Vom Wandel einer Wallfahrt

Vom Wandel einer Wallfahrt

Die Klausen-Wallfahrt der Pfarrei St. Matthias Mehren am Sonntag, 26. Juni, ist die 250. seit ihrer Gründung im Jahr 1761.

Mehren/Klausen. Das Marienbildnis war nicht immer nur Ziel der Klausen-Pilger aus Mehren: Ledige Pfarrkinder suchten mit Vorliebe auch den Heiligen "Komm\'-hol\'-mich" auf. Und es soll nicht immer gesittet zugegangen sein.
Zwar ist die Wallfahrt in einem alten Lagerbuch der Pfarrei erstmals vor 250 Jahren urkundlich erwähnt worden, als die "fromme und gottesfürchtige Jungfer" Maria Gertrud Kemmers am 31. Mai 1761 für die Prozession nach Klausen Geld spendete. Vermutlich geht aber der Gang nach Klausen auf die Zeit des Dreißigjährigen Krieges zurück.
Und war die Wallfahrt am Sonntag nach Fronleichnam ursprünglich wegen einer Viehseuche versprochen worden, so gibt es in der Literatur reichlich Hinweise, dass sie der Landbevölkerung neben dem religiösen Anliegen auch willkommene Abwechslung vom Alltag war - mit Begleitumständen, die Widerspruch auslösten.
Darum wohl verbot das Generalvikariat 1782 und 1784 Prozessionen, die länger als eine Stunde dauerten.
Der Wittlicher Dechant beklagt um 1830, dass die Pilger auf dem Heimweg von Klausen "in ungehörigem Maß dem Alkohol zusprächen". "Dass die Prozession nach Clausen eingestellt ist, damit ist sehr wohl geschehen", schreibt der Trierer Bischof dem Pfarrer von Mehren zur selben Zeit.
Bahnstrecke verändert Wallfahrt


Doch es kam wieder eine Viehseuche, und die Mehrener erinnerten sich an ihr altes Versprechen, vereinbarten, dass aus jedem Haus mindestens ein Mitglied an der Wallfahrt nach Klausen teilnehmen sollte.
Im Jahr 1876 zählte man 302 Pilger. Als im Jahr 1910 die Bahnstrecke Daun - Wittlich eröffnet wurde, wandelte sich dann die Wallfahrt nochmals: Die Pilger nahmen erst den Zug von Schalkenmehren bis Salmrohr und gingen dann nur das letzte Stück zu Fuß.
Als die traditionsreiche Wallfahrt in den 1960er Jahren sich zusehends zu einer "Kaffeefahrt" entwickelte, kam die damalige Jugendgruppe auf die Idee, die Fußwallfahrt über die gesamte Strecke von 40 Kilometern wieder aufleben zu lassen und sich bei dem Dorf Pohlbach mit den Buspilgern zusammenzuschließen.
Den Anfang machten 17 Pilger am 20. Juni 1976. Seither ist die Fußwallfahrt wieder fester Bestandteil der Mehrener Pilgerfahrt nach Klausen - mit festlichem Hochamt und Vesper in der Wallfahrtskirche.
Dort befindet sich in der Turmhalle am Haupteingang als Halbrelief auf einer Grabplatte der als "Heiliger Komm\'-hol\'-mich" verehrte Philipp von Ottenesch. Nach dem Volksglauben wird der Ritter von Unverheirateten aufgesucht und berührt, in der Hoffnung, bald einen Ehepartner zu finden. bb
Ablauf: Die Fußpilger starten am Sonntag, 26. Juni, um 3 Uhr an der Kirche. Es besteht die Möglichkeit, sich diesen gegen 8.30 Uhr am Krankenhaus in Wittlich anzuschließen. Abfahrt der Busse: 11.45 Uhr in Steiningen und 12 Uhr in Mehren. Empfang und Pilgermesse in Klausen um 12.45 Uhr. Der Kirchenchor Mehren wird die Messe mitgestalten. Um 15 Uhr ist eine Andacht. Die Buspilger machen sich um 15.45 Uhr auf den Rückweg, der Bus fährt um 16.30 Uhr zurück. Abschluss der Jubiläumswallfahrt: 17 Uhr, Empfang der Pilger am Friedhof; danach Prozession zur Kirche und Andacht. Fahrpreis: 10 Euro, Fußpilger, die nur mit dem Bus zurückfahren, bezahlen sechs Euro. Anmeldung bis Freitag, 24. Juni, im Café Wangen in Mehren und bei Adolf Scheid in Steiningen. Der Fahrpreis ist bei der Anmeldung zu entrichten. bb