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Von Pitt Kreuzberg fasziniert

Von Pitt Kreuzberg fasziniert

Fast 300 Werke in Öl, Aquarell oder Kohle des Eifeler Malers Pitt Kreuzberg haben die Brüder Friedhelm und Peter Rau aus Schalkenmehren gesammelt. "Wir lieben beide diese Bilder, würden nie eines verkaufen", sagen die Kunst-Fans.

Schalkenmehren. Friedhelm und Peter Rau aus Schalkenmehren sind echte Pitt-Kreuzberg-Fans. Sie haben das Interesse für den Maler und eine beträchtliche Sammlung von ihren Eltern geerbt und die Begeisterung für den Künstler (1888 bis 1966) wieder mit nach Schalkenmehren gebracht. Dort haben die beiden mittlerweile zwei Fachwerkhäuser mit Stallungen erworben, die sie umbauen. Neben einem Wohnhaus entstehen auch Ausstellungsräume für die umfangreiche Kreuzberg-Sammlung.

Brüder haben den Maler noch selbst gekannt



"Wir sind mit unseren Eltern oft zum Kreuzberghaus an das Maar gefahren und haben die größtenteils dort erworbene Sammlung von Vater und Mutter weitergeführt. Natürlich haben wir den Maler selbst noch gekannt," sagt Friedhelm Rau, und Peter Rau ergänzt: "Heute besitzen wir fast 300 Werke in Öl, Aquarell oder Kohle, aber mittlerweile ist es schwer, an einen Kreuzberg zu kommen."

Die beiden würden eine Fälschung sofort erkennen, denn diese Gemälde sind unverkennbar. "Kreuzberg hat aus der Froschperspektive seine Landschaften gemalt", weiß Peter Rau, "durch Kräuter, Wiesenhalme oder Glockenblumen." "Wir lieben beide diese Bilder, würden nie eines verkaufen und seine frühen, mittleren und späten Werke aus den 50er-60er Jahren, die Vorläufer der Jungen Wilden sind, haben bei uns Ehrenplätze", bestätigen die Kunstkenner, die Werke aus der Zeit zwischen 1906 und 1965 sammelten, bis zu der Zeit, als das Wirken Kreuzbergs endete. Wo ein Kreuzbergbild angeboten wurde, haben sie "zugeschlagen". Neben den Gemälden besitzen sie noch weitere "Schätze", eine Original-Kreuzberg-Farbpalette, die ihnen Peter Otten aus Mehren geschenkt hat, und einen großen Rahmen mit Bildern aus der Kreuzbergwohnung.

"Auch der Mensch Kreuzberg hat uns fasziniert mit seinem typischen Kraushaar und der schweren Strickweste, die eine Frau aus dem Dorf für ihn fertigte, dem Leiterwagen mit den notwendigen Utensilien, die für Arbeiten in der Natur notwendig waren," erklärt Peter Rau. Er ergänzt: "Kreuzberg war eigenwillig. Er hat nie auf Bestellung gemalt oder gezeichnet, sondern hat das mit einmaliger Ausdrucksweise auf die Leinwand gebracht, was ihn bewegte und erfreute. Er ist in seiner Art und Übermittlung nie stehengeblieben, sondern hat sich stets weiterentwickelt, wie sein vielfältiges Schaffen beweist."

Die beiden Kunst-Fans kennen jede Einzelheit aus Kreuzbergs Leben, der ihnen 1965 sogar das Weihnachts-Bild "Sternsinger" schenkte. "Er hat nie an jedermann verkauft, sondern seine Käufer penibel ausgesucht, denn er wollte seine Sachen in guten Händen wissen", erzählt Peter Rau.

Auch die Eifelvereins-Ortsgruppe Schalkenmehren und der Landgasthof Michels nutzen die Kreuzberg-Galerie der Brüder Rau, und führen ihre Gäste in die Ausstellungsräume. "Es ist gut, dass Kreuzberg jetzt so beliebt ist, denn für ihn war es meist schwer, über den Schatten der Eifel zu springen", freut sich das Brüderpaar.

Auf dem Tisch eines Ausstellungszimmers liegt ein mit Widmungen gefülltes Gästebuch, in das sich sogar Bewunderer des Malers aus Amerika eingetragen haben.

Die Raus haben ihre Errungenschaften privat numeriert und katalogisiert, aber sie kennen auch jedes Gemälde "in- und auswendig". Friedhelm und Peter Rau sind auch bereit, echten Kreuzbergfreunden nach Terminabsprache die Kreuzbergwerke zu zeigen, denn sie sind der Überzeugung: "Der Wahl-Schalkenmehrener hat diese Anerkennung verdient!"

Eine Anekdote aus Kreuzbergs Laufbahn erzählen sie gern: "Kreuzbergs waren bekanntlich arm und als ihre Tochter an der Maarstraße seiner Zeichnungen verkaufte, damit etwas auf den Tisch kommt, ließ der Mann mit dem Kraushaar ein fürchterliches Donnerwetter los."

Extra Der Maler Pitt Kreuzberg wurde 1888 in Ahrweiler geboren. Vater Leopold weckt in dem jungen Kreuzberg schon früh die Liebe zur Kunst und Verbundenheit mit der Eifel. 1906 entstehen die ersten Federzeichnungen. 1907 bewirbt er sich an der Kunstakademie Düsseldorf, die er 1908 wieder verlassen muss, ihm wird fehlendes Talent nachgesagt. Fortan bildet sich Kreuzberg als Autodidakt weiter. Nach der Hochzeit mit Helene Gertrude Boosen, zieht das Paar 1911 nach Rosenheim und 1913 nach Schalkenmehren. Ihn habe der "ungeheure Rhythmus des vulkanischen Gebietes angezogen", obwohl er dadurch weit ab und deshalb beschwerlich gewesen sei, Beziehungen zu bekommen, sagte der Maler, der am 21. Februar 1966 in Bad Honnef stirbt. Am 25. Februar wird er auf dem Friedhof am Totenmaar in einem Ehrengrab beigesetzt.