Vom Musikgenuss zum Alltagsgegenstand

Vom Musikgenuss zum Alltagsgegenstand

Die Schallplatte feiert zwar schon wieder ein Comeback, aber bei den meisten Leuten liegen die Exemplare aus früheren Jahren nur noch im Keller oder auf dem Speicher. Marco Greif aus Kelberg hat eine andere Verwendung für die Scheiben gefunden: Er macht daraus Alltagsgegenstände.

Kelberg. Das waren noch Zeiten, als der Plattenspieler in jedem Haushalt seinen Platz hatte und die schwarzen Scheiben aus Vinyl für Musikgenuss sorgten.
Lange vorbei: Anfang der 80er Jahre wurde die Compact Disc (CD) eingeführt und verdrängte die Schallplatte. "Design mit Gefühl, dann setz auf Vinyl", unter diesem Motto hat der 30-jährige Marco Greif nun eine ganz andere Verwendung für die alten Scheiben aus den Wirtschaftswunderjahren gefunden.
Was darf es dann sein? Eine Handtasche, eine Wanduhr, eine Deckenlampe oder ein Toilettenpapierabroller? Marco Greif fertigt auch Schalen und Schüsseln, Standuhren, CD-Ständer, Weinflaschenhalter, Schmuck, Steckdosenabdeckrahmen oder Platzteller aus den alten Schallplatten. Alle Teile sind in Handarbeit hergestellte Unikate. Zu seiner Geschäftsidee kam Greif über die Band "Die Toten Hosen", als er hörte, dass die ihre neue CD auch als Schallplatte auf den Markt brachten.
Von da an interessierte er sich für Schallplatten und stieß im Internet auf einen Videoclip, wo jemand eine Schüssel aus einer Schallplatte formte. Das war die Initialzündung für den Kelberger, sich zu überlegen, was man alles aus den alten Platten machen könnte.
"Die erste Schallplatte habe ich im Mai 2013 krumm gebogen", erzählt er. Für seine vielen Ideen musste er sich Vorrichtungen anfertigen: Mit einem Fön und einem handelsüblichen Elektroherd erwärmt er die Vinylplatten, um sie dann in Form zu bringen. Für bestimmte Produkte wie den CD-Ständer oder die offene Tasche, bei denen Teile der Schallplatte entfernt werden, lässt Greif bei einem früheren Arbeitskollegen in Münk (Kreis Mayen-Koblenz) seine Arbeit lasern. "Ich habe versucht, die Stellen auszufräsen, aber das wurde zu warm und die Schallplatte ist an den betroffenen Stellen geschmolzen", erzählt er.
Die Schallplatten kauft der gelernte Schreiner und heutige Brillenmacher über Ebay, aber auch Bekannte bringen ihm die schwarzen Scheiben schon mal vorbei. So wird dann alten Schlagerparaden, Neil Diamond, Cat Stevens, Peter Kraus oder Peter Alexander neues Leben eingehaucht. Tut es ihm nicht manchmal Leid, die alten "Schätzchen" zu zerstören? "Ich habe schon viele Schallplatten aussortiert, die ich doch lieber behalten möchte", gibt Greif zu.
Die Schüsseln für Obst oder andere Dinge verkaufen sich am besten. Er vertreibt sie über seine Webseite oder auch auf Märkten. Greif: "Ich habe das Gefühl, das gerade Leute, die in ihrer Jugend mit der Schallplatte groß geworden sind, eher etwas kaufen als junge Leute".