Vor 30 Jahren begann eine kriminelle Karriere

Kostenpflichtiger Inhalt: Kultur : Vor 30 Jahren begann eine kriminelle Karriere

Bis dahin war es „nur“ eine schöne Mittelgebirgslandschaft, seitdem ist sie der Inbegriff der literarischen Verbrecherjagd: die Vulkaneifel. 1989 erschien mit „Eifel-Blues“ der erste Eifelkrimi, 1999 wurde mit der „Eifel-Criminale“ der Grundstock für das Filmfestival „Tatort Eifel“ gelegt.

Regionalkrimis gibt es mittlerweile wie Sand an der Nord-Nord-Mordsee-Küste oder Touristen in Brunettis Venedig. Doch das Original ist die Eifel, die von Siggi Baumeister auf Tätersuche durchstreift wird und die von Jacques Berndorf alias Michael Preute als liebenswert-knorrige Landschaft gewürdigt wird. Vor dreißig Jahren erschien der erste einer 23 Bücher starken Reihe, nicht mitgezählt etliche Autorinnen und Autoren, die sich ebenfalls in Land und Leute als Hort des Verbrechens verliebten, allen voran Ralf Kramp. Vor zwanzig Jahren, im Mai 1999, lockte Berndorf an die zwei Hundertschaften schreibende MittäterInnen in die Eifel, zur Jahresversammlung des Schriftstellerverbandes „Syndicat“. Seine damalige schlichte Überlegung: Wenn man schon selbst so gern in der Eifel ist, könnte man die KollegInnen doch einfach mal in die Wahlheimat einladen.

Damals und heute: 1969 erschien der erste Krimi von Jacques Berndorf, alias Michael Preute, als Fortsetzungsroman im Stern. Der KBV-Verlag hat das Frühwerk neu aufgelegt. Foto: Stefanie Glandien. Foto: g_kultur <g_kultur@volksfreund.de>+SEP+g_kultur <g_kultur@volksfreund.de>

Gesagt, getan. Und so gut wie alle kamen. Schon damals überzeugte auch gutes Essen die krimiliebenden Gäste von den Qualitäten der Region. Spektakulär war da manch ein Erlebnis, etwa ein Finger-Food-Event draußen im Steinbruch bei Berndorf, den der gleichnamige Autor im Krimi platziert hatte. Doch kaum war die Autorenschar den Shuttles entsprungen, zückte der Wettergott sein Waffenarsenal und schickte einen Wolkenbruch mit tischtennisballgroßen Hagelkörnern hernieder. Die taffen Fans von Mord und Totschlag rissen in Panik die Deckel von den Buffet-Wärmern, um damit die kreativen Köpfe zu schützen, oder krochen unter die aufgestellten Biertischgarnituren. Lediglich Alfred Komarek, Erfinder des österreichischen Landgendarmen Polt, bewies angesichts der vollen Breitseite Rheinisch Sibirien schon damals eine unbeirrbare Gelassenheit, die auch seinen Protagonisten auszeichnet. Genüsslich saß er anschließend beim Bier auf der Terrasse des Rengener Stübchens und kommentierte mit Wiener Schmäh seine Schriftstellerkolleginnen, die mit ihren nassen T-Shirts und vor der Brust verschränkten Armen an ihm vorbei ins Forum hasteten.

Im Programm von Tatort Eifel: die Veranstaltung „Sex&amp;crime“ Wo soll er nur hinschauen: Gebannt aufs Buch oder doch auf jungen Damen? Keine leichte Entscheidung für Krimiautor Ralf Kramp, der im Rengener Stübchen die Geschichte „Cup H“ vortrug. Foto: Gabi Vogelsberg. Foto: vogelsberg gabi

Das Forum gab 1999 alles. Im Souterrain war die Anlaufstelle für orientierte und desorientierte Krimiautoren, hier wurden Fragen wie „wo ist mein Hotelbett?“ und „wie komme ich zu meiner Lesung“? beantwortet. Was angesichts der offenbar komplizierten Eifeler Topografie und Geografie immer für Spannungsmomente sorgte, denn im Jahr zuvor hatte das Meeting im flachen und übersichtlichen Ostfriesland stattgefunden. Und nicht jede und jeder fand rechtzeitig den gesuchten Ort. Bis heute gehört es zum Erfolgsrezept des prompt zum Festival ausgearteten Branchentreffens, gute Locations einzubeziehen. Mittlerweile ist dafür gesorgt, dass die Promis garantiert nicht verloren gehen: Götz George, Hannelore Elsner, Matthias Brandt, Heino Ferch und überhaupt alle Größen von Film- und Fernsehkrimis waren schon da. Was eine Medienaufmerksamkeit weit über die Region und bis ins benachbarte Ausland nach sich zieht.

Tatort-Kommissar Axel Prahl eröffnete einst mit einem Konzert in Gerolstein (Kreis Vulkaneifel) das Krimifestival Tatort Eifel. Foto: Klaus Kimmling. Foto: klaus kimmling

„Bessere Werbung für die Eifel gibt es nicht“, betont Festivalleiter Heinz-Peter Hoffmann immer. Nicht zuletzt ihm ist es zu verdanken, dass es nach dem Erfolg der 1999er Criminale weiterging und aus dem reinen schriftstellerischen Treffen ein Film-Großevent entwickelt wurde. Im Jahr 2002 war es soweit, „Tatort Eifel“ ging erstmals über die Bühne, mit Fachprogramm, diversen Wettbewerben und etlichen Publikumsmagneten. Zu Hoffmanns „Komplizen“ gehört vor Ort in Daun vor allem auch Verena Bernardy, im normalen Berufsalltag mitverantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit des Landkreises. „Ich bin kein Krimifachmann“, räumt Hoffmann ein, „sondern mache Marketing für die Vulkaneifel.“ Er bekomme von allen Seiten das Feedback, „dass wir mit dem Festival nicht in der Kreisliga spielen, sondern in der Bundesliga.“ An die 5000 bis 7000 Besucher kommen zu jedem „Tatort Eifel“, teils von weither, wie aus den Kartenvorbestellungen hervorgeht.

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