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"Voll krass, was alles passieren kann"

"Voll krass, was alles passieren kann"

Mehrere Hundert Fahranfänger haben an Verkehrssicherheitstagen an drei Schulen im Landkreis Vulkaneifel teilgenommen. Mittelfristig scheint das Angebot, das es bereits seit Jahren gibt, zu fruchten: In der Vulkaneifel sind zehn Prozent weniger Fahranfänger als der bundesweite Durchschnitt an Unfällen beteiligt.

Gerolstein/Daun. Breitbeinig, kurze Trippelschritte, benommener Blick: "Nur nicht torkeln" heißt die Devise auf dem "Rauschbrillen-Parcours" beim Verkehrssicherheitstag. Spezialbrillen simulieren einen Alkoholrausch von 0,8 oder 1,3 Promille.

Die Fahranfänger sollen erleben, wie sich ihre Fähigkeiten unter Alkohol reduzieren. Andreas Oschlies versucht mit höchster Konzentration die Hindernisse zu umrunden und dabei einen Becher auf den Hindernissen umzusetzen. Der 22-Jährige meint: "Zuerst ist es lustig, dann aber erschreckend." Manuel Wasser (23 Jahre) ergänzt: "Es ist komisch, mit klarem Kopf diese Erfahrung zu machen."

Polizeioberkommissar Horst Krämer hat die Verkehrssicherheitstage organisiert. Zuerst hat er den Fahranfängern einen Film über Unfälle gezeigt. Einige Jungs meinen geschockt: "Voll krass, was alles passieren kann." Jacqueline von der Bank (19) ist noch ganz gefangen von den Eindrücken: "Total erschreckend". Alkohol am Steuer ist für sie kein Thema: "Unserer Clique regelt das unter sich ganz gut. Wer fährt, trinkt nichts."

Neben Alkohol ist zu schnelles Fahren eine weitere häufige Unfallursache. Ein 23-Jähriger meint: "Wie bei Motorrädern sollte bei Autos für Fahranfänger eine PS-Begrenzung gelten." Polizist Krämer dazu: "Eine PS-Begrenzung für Autos von Fahranfängern wäre ebenso fatal wie eine alte Karre."

Alex Roden erzählt von seinem schweren Unfall vor einem Jahr. Der 21-Jährige war zu schnell unterwegs und fuhr auf einen parkenden Bus auf. Ergebnis: ein Monat Koma, drei Monate Krankenhaus, genesen, aber ein Jahr Berufsoberschule zum Fach-Abitur wiederholen. Roden hofft, dass sein Erlebnis als Signalwirkung in der Clique noch lange anhält.

Polizist Krämer sagt mit Blick auf die bundesweite Unfallstatistik (siehe Extra): "Die Jugend von heute ist nicht so unvernünftig, wie sie häufig dargestellt wird." Mehrere Puzzlesteine (Jugendtaxi, Verkehrssicherheitstage, Anti-Alkohol-Projekt BOB der Polizei) zeigen Wirkung: In der Vulkaneifel sind deutlich weniger Fahranfänger als bundesweit an Unfällen beteiligt.

Zum siebten Mal fand der Verkehrssicherheitstag an der Gerolsteiner Berufsschule statt. Lehrer Manfred Schmitz: "Wir sind aus Überzeugung dabei. Drei Kreuze von getöteten ehemaligen Berufsschülern zwischen Steinborn und Kirchweiler reichen."

Erstmals fand am Thomas-Morus-Gymnasium Daun und Sankt-Matthias-Gymnasium Gerolstein ein Verkehrssicherheitstag in "Schnupperform" für die Oberstufenschüler statt. Polizist Krämer: "Wenn es gewünscht wird, wird es an den Gymnasien wie an der Berufsschule nächstes Jahr einen großen Verkehrssicherheitstag mit sieben Stationen geben".

Am Verkehrssicherheitstag waren neben der Polizei, die Verkehrswacht, das DRK, die Landespolizeischule, Brandschutz Weiler und Unfallopfer Tobias Krämer beteiligt. Extra Unfallstatistik im Bereich der PI Daun: Im ersten Halbjahr 2009 sank erstmals seit Jahrzehnten die Beteiligung junger Fahrer (bis 21 Jahre) unter 20 Prozent. Von den 911 Unfällen wurden 179 (19,64 Prozent) von jungen Fahrern verursacht. Das ist zehn Prozent unter Bundesdurchschnitt. Bereits seit Jahren ist die Beteiligung junger Fahrer rückläufig. 2008 waren es 22,51 Prozent mit Blick auf alle Unfälle. 2007 (Zahlen 2006 und 2005 in Klammern) 23,48 Prozent (26,31/29,03).