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Von Ruhestand keine Spur

Von Ruhestand keine Spur

Dass Rente nicht immer Ruhestand bedeuten muss, beweist eine Gruppe von Senioren in Deudesfeld. Die Männer zwischen 62 und 73 Jahren treffen sich regelmäßig, um Arbeiten im Dorf zu erledigen. Gerade haben sie das Heiligenhäuschen auf Vordermann gebracht.

Deudesfeld. Ausgerüstet mit Hammer, Spaten, Säge und allem, was der Werkzeugkeller sonst noch hergibt, treffen sich zehn Männer am Heiligenhäuschen beim Deudesfelder Sportplatz. Sie schaufeln Sand, schneiden Steine, rühren Beton an. Doch hier ist keine Handwerksfirma im Einsatz: alle arbeiten freiwillig und ohne Lohn. Und alle sind bereits im Rentenalter, doch Ruhestand ist für sie ein Fremdwort.
Der Entschluss, die Senioren-Aktiv-Gruppe ins Leben zu rufen, fiel vor vier Jahren "an der Theke", wie der 67-jährige Elektromeister Horst Bender berichtet. "Keiner hatte so richtig eine Beschäftigung." Aber alle verfügten über viel Erfahrung aus ihrem früheren Beruf, die meisten im Handwerk. Jetzt wollen sie mit ihrer Arbeitskraft dazu beitragen, Arbeiten im Ort auszuführen, die der ganzen Dorfgemeinschaft zugute kommen. "Bei uns hat keiner zwei linke Hände", sagt Bender.
Mittlerweile haben sie die Wanderwege neu beschildert, die Friedhofshalle renoviert, Schutzhütten gebaut und vieles mehr. Allein in diesem Jahr haben sie schon drei Projekte realisiert: "Wir haben Bäume geschnitten und die Einfahrt zum Pfarrhaus neu gestaltet", erzählt Bender. Jetzt war das Heiligenhäuschen "Maria im Walde" an der Reihe. "Das war von Efeu überwuchert", sagt der 72-jährige Dreher Ewald Weiler. Aber wenn die Senioren Hand anlegen, dann machen sie keine halben Sachen: Sie haben das Häuschen nicht nur von Gestrüpp befreit, sondern auch gleich den Sockel mit Steinen, Beton und Kies neu eingefasst.
Wenn über eine älter werdende Gesellschaft gesprochen wird, dann geht es oft um Angebote für Senioren, die Betreuung benötigen. Mit ihrem Engagement zeigen die Deudesfelder aber auch die andere Seite: dass Ältere eine Bereicherung für das Dorf sind. "Die Gemeinden sind ja nicht mehr so liquide wie früher", sagt Bender. Ortsbürgermeister Otmar Eckstein, mit dem die Gruppe ihre Ideen regelmäßig bespricht, ist daher erfreut über die tatkräftige Unterstützung. "Das ist eine tolle Geschichte, die nicht mehr wegzudenken ist", sagt er. "So etwas wünsche ich jeder anderen Gemeinde." Denn die Arbeiten, die die Senioren ausgeführt haben, hätten sonst gar nicht erledigt werden können. Eine Konkurrenz zu Gemeindearbeitern oder gewerblichen Anbietern ist die Gruppe daher nicht.
Freude an der Gemeinschaft


Auch im Projekt "Wandel erfolgreich gestalten" (Wege, siehe Extra) der Verbandsgemeinde Daun ist man auf die Senioren-Aktiv-Gruppe aufmerksam geworden. "Die haben sich an uns ein Beispiel genommen", erzählt Bender nicht ohne Stolz. Der damalige Wege-Botschafter Friedbert Wißkirchen habe bei einem Besuch gesagt: "Was wollen wir hier noch verbessern? Das ist doch gut so!" Und was haben sich die Senioren als nächstes vorgenommen? "Jetzt steht erstmal ein Ausflug nach Andernach zum Geysir an", sagt Bender. Mehrmals im Jahr gehen die Senioren zusammen auf Tour. Denn bei allem Arbeitseifer der Rentner: im Vordergrund steht für sie die Freude an der Gemeinschaft.Extra

Mit dem 2010 gestarteten Projekt "Wandel erfolgreich gestalten" (Wege) will die Verbandsgemeinde Daun Antworten auf gesellschaftliche Veränderungen geben. Ziel ist es, den demografischen Wandel als Querschnittsthema zu begreifen und statt einzelner Lösungen für einzelne Probleme eine ganzheitliche Strategie für alle kommunalen Tätigkeitsfelder zu entwickeln. Auskünfte erteilt das Wege-Büro in der Verbandsgemeindeverwaltung Daun, Gerlinde Helten, Telefon: 06592/939-206, E-Mail: gerlinde.helten@vgv.daun.de. Dort werden auch Vorschläge für weitere Projektideen entgegengenommen. daj