Von Ruhestand noch keine Spur

Von Ruhestand noch keine Spur

Es ist etwas ruhiger geworden um Leo Blum, seit er 2015 das Amt des Präsidenten des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau abgegeben hat. Aber nur etwas ruhiger, in anderen Funktionen ist der 69-Jährige weiter aktiv. Sein Einsatz ist nun mit der Überreichung des Bundesverdienstkreuzes gewürdigt worden.

Hillesheim-Niederbettingen/Mainz. Präsident des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau von 2000 bis 2015, 33 Jahre Vorsitzender des Kreisbauernverbands Daun, Mitglied des Kreistags, Vorstandsvorsitzender der Vertreterversammlung der Rheinischen landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft und, und, und…
Es ist eine bemerkenswert lange Liste an Posten, Ämtern und Funktionen, die das rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerium anlässlich der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Leo Blum zusammengetragen hat. Minister Volker Wissing (FDP) nannte es denn auch ein "außerordentliches ehrenamtliches Engagement", das die Auszeichnung für den Landwirt aus dem Hillesheimer Stadtteil Niederbettingen rechtfertige.
So manche Verdienstmedaille oder - nadel hat der 69-Jährige schon bekommen, "aber das Bundesverdienstkreuz ist natürlich etwas ganz Besonderes." So besonders, dass auch eine große Familiendelegation in Mainz dabei war, zudem Vertreter aus der Kommunalpolitik und des Bauernverbands (darunter Blums Nachfolger als Präsident des Bauern- und Winzerverbands, Michael Horper).
1963 schloss Blum seine Lehre als Landwirt ab, 1966 übernahm der damals 20-Jährige den elterlichen Betrieb, aber schon früh war für ihn klar, dass er nicht ausschließlich den Hof führen wollte. "Ich wollte mich darüber hinaus engagieren, auf unterschiedlichen Ebenen etwas bewegen", sagt Blum. Gesagt, getan: So war er 1973 an der Gründung des Maschinenrings Vulkaneifel und 1987 der Eifel-Rindfleisch-Absatzgemeinschaft maßgeblich beteiligt, wurde 1979 Vorsitzender des Kreisbauernverbands, saß in mehreren kommunalpolitischen Gremien, gehörte dem Präsidium des Deutschen Bauernverbands an. "Sie haben die rheinland-pfälzische Landwirtschaft maßgeblich mitgestaltet. Die vielen Sitzungen, schwierigen Verhandlungen und zahlreichen Gespräche bei den verschiedenen agrarpolitischen Reformen haben Sie sicherlich die ein oder andere schlaflose Nacht gekostet", sagt der Minister.
Bewegte Zeiten


Es sind tatsächlich bewegte Zeiten, auf die der Niederbettinger zurückblicken kann, gerade auch während der 15 Jahre als Präsident des Bauern- und Winzerverbands. "Ich habe 2000 das Amt übernommen, und da ging es direkt los mit den Hiobsbotschaften: BSE, Vogelgrippe, Schweinepest, Dioxinskandale. Daran war nachweislich nie ein Landwirt schuld, aber die Bauern haben darunter gelitten."
Das schlechte Image der Branche treibt ihn nach wie vor um: "Wenn man bedenkt, dass die Landwirte preisgünstige Lebensmittel von hoher Qualität produzieren und großes Verantwortungsbewusstsein für die Umwelt an den Tag legen, tut es mir weh, wie wenig das in der Bevölkerung wahrgenommen wird. Ich muss es mir wohl auch selber ankreiden, es nicht geschafft zu haben, das Image nachhaltig zu verbessern."
Die aktuelle Lage der Landwirtschaft, in der beispielsweise die Milchbauern nicht mehr kostendeckend produzieren können, sieht er zwar mit Sorge, hat die Zuversicht aber nicht verloren. "Ich bin guten Mutes, dass die Talsohle durchschritten ist. Es gibt erste Lichtblicke, dass es etwas besser wird", sagt Blum.
Aus der ersten Reihe hat er sich mittlerweile zurückgezogen, "Schritt für Schritt, denn sofort von 100 auf null zurückzufahren, kam für mich nicht infrage." Deshalb ist er nach wie vor viel unterwegs, ehrenamtlich, versteht sich. Ruhiger könnte es 2018 werden, wenn Blum alle Ämter abgegeben hat. Also dann wirklich auf null? "Eine kleine ehrenamtliche Tätigkeit könnte ich mir durchaus noch vorstellen…"Extra

Der stellvertretende rheinland-pfälzische Ministerpräsident und Wirtschaftsminister Volker Wissing (rechts) zeichnet Leo Blum mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande aus. Foto: Ministerium. Foto: (e_daun )

Leo Blum aus Hillesheim-Niederbettingen war von 2000 bis 2015 Präsident des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau, der 17 000 Mitglieder in 14 Landkreisen vertritt. Zudem stand er 33 Jahre lang an der Spitze des Kreisverbands Vulkaneifel. Der Landwirtschaftsmeister ist verheiratet und hat zwei Kinder. sts