Vorbereitet auf die beste Zeit zum Lesen

Vorbereitet auf die beste Zeit zum Lesen

Der Literaturkritiker Hubert Winkels hat in neuen Büchern aktuelle Antworten auf die Fragen des Lebens, den Zustand der Welt und der Menschen entdeckt. Und sie beim Kulturkreis vorgestellt.

Daun Als Dauerbrenner zum besten Zeitpunkt des Jahres (nach der Frankfurter Buchmesse) und zu Beginn der intensivsten Zeit für Bücher (Herbst, Winter, Weihnachten) steht das Literarische Café seit zwei Jahrzehnten auf dem Programm des Kulturkreises Daun. Nach Christoph Schmitz (Heimspiel) und Denis Scheck (Gastspiel) ist es nun zum dritten Mal an dem Journalisten und Literaturkritiker Hubert Winkels, neue Bücher vorzustellen.
Am Ende sind die zwei Stunden für die annähernd 100 Literaturfreunde im Forum wie im Flug vergangen. So kenntnisreich und leidenschaftlich spricht der 62-Jährige über die Bücher, die er für wichtig hält. So interessant ist die Spur, die er vom ersten bis zum achten Titel legt. So gut geht seine Rechnung "weniger ist mehr" auf. Unter dem Beifall der Zuhörer bezeichnet der Kulturkreis-Vorsitzende Roy Coppack die Veranstaltung schließlich folgerichtig als "einen großartigen Abend".
Womit beginnen? "Mit einem meiner liebsten Bücher", sagt Hubert Winkels und nimmt Norbert Scheuers in Kall/Eifel angesiedelten neuen Roman "Am Grund des Universums" in die Hand.
Er blättert darin und deutet auf das magische Titelfoto, während er den Sinn des Autors für die Wechselwirkung von Natur und Menschen und seine Menschenfreundlichkeit lobt. Ein Beispiel von der Zartheit des Schreibens und der leisen Töne gebe Mirko Bonné in "Lichter als der Tag" - "gut geschrieben, auch dann noch, wenn es die Grenzen der Glaubwürdigkeit überschreitet", meint Winkels über den Roman, der in unseren Tagen in Hamburg spielt und Goethes Hit "Die Wahlverwandtschaften" zum Vorbild hat. Und Ähnlichkeiten mit seinem dritten Favoriten aufweise, sagt er mit Blick auf "Das Singen der Sirenen" von Michael Wildenhain.
Ausgerechnet bei einem Debüt, bei Sasha M. Salzmanns "Außer sich", habe es ihn am meisten erwischt, räumt Hubert Winkels ein. In die Stadt Istanbul verliebt, schreibe Salzmann rührend, aber nicht rührselig. Es gebe viele hinreißend erzählte Passagen darin, drum sei das Buch sehr empfehlenswert.
Durch die Bank hervorragend, wenn auch spröde und extrem sachlich im Stil - so bringt Winkels seinen Eindruck von Christoph Heins "Trutz" auf den Nenner. Grandios sei "Sie kam aus Mariupol" von Natascha Wodin. Als "technisch sensationell gemacht" beschreibt er die Kombination aus der eigenen Netzrecherche Wodins, den realen Tagebuchaufzeichnungen ihrer Tante und der Geschichte der eigenen Mutter in dem Buch über Zwangsarbeit im Dritten Reich.
Womit enden? Mit zwei Büchern von geistreicher Heiterkeit und mit ironischer Grundstimmung: "Die Kieferninseln", dem in Japan spielenden Roman von Marion Poschmann, laut Winkels "eine der klügsten und faszinierend gebildeten Autorinnen"; und "Die Hauptstadt" von Robert Menasse. "Er lässt ein Schwein durch den Roman laufen und ist auf der Suche nach einer Festidee zum 60-jährigen Bestehen Europas", sagt Winkels über das Buch des Trägers des Deutschen Buchpreises 2017.
Extra: EMPFEHLUNGEN VON HUBERT WINKELS


Neben den im Bericht genannten Titeln stehen auf der Empfehlungsliste von Literaturkritiker Hubert Winkels auch folgende Neuerscheinungen: "Ellbogen" von Fatma Aydemir; "Tyll" von Daniel Kehlmann; "Justizpalast" von Petra Morsbach; "Selfie mit Sheikh" von Christoph Peters; "Nach Onkalo" von Kerstin Preiwuß; "Peter Holtz" von Ingo Schulze; "Ikarien" von Uwe Timm und "Direkt danach und kurz davor" von Frank Witzel.

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