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Vorsitzende befürchten einen sehr langen Weg in die Normalität

Corona legt Breitensport lahm : Der Weg zurück ins richtige Vereinsleben ist lang

Corona hat den Breitensport lahm gelegt, seit Wochen sind Turnhallen und Stadien gesperrt. Der TV hat die Vorsitzenden gefragt: Wie wirkt sich das auf die Sportvereine in Daun und Gerolstein aus?

Sport im Verein gehört in Deutschland fest zum gesellschaftlichen Leben und hat eine lange Geschichte. Rund 24 Millionen Deutsche sind Mitglied eines Sportvereins, also fast ein Drittel der Bevölkerung. Es sind also jede Menge Menschen, die von dem im März angeordneten völligen Erliegens des Vereinssports wegen Corona betroffen waren – und sind, denn die bisherigen Lockerungen sind ja noch überschaubar.

„Auch wenn es von jetzt auf gleich von Hundert auf Null ging, waren wir zunächst relativ entspannt“, berichtet Hans Peter Böffgen, Vorsitzender des SV Gerolstein (und Bürgermeister der Verbandsgemeinde). „Vier bis sechs Wochen Stillstand, dann wird es schon irgendwie weitergehen, haben wir uns gedacht.“ Aber mittlerweile gibt es keine verbindlichen Aussagen, wann es wieder ein halbwegs normales Leben in dem Verein mit neun Abteilungen und gut 850 Mitgliedern geben könnte.

„Veranstaltungen wie der Stadtlauf und ein Jugendfußballturnier sind abgesagt. Hinzu kommt, dass auch die Kirmes ja nicht stattfinden wird. Was uns finanziell gesehen richtig weh tut, denn unser Stand dort war eine wichtige Einnahmequelle“, erklärt der 54-Jährige, der seit 2017 SV-Vorsitzender ist. Auf den Posten Mitgliedsbeiträge kann der Verein hingegen weiter bauen. „Da waren alle solidarisch, es ist niemand abgesprungen“, freut sich Böffgen.

Auch beim TuS Daun hat niemand die Zahlung an den Verein eingestellt, berichtet Frank Wieber. Er ist seit 19 Jahren Vorsitzender des Vereins mit fast 1500 Mitglieder (davon gut die Hälfte Kinder und Jugendliche) und elf Abteilungen. Der 68-Jährige wertet das als „Solidarbeitrag der Mitglieder zum Erhalt des Vereins.“ Die komplette Schließung aller Sportanlagen sei zunächst ein Schock für alle gewesen, aber in „unserem kleinen Unternehmen läuft organisatorisch alles weiter – wenn auch jetzt mit Abstand“.

Etwas Leben ist mittlerweile wieder eingekehrt auf der TuS-Anlage im Liesertal, denn die Boule- und  Tennisspieler dürfen wieder ran, wenn auch wie in vielen anderen Bereichen mit Einschränkungen, um den Hygienevorschriften zu genügen.

Wieber hofft, dass es in nicht allzu ferner Zukunft weitere Lockerungen möglich sein werden. Hat er doch festgestellt, „dass es in allen Generationen großer Bewegungsdrang herrscht. Auch und vor allem bei den Kinder“, weiß der vierfache Großvater aus eigener Erfahrung.

Groß ist sein Bedauern, dass wegen Corona der seit fast 60 Jahren bestehende Austausch zwischen Kindern und Jugendlichen des TuS und Mitgliedern der Methodist Church im englischen Aylesbury in diesem Jahr ausfallen muss. „Schade, dass wir unsere englischen Gäste nicht hier in Daun begrüßen können.“ Ein Blick in die Zukunft sei schwierig, sagt Wieber, weil nicht absehbar sei, welcher  Sport wann wieder betrieben werden könne. Und auch die wirtschaftliche Lage sei schwer einschätzbar: „Was ist mit den Sponsoren? Werden sie nach der Krise noch die finanziellen Möglichkeiten haben, uns weiter zu unterstützen? Es wird spannend. Aber, wenn alle mitziehen, kriegen wir das Ganze wieder in Schwung“, lässt sich der TuS-Vorsitzende seinen Optimismus nicht nehmen.

Ihre Zwangspause ist beendet: Die Boule-Spieler können sich zumindest in Zweiergruppen und auf Abstand wieder treffen. Foto: Stephan Sartoris Foto: TV/Stephan Sartoris
Maske in Vereinsfarben? Kein Problem, TuS-Vorsitzender Frank Wieber hat vorgesorgt. Foto: TV/Stephan Sartoris
Außer Unterhaltungsarbeiten läuft derzeit so gut wie nichts auf dem Sportgelände in Gerolstein. Foto: TV/Mario Hübner

Sein Gerolsteiner Amtkollege Hans Peter Böffgen fürchtet, dass es noch lange dauern könnte, bis der Stand vor der Krise erreicht werde. „Am 9. Mai trifft sich der Vorstand, um zu besprechen, wie es weitergeht. Über die Ergebnisse werden wir die Mitglieder informieren.“ Eine kleine Hoffnung hat er noch nicht aufgeben: dass der Eifelsteig am 20. September stattfinden kann.