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Von der Gießkanne bis zur Stahlhalle

Von der Gießkanne bis zur Stahlhalle

Im Kelberger Gewerbegebiet Steinrausch hat sich die Firma Nett Stahl- und Metallbau mit einem zusätzlichen Unternehmenssitz niedergelassen. Die Firma verbaut jährlich rund 700 Tonnen Stahl. Rund 1,5 Millionen Euro wurden in Kelberg investiert.

Kelberg. 700 Tonnen Stahl verbaut die Firma Stahlbau Nett jedes Jahr. Geländer, Schutzplankeneinrichtungen, Stahlkonstruktionen, Maschendraht - das Angebot ist breit. Auch in puncto Sicherheitszäunen für Rennstrecken wie am Nürburgring ist Nett eine feste Größe. Ihren Hauptsitz hat die Firma im Industriepark Nürburgring. In Kelberg ist nun ein zusätzlicher Unternehmenssitz hinzugekommen.
In 182 Tagen Bauzeit wurde dort im Gewerbegebiet Steinrausch eine Produktionshalle für Beschichtungsarbeiten mit 1620 Quadratmetern Fläche aus dem Boden gestampft. "Wir verstehen uns als eine große Schlosserei, von der Reparatur der Gießkanne bis zum Stahlhallenbau", erklärt Geschäftsführer Klaus Lauermann, der sich als 67-Jähriger eigentlich bald zurückziehen will aus dem operativen Geschäft.
Sein Sohn Sebastian (30), der seit 2006 im Betrieb tätig und auch Mitgeschäftsführer des Unternehmens ist, und dessen Schwager Christian Schmitz (25) sollen die Firma in die Zukunft führen. "Ich hoffe, ich lerne in den nächsten Monaten ein bisschen loszulassen", sagt der Senior-Chef augenzwinkernd.
1887 als Schlosserei gegründet


Gegründet wurde das Unternehmen Nett Stahl- und Metallbau 1887 in Adenau als Schlosserei. 1986 wurde diese dann von Klaus Lauermann gekauft. Doch der Standort Adenau war schnell zu klein geworden, deshalb siedelte die Firma im Jahr 2000 in den Industriepark Nürburgring, wo sie zu dieser Zeit erst das zweite Unternehmen war. Doch so interessant der Industriepark auch war, "in Meuspath war eine Expansion für uns nicht mehr möglich", erzählt Klaus Lauermann. Im Werk Meuspath werden die Stahlarbeiten geplant und geschweißt und an Ort und Stelle montiert. Das Lackieren übernahmen Fremdnehmer - bisher. "Das war nicht ideal, wir waren als Hersteller sehr vom Wetter abhängig. Das führte dazu, dass am Jahresende viele Baustellen nicht fertig waren und auch das Geld gefehlt hat", erzählt Lauermann. Die Firma schaute sich also nach einem Standort um, der Platz zur Expansion bot. Im Gewerbegebiet Steinrausch wurde man schließlich fündig.
"Wir haben uns für Kelberg entschieden, weil die Gemeinde eine gute Anbindung hat und weil man uns von der Verwaltung her sehr gut unterstützt hat", fasst Klaus Lauermann die Gründe für die Werkserweiterung zusammen. Anfang September konnte die Eröffnung des neuen Werkes gefeiert werden. Betriebsleiter ist Christian Schmitz.
20 Kilometer Geländer


"Was wir hier gebaut haben, ist neuester Stand der Technik. Die 20 Kilometer Geländer, die wir pro Jahr produzieren, können wir hier witterungsunabhängig beschichten, erhöhen hierdurch die Qualität, alles ist rationeller, wir haben direkten Einfluss auf die Qualität und sind damit dann insgesamt effektiver auf dem Markt unterwegs. Das sind Faktoren, die dazu führen, sich woanders niederzulassen", so Klaus Lauermann. Rund 1,5 Millionen Euro wurden dafür in Kelberg investiert, es gab für den Neubau auch eine EU-Förderung in Höhe von 165 000 Euro. "Das war auch eine Riesenentscheidungshilfe, wobei uns die Verbandsgemeindeverwaltung Kelberg erst darauf gebracht hat", freut sich Lauermann.
Die Zukunft des Familienunternehmens sieht der Seniorchef positiv. "Wir haben alles getan, was man tun kann für eine gute Zukunft des Unternehmens und um den Betrieb auf richtigem Kurs zu halten. Wir wollen nach oben, das Unternehmen zukunftssicher machen und uns mit der Expansion und der modernen Technik Wettbewerbsvorteile verschaffen", sagt Klaus Lauermann, der sich über seine jungen Nachfolger freut. "Die beiden sind ein tolles Gespann und werden die Firma auch weiter nach vorne bringen", sagt er. In Kelberg ist noch genügend Platz für eine Erweiterung, gedacht ist 2017 an eine weitere Halle für eine Pulverbeschichtung der Produkte, wie Sebastian Lauermann erzählt.
Der nächste Schritt wäre eine Zusammenlegung der beiden Betriebe. "Es wäre ein Vorteil, wenn die beiden Unternehmen zusammenliegen würden. Wenn jemand ein vernünftiges Angebot für die Hallen in Meuspath machen würde, würde uns das die Entscheidung erleichtern, und wir könnten uns das überlegen", sagt Mitgeschäftsführer Sebastian Lauermann.
Extra

Die Firma Stahlbau Nett agiert im ganzen Bundesgebiet. Das Familienunternehmen beschäftigt in Meuspath 46 Mitarbeiter, in Kelberg vier. Fünf Auszubildende werden im Schlosser- und kaufmännischen Bereich zur Zeit ausgebildet. Der Umsatz des Unternehmens lag 2015 bei rund vier Millionen Euro. Die Umsätze seien laut Geschäftsführer Klaus Lauermann seit Jahren steigend. HGExtra

Das Gewerbegebiet Steinrausch besteht eigentlich aus drei Arealen. In dem Richtung Köttelbach zugewandten Teil des Gewerbegebietes Steinrausch befinden sich zwölf Firmen mit insgesamt 175 Arbeitsplätzen. Weil die verfügbaren Gewerbegrundstücke zur Neige gehen, gibt es erste Überlegungen über Erweiterungsmöglichkeiten. Diese Überlegungen befinden sich aber erst im Anfangsstadium und sind räumlich nicht konkret. HG