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Von Wiener Plänen und Eifeler Bauchentscheidungen

Von Wiener Plänen und Eifeler Bauchentscheidungen

Sie ist gelernte Bankkauffrau. Sie lebte in den USA, in Oldenburg, Wien und Istanbul. Vor zwölf Jahren kehrte Thea Greif zurück in ihren Geburtsort Kerpen, eröffnete in einem alten Bauernhaus Das kleine Landcafé und machte es zu einem Erfolgsmodell mit Kirsch- und Käsekuchen und Kunst und Kleinkunst.

Kerpen. Ein Frühlingsnachmittag bei Thea Greif: Im Café ist Betrieb, und auf der Terrasse sitzen Gäste in der Märzsonne. Sie bestellen Kaffee, der "Schwarzer Tod" heißt, und einen selbst gebackenen Kirschkuchen mit Mandelstreuseln und Sahne Namens mörderische Verführung. Sie rufen ihr zur Begrüßung "Hallo, Thea!" zu oder sagen: "Bei Ihnen einzukehren ist wie nach Hause kommen."
Sie lesen, was auf den Plakaten am Eingang steht, und sie betrachten die aktuelle Ausstellung: Katzenbilder des polnischen Malers Jan Misiek. Thea Greif klappt eine Mappe zu, die die Organisation des heutigen Abends betrifft: Kabarett mit Volker Weininger.
"Ich mache mir ziemlich viele Gedanken, wie die Leute sitzen", erklärt sie. "Es muss passen. Dann fühlen sie sich wohl", beschreibt sie eines ihrer Prinzipien.
Gebäude 1998 gekauft


Mit Blick auf die Auswahl der Künstler, die im Zwei-Monats-Rhythmus bei ihr ausstellen, und der Schauspieler, Sänger, Kabarettisten und Schriftsteller, denen sie zwei bis vier Mal im Monat im Landcafé eine Bühne bietet, sagt sie: "Ich treffe meine Entscheidungen aus dem Bauch heraus."
Der Plan eines eigenen Cafés sei in Österreich geschmiedet und in der Türkei ausgearbeitet worden, erzählt Thea Greif lachend. Sie erklärt, dass ihr Mann Günter Bundespolizist ist und in der Planungsphase des Kleinen Landcafés jeweils für ein Jahr in Wien und Istanbul tätig war. 1998 kam Sohn Joshua auf die Welt.
Im selben Jahr kaufte das Paar das ehemalige landwirtschaftliche Anwesen in der Fritz-von-Wille-Straße in Kerpen, warf "Gedanken und Ideen zusammen" und verwarf den ursprünglichen Namen Das kleine Kunstcafé.
Im Juli 2000 war die Eröffnung - mit dem Krimiautor Jacques Berndorf als Starthelfer. "Er hat uns in seinen Büchern erwähnt und uns weit und breit bekannt gemacht", erzählt die 50-Jährige, die ursprünglich Kinderkrankenschwester werden wollte, dann Bankkauffrau lernte und fünf Jahre in Amerika lebte.
"Ja, wir haben die ersten Jahre mehr Zeit und Geld ins Café gesteckt als in unser Privatleben", räumt Thea Greif ein. "Aber es macht so viel Spaß, und wir nennen das Café noch heute unser Baby", erzählt sie.
Dafür stehe sie gerne jeden Morgen um halb sechs auf. "Wenn um halb sieben mein Mann und mein Sohn aus dem Haus sind, lege ich los", sagt sie. Soll heißen: Büroarbeiten erledigen, Kuchen backen, Personal einteilen, unter den Bewerbern für Ausstellungen und Veranstaltungen auswählen, und beim Schmökern im Gästebuch den Eintrag entdecken: "Das kleine Landcafé ist ganz groß!" bb