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Vom Armenhaus der Vulkaneifel zum beliebten Wohngebiet

Vom Armenhaus der Vulkaneifel zum beliebten Wohngebiet

Die Struth ist ein Teil des Landkreises Vulkaneifel. Früher mit dem Makel behaftet, "ärmster Teil der Eifel" zu sein, entwickelt sich dieser Landstrich immer rascher.

Beinhausen/Sarmersbach. Wenn man Bewohner nach ihr befragt, wird erklärt: "Die Struth fängt hinter Rengen an!". Sie meinen damit die sieben Dörfer, die diese herb-schöne Landschaft begrenzen. Einst als unfruchtbares "Hinterland" bezeichnet, hat sich das Gebiet gut entwickelt. Gewerbegebiete sind ausgewiesen. Die Dörfer sind zu beliebten Neubaugebieten geworden.
Zu Beginn dieses Jahres lebten rund 1100 Menschen in den sieben Struthdörfern, von denen nach der Gebietsreform Mitte der 1970er Jahre Beinhausen, Boxberg und Neichen zur Verbandsgemeinde Kelberg, und Gefell, Kradenbach, Nerdlen, Sarmersbach zur Verbandsgemeinde Daun gehören.
All diese sieben Ortschaften gruppieren sich in großem Kreis um ihre Pfarrkirche, die sich Hilgerath nennt. Sie ist das Herz der Struth, einsam gelegen, hoch oben auf einem Berg über dem Tal der kleinen und noch jungen Lieser, die das Privileg hat, in der Struth zu entspringen.
Das Wort Struth ist vom Althochdeutschen abzuleiten und bedeutet so viel wie "Gebüsch, Buschwald, Dickicht, besonders sumpfige und nasse Gegend". Das Wort Strut(h) gibt es sehr oft im Vulkaneifelkreis, in Deutschland - als Dorf- oder Flurbezeichnungen (Strohn, Strotzbüsch von Struotbüsch, Strote bei Lüneburg, Strothe bei Korbach, Struth in Thüringen und im Eichsfeld, Struthof, Strutmühle).
1844 schreibt Schannat-Bärsch: "Die Grenze des Regierungsbezirkes Koblenz zieht sich durch die Struth, ein großes muldenförmiges und sehr unfruchtbares Plateau. Heidekraut bedeckt den Boden und nur stellenweise liegen Ackerfelder um die Dörfer herum oder Wildland in der Heide. Nur mit Mühe werden magerer Roggen, Hafer oder Kartoffeln gewonnen; der Holzwuchs ist verkrüppelt."
Magerer Boden, kaum Erträge


Und die Schulchronik Nerdlen notiert 1870: "Struth heißt das große, muldenförmig und zum Teil sehr unfruchtbare Plateau, das sich an der Grenze des Regierungsbezirkes Koblenz hinzieht. Ihre Bewohner werden hiernach Struther oder Ströther genannt. Ein großer Teil des Bodens ist noch heute mit Heide bewachsen. Mit sehr viel Mühe ringen die Bewohner dem mageren Boden die spärlichen Erträge an Roggen, Weizen, Hafer und Kartoffeln ab. Der Graswuchs ist spärlich. Hieraus geht hervor, dass die Bevölkerung zum größten Teil in recht ärmlichen Verhältnissen lebt."
Der größte Teil des Struthbodens ist lehm- und tonhaltig und weist daher vielerorts nasse und sumpfige Stellen auf, deren Wasser sich in kleinen Bächen und Rinnsalen sammelt und dann dem Sarmersbach, der Lieser oder der Alf zugeleitet wird.
Bis um 1900 war die Struth eine Gegend mit einer eintönigen Heidelandschaft, nur unterbrochen von kleinen Dörfchen. Deren Einwohner fristeten vom kärglichen Ertrag der Äcker und Wiesen ein kümmerliches Dasein.
In dem Buch "Eifeler Volkskunde" ist zu lesen: "Durch Boden und Verkehrslage, Wesensart und Sprache bilden Struth und Ströther einen geschlossenen Wirtschafts- und Volkskreis mit zäh gehütetem Eigenleben und reichlicher dörflicher Innengliederung."