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Vorleben statt fordern

GEROLSTEIN. Die erstmals öffentlich vorgestellten Fusionspläne mit den Kollegen im Kreis Bernkastel-Wittlich stießen bei der Vollversammlung der Kreishandwerkerschaft Westeifel weder auf Ablehnung, noch bestand Diskussionsbedarf. Für den Vorstand ein Vertrauensbeweis und Zeichen dafür, dass der eingeschlagene Weg als richtig erachtet wird. ARRAY(0x24ef11ba0)

"Es ist besser, in einer Phase der Stärke selbst zu agieren, als aus einer Situation der Schwäche heraus nur noch reagieren zu können." Mit diesen Worten rechtfertigte Kreishandwerksmeister Hermann Zahnen die Aufnahme von Fusionsgesprächen mit der Kreishandwerkerschaft (KHS) Bernkastel-Wittlich (der TV berichtete). Nach einem einstimmigen Beschluss des Vorstands der KHS Westeifel gab´s Anfang Mai das erste Treffen der dreiköpfigen Fusions-Delegation (Kreishandwerksmeister Hermann Zahnen, sein Stellvertreter Leonhard Kockelmann sowie Geschäftsführer Dirk Kleis) mit den Kollegen des Nachbarkreises. Angesichts zurück gehender Zahlen von Betrieben und Mitarbeitern bei gleichzeitig "überbordenden Strukturen" von Kreishandwerkerschaften, Verbänden, Innungen, Kammern, die teilweise die gleiche Leistung anböten, bezeichnete Zahnen die Diskussion über neue Strukturen als "überfällig". Auch wirtschaftlich bestehe Handlungsbedarf. Zwar habe die Kreishandwerkerschaft Westeifel nach fünf Jahren erstmals wieder einen ausgeglichen Haushalt geschafft, mittelfristig (ab 2009) aber sei wieder mit einem Defizit zu rechnen. "Weiterhin fehlen innerhalb unserer Kreishandwerkerschaft juristische Kenntnisse, ein Außendienst ist nur teilweise implementiert", führte Zahnen weitere Gründe für den Zusammenschluss an. Er betonte aber, dass erstens die "dezentralen Strukturen mit weiterhin zwei Geschäftsstellen beibehalten" werden sollen und zweitens "die Innungen nicht angetastet werden". Sein Schlussplädoyer lautete: "Wenn wir von der Politik Bürokratieabbau verlangen,... müssen wir es vorleben!" Im TV-Gespräch ging Geschäftsführer Kleis ins Detail. So würden durch die Fusion schon allein dadurch Einsparungen erzielt, dass doppelte Arbeit vermieden werde. "Wo bislang beide Geschäftsführer auf einer Tagung saßen und die Inhalte tags drauf ausgearbeitet haben, macht das künftig einer, und der andere hat Zeit für etwas anderes - beispielsweise die Mitgliederbetreuung", nannte Kleis nur eines von unzähligen Beispielen. Denn auch bei den Innungen (in Bernkastel-Wittlich 14, in der Westeifel 16) herrscht weit gehend Deckungsgleichheit. Ziel: Bis September Klarheit in Personalfragen

Den weiteren Fusions-Fahrplan skizzierte Kleis wie folgt: Im Zweimonatsrhythmus sollen bis zum Jahresende vier Themenschwerpunkte abgearbeitet werden. Nach der Bestandsaufnahme bis Ende Juni soll die Geschäftsverteilung und der gesamte administrative Sektor bis September abgehakt sein. Kleis: "Dabei wird es um solche Dinge wie den Hauptsitz und die Personalfragen gehen - also wer Geschäftsführer, wer Kreishandwerksmeister und wer die Stellvertreter werden." Die dezentrale Struktur mit zwei Geschäftsstellen aber ist auch für ihn Grundbedingung aller Überlegungen. Danach sollen bis Ende Oktober eine Satzung ausgearbeitet und bis Anfang Dezember ein Haushalt auf die Beine gestellt worden sein. Geschäftsführer Kleis sagt: "Im Herbst werden wir eine Delegiertenversammlung einberufen, um über den aktuellen Stand der Gespräche zu informieren, und bis Weihnachten sollen die beiden Vollversammlungen dann über die Fusion abstimmen."