Vom Mechaniker zum Tierliebling: Willigerd Emontspohl reparierte früher Autos, nun ist er Leiter des Wildparks Daun

Vom Mechaniker zum Tierliebling: Willigerd Emontspohl reparierte früher Autos, nun ist er Leiter des Wildparks Daun

30 Jahre lang drehte sich der Berufsalltag von Willigerd Emontspohl um Autos. Er war KFZ-Meister. Dann widmete er sich der Natur und ist nun Leiter des Wildparks in Daun. Dort hält der 55-Jährige bei seinen Touren die Augen offen, ob es den Tieren gut geht. Dabei hat er einige kuriose Freundschaften geschlossen.

Plötzlich trottet ein Affe an. Willigerd Emontspohl, Leiter des Wildparks Daun, entdeckt ihn schon aus weiter Ferne. "Das ist Leolo", sagt der 55-Jährige mit einem Lächeln. Er stellt seinen weißen Jeep ab, steigt aus und holt aus dem Anhänger ein Stück Marzipankuchen. Das ist nicht die einzige Leckerei, die Emontspohl den Tieren auf seiner Tour mitgebracht hat.Donuts für Wildschweine


Er hat Bottiche mit Kraftfutter für die Esel und Donuts für die Wildschweine dabei. Der Marzipankuchen ist aber alleine für Leolo bestimmt. Emontspohl verteidigt das Stück energisch vor hungrigen Lamas und reicht es dem Affen-Opa, der sich auf den Boden setzt und die begehrte Beute gierig verschlingt.

Emontspohl guckt zufrieden zu und sagt: "Für manche Leute mögen sechs Richtige das größte Glück im Leben sein. Für mich ist diese Stelle der Sechser im Lotto." Beruflich beschäftigt er sich mit Büffeln, Affen und Eseln. Früher sah sein Alltag anders aus. 30 Jahre lang reparierte er Autos. Irgendwann tauschte der KFZ-Mechaniker dröhnende Motoren gegen röhrende Hirsche. Den Opel gegen Leolo. Gestresste gegen glückliche Gesichter am Arbeitsplatz. "Wenn Menschen in die Werkstatt kommen, sind sie oft genervt, weil ihr Wagen kaputt ist", sagt Emontspohl. "Hier fahren die Leute hingegen mit einem Lächeln durch." Da er sich mit Tieren und Technik auskennt, wechselte er den Job. Seit 2013 ist Daun sein neues Reich.

Im Wildpark ist Emontspohl der Mann, der jeden Tag auf die Details achtet. Er prüft, ob die Silos mit genügend Futter gefüllt sind. Entdeckt er Netze auf dem Boden, hebt er sie schnell auf, bevor sich Rehe darin verfangen. Er überlegt, wo Zäune zu bauen sind und packt selber tatkräftig mit an. Und er guckt bei seinen Fahrten über das Gelände mit scharfen Augen aus dem Jeep-Fenster, ob es den Tieren gut geht.

An diesem Morgen entdeckt der Parkleiter mit der festen Jacke und dem grünen Hut ein Emu-Männchen. Es liegt regungslos im Wald und guckt bedröppelt zu Boden. Emontspohl klettert durch das Laub und über knackende Äste zu dem Tier.Gnadenlose Tierwelt


Lachend gibt er Entwarnung. "Ihm fehlt nichts. Er brütet nur Eier aus. Zehn Stück. Bei den Emus ist das die Aufgabe des Männchens", erklärt er. Dann reicht er dem werdenden Papa etwas Salat. Die Mama ist dagegen ausgeflogen. "Sie schaut sich bereits nach neuen Partnern um", sagt Emontspohl. Gnadenlose Tierwelt.

Den Spaß lässt sich Emontspohl aber nicht verderben. Er fühlt sich wohl bei den Tieren und weiß, wie sie ticken. Ob es das zahme Shetlandpony Lilly ist, das eine Karotte aus seiner Hand frisst. Oder das kuriose Kamerunschaf, das friedlich mit einer Gruppe Wildschweine zusammenlebt. "Das Schaf gibt sogar das Kommando vor. Läuft es weg, laufen die Wildschweine hinterher." Emontspohl, der in der Eifel in Neustraßburg wohnt, weiß aber auch, dass seine Freundschaft mit den Tieren nicht zu weit gehen darf.

Besonders bei den Affen ist er auf der Hut. "Sie sehen nett aus, wiegen nur 16 Kilo, können aber einen ausgewachsenen Menschen töten." Er habe mal erlebt, wie giftig die Tiere werden können, als er sie für eine Impfung fangen wollte. "Sie haben mir meine Hände durch dicke Handschuhe hindurch zerbissen."

Mit einem Trick gingen ihm die Affen dann doch in die Falle. Er baute einen Futterkäfig, in den sie gegangen sind. Die Kollegen im Wildpark staunten. "Vorher hat mir jeder prophezeit, dass ich die Tiere nie kriegen werde." Das technische Geschick aus der Zeit als KFZ-Mechaniker half ihm beim Bauen. Und die Primaten nehmen ihm die Finte längst nicht mehr übel.
Besonders Leolo hat seinem Kumpel verziehen. In Seelenruhe futtert der Affen-Opa weiter seinen Marzipankuchen, während Emontspohl mit dem Jeep weiter durch den Park fährt und die Lage im Blick behält. So wie jeden Tag.Extra

Foto: (e_daun )

In der Vulkaneifel können Interessierte gleich zwei Parks besuchen. Der Wildpark in Daun, der 220 Hektar groß ist, öffnet täglich von 10 bis 18 Uhr die Tore. Gäste können mit dem Auto über das Gelände fahren und dabei die Tiere beobachten. Das größte Wolfsrudel Westeuropas ist dagegen in dem Adler- und Wolfspark Kasselburg in Pelm untergebracht. Dort können Besucher ebenfalls Wildschweine, Schafe, Ziegen und Falken erleben. Die Öffnungszeiten sind auch hier täglich von 10 bis 18 Uhr. flor

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