur bundesweiten Aktion.

Matschige Wege, dreckige Schuhe und Hosen, aufgespannte Regenschirme, begeisterte Besucher und viele Informationen. Mit diesen Stichworten lässt sich Bilanz der Premiere des "Tags des offenen Steinbruchs" ziehen. Besucher Rainer Görgen (38) aus Gerolstein war besonders vom Ausblick am oberen Steinbruchplateau fasziniert: "Mir war nicht bewusst, dass man von hier aus alles auf einen Blick hat." Steinbruch, Kylltal, Munter- und Dietzenley, Kasselburg - der 380 Millionen Jahre alte Dolomiten-Gebirgszug hat viele Gesichter. Aufmerksam verfolgten die Besucher die Führungen mit Geologe Dr. Peter Bitschene. "Die Eishöhlen in Birresborn und Roth wurden von Menschenhand in Basaltgestein geschaffen", erklärte er. Jacqueline Beauducel verbuchte den Tag im Steinbruch als "ein Stück Heimatkunde". Die Gymnasiallehrerin lebt seit vier Jahren in Gerolstein: "So eine tolle Sache sollte öfters angeboten werden." Seit 51 Jahren wird im Pelmer Steinbruch gearbeitet. Jährlich werden 50 000 Tonnen abgebaut. Die Hälfte davon wird für den Straßen- und Wegebau genutzt. Die andere Hälfte wird im Kalkwerk veredelt. "Noch für weitere 300 Jahre reicht das Vorkommen", erklärte Gerd Möller, Geschäftsführer der Akdolit-Werke. Möller und Bitschene sagten, dass demnächst regelmäßig Führungen angeboten werden sollen. Sie waren von der Resonanz überwältigt. Einziger Kritikpunkt an der Veranstaltung war die fehlende Ausschilderung für den Fußweg zum Steinbruch vom Kasselburger Weg aus. Ein Drittel der Besucher bewältigte den einen Kilometer langen, teilweise sehr steilen Anstieg. Viele Fußgänger warteten vergeblich auf den Shuttle-Bus. Doch eine Haltestelle am Werk hatten die Organisatoren nicht auf dem Plan. TW-Mitarbeiterin Mechthild Sonnen: "Wir sind davon ausgegangen, dass die Besucher mit dem Shuttle-Bus kommen, der beim verkaufsoffenen Sonntag in Gerolstein startete und am Labor zur Werksbesichtigung hielt, oder eben mit dem Auto über die Kasselburg zum ausgewiesenen Parkplatz." Sie seien von den vielen Besuchern ein wenig "überrollt" worden. Bei den Führungen sei es wie bei einer Völkerwanderung zugegangen. "Wir haben hier Problemchen, wovon andere nur träumen können, denn hier ist bundesweit die größte Veranstaltung zum Tag des offenen Steinbruchs", erklärte Bitschene. Für musikalische Unterhaltung sorgten die Big-Band Gerolstein, die Birbachtaler Musikanten und der Männergesangverein. Die gute Akustik im Steinbruch sorgte bei manchen für Gänsehaut-Gefühl. Das war bei manchen nur noch durch das große Feuerwerk bei hereinbrechender Nacht zu toppen. Zur Überraschung der Besucher war der Verzehr vom Kaffee bis zum Bier, vom Kuchen bis zum Schweinebraten, kostenlos. Möller übernimmt die Kosten - "aus Verbundenheit zu Bevölkerung und Touristen".