Vom Trauermarsch bis zum Schlager

Vom Trauermarsch bis zum Schlager

Die Idee eines Spielmannszugs hatte vor 60 Jahren der damalige Wehrführer Peter Sicken. Vier Trommler, darunter Heinz-Werner Lützenkirchen, und sieben Flötisten waren die ersten Solisten. Am Wochenende feiert der Verein als Tambour- und Fanfarencorps der Freiwilligen Feuerwehr Kelberg sein Jubiläum mit einem Fest.

Kelberg. "Die wunderbare Kameradschaft." Die Antwort auf die Frage, was ihn am meisten mit dem Tambour- und Fanfarencorps verbindet, gibt Gründungsmitglied Heinz-Werner Lützenkirchen ohne Zögern. Dabei ist der 74-Jährige schon seit 30 Jahren ein Inaktiver. "Berufsbedingt", erklärt er.
Seine Arbeit als Bademeister im Freibad Kelberg habe sich damals nicht mehr mit den Verpflichtungen in dem Verein, besonders mit den Auftritten an fast jedem Sonntag im Sommer, vereinbaren lassen. Seit der gelernte Gas- und Wasserinstallateur in Rente ist, gehört er allerdings zu den treuesten Zuhörern und größten Fans der Musikgruppe.
"Ich bin bei fast allen Auftritten dabei", erzählt Heinz-Werner Lützenkirchen, "und bei den Vereinsfeiern sowieso." Auch der Verein hält seinem Gründungsmitglied die Treue: Zu Lützenkirchens 70. Geburtstag war die komplette Mannschaft vor seinem Haus im Kelberger Wiesengrund aufmarschiert und hatte ihm ein Ständchen gebracht.
An die Anfänge des Tambour- und Fanfarencorps als Spielmannszug der Feuerwehr erinnert Heinz-Werner Lützenkirchen sich gut. Der Wehrführer Peter Sicken hatte 1951 zur Gründung aufgerufen - "zur Verbesserung des Kulturgutes der Ortsgemeinde Kelberg", heißt es dazu in der Chronik.
Als Solisten meldeten sich elf junge Männer. Das Geld für die Instrumente - vier Trommeln und sieben Querflöten - kam aus der Kameradschaftskasse der Feuerwehr. Ausbilder waren Heinrich Thomasen und Hans Hinz.
"Wir haben im Fichtenwäldchen das Marschieren geübt und in einem Nebenraum des damaligen Feuerwehrgeräteschuppens in der Dauner Straße geprobt", erzählt Heinz-Werner Lützenkirchen und verrät, dass er einmal "mächtigen Ärger" mit Hans Hinz hatte.
Dieser hatte als Slogan ausgegeben, dass der Spielmannszug "die Elite der Feuerwehr" sein müsse; doch der junge Trommler Lützenkirchen wandelte Hinz\' Appell scherzhaft in "Niete der Feuerwehr" um.
Fünf Jahre war Lützenkirchen Trommler, bis er 1956 die Position des Tambourmajors übernahm. "Er verstand es mit großem Erfolg, den Verein zu leiten und zusätzlich Jugendliche für die Musik zu begeistern", schrieb der Chronist seinerzeit über ihn. Was das Tambour- und Fanfarencorps neben der Kameradschaft noch auszeichnet? "Dass wir in Freud und Leid spielen", sagt Lützenkirchen mit Blick auf das Repertoire, zu dem Trauermärsche ebenso gehören wie stimmungsvolle Schlagermusik.
Einen hohen Rang in der Vereinsgeschichte nimmt Ernst Ludwig ein, der 38 Jahre lang Vorsitzender war - von 1962 bis 2000. Er sei "wegen seines kontinuierlichen, engagierten und auf Loyalität ausgerichteten Handelns maßgeblich an Erfolg und Ansehen des Tambourcorps beteiligt", heißt es in der Chronik, die als weitere Marksteine von vielen in der Vereinsgeschichte aufzählt: Aufnahme von Mädchen und Frauen (seit 1964), erstes Musikfest und erste Uniformen (1967), Schallplattenaufnahmen (1978), Zeltlager (seit 1983), Gründung einer Majoretten-Tanzgruppe (1988), Teilnahme am internationalen Musikfest in Budapest/Ungarn (1993), Teilnahme an den Rheinland-Pfalz-Tagen in Bad Kreuznach (2009) und Prüm (2011). Anlässlich der 60-Jahr-Feier lädt das Tambour- und Fanfarencorps zum Musik- und Gästefest ein. Das Programm: Samstag, 20. August: 17 Uhr, Eröffnung des Bierstands auf dem Marktplatz; 17.30 Uhr, Freundschaftsspiel der Gastvereine; Sonntag, 21. August: 10.30 Uhr, Gottesdienst in der Pfarrkirche, anschließend Kranzniederlegung mit Totengedenken am Ehrenmal und Festzug zum Marktplatz; 11.45 Uhr, Frühschoppenkonzert mit dem Musikverein Retterath; 12.45 Uhr, Darbietungen des Musikvereins Boxberg; ab 13.30 Uhr Kaffee und Kuchen; 14 Uhr, Freundschaftsspiel der Gastvereine; 15.30 Uhr, Ehrungen verdienter Mitglieder durch den Kreismusikverband Vulkaneifel; 21 Uhr großer Zapfenstreich mit dem Tambour- und Fanfarencorps Kelberg und dem MV Eckfeld. bb Das Tambour- und Fanfarencorps der Freiwilligen Feuerwehr Kelberg hatte neben Heinz-Werner Lützenkirchen und Hans Hinz folgende Gründungsmitglieder: Hermann Gräfen, Ernst Marx, Hubert Marx, Otto Michels, Michael Müller, Rudolf Schneider, Al-fred Schomisch, Peter Schomisch, Hermann Seimetz. Erster Tambourmajor war Peter Saxler; auf ihn folgten Heinz-Werner Lützenkirchen (1956 bis 1981), Reinhold Schneider (1981 bis 1996), Hermann-Josef Simon (1996 bis 1997), Christian Weber (1997 bis 2006) und wieder Reinhold Schneider (seit 2006). Das Amt des Vorsitzenden hatten Peter Saxler (1951 bis 1962), Ernst Ludwig (1962 bis 2000) und Peter Schmitt (2000 bis 2004); seitdem ist Hermann-Josef Sicken Vorsitzender. Der Verein hat aktuell 27 aktive Mitglieder, davon sieben unter 18 Jahren, zwei Ehrenmitglieder sowie 25 Inaktive. bb