Von der Eifel nach Amerika

Der Dauner Lehrer und Hobbyhistoriker Karl-Josef Tonner hat die Spuren der Amerika-Auswanderer aus der Verbandsgemeinde (VG) Kelberg verfolgt und seine Recherchen in einem gleichermaßen informativen und unterhaltsamen Vortrag bei der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) der Pfarreiengemeinschaft Kelberg präsentiert.

Kelberg. (bb) Möglicherweise erfahre der ein oder andere Zuhörer, dass es den viel zitierten "reichen Onkel in Amerika" tatsächlich gebe, meinte zu Beginn augenzwinkernd der KEB-Leiter Alois Kapell. Am Ende bezeichnete er Karl-Josef Tonners Vortrag als das Ergebnis kriminalistischer Recherchen. "Er ist ein lebendiges Auswandererlexikon", sagte der pensionierte Schulleiter über seinen früheren Konrektor Tonner (57).

Im Mittelpunkt des Vortrags standen die Jahrzehnte zwischen 1840 und 1890 und die mehr als 1700 Amerika-Auswanderer aus den 33 Gemeinden der VG Kelberg. "Sie gehörten zu den ersten", sagte Tonner mit Blick auf über 100 Auswanderer allein im Jahr 1842 und eine Auswanderungswelle in den 1860er Jahren. Armut, Realteilung sowie die Berichte der bereits Ausgewanderten zählte der Referent als Gründe auf, warum ganze Familien, Nachbarschaften, gar halbe Dörfer ihre Heimat verließen.

Den höchsten Anteil hatten die Dörfer Retterath, Drees und Mannebach. Aus Uess war nur einer ausgewandert. Kelberg steht an sechster Stelle auf Tonners Rangliste. Auf Schiffen, die Bavaria, Borussia und Phantom hießen, wanderten die Menschen aus dem Kelberger Raum überwiegend nach Wisconsin, Minnesota oder New York aus. Der beliebteste Auswandererhafen für die Eifeler sei Antwerpen gewesen, berichtete Tonner. Zuvor seien die Namen der Auswanderungswilligen von Amts wegen veröffentlicht worden, "falls noch Rechnungen zu begleichen waren", erklärte er. Tonner zeigte alte Katasterkarten von Kelberg und Umgebung, auf denen er die Wohnhäuser der Ausgewanderten markiert hatte. Er hatte eine Kopie des Haftbefehls für Matthias Krebsbach aus Kirsbach dabei, der ohne Genehmigung ausgewandert war, und einen Briefumschlag, den ein Auswanderer an "Familie Emmerichs in Meisenthal, Post Kelberg, Kreis Adenau, Regierungsbezirk Koblenz, Preußen, Europa" adressiert hatte.

Fotos von Grabsteinen in Wisconsin mit den Namen Schmitz und Michels hatte Tonner im vorigen Jahr aufgenommen. Und er hatte Kirchen besucht, für die "ein Friedrichs aus Kelberg" Fenster bemalt hatte.

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