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Vulcast Jünkerath sucht neuen Investor

Wirtschaft : Vulcast Jünkerath: Insolvenzverwalter und Gewerkschaft kämpfen für den Erhalt von 200 Arbeitsplätzen

Für die traditionsreiche Eisengießerei wird nach einem Investor gesucht. Corona, Kurzarbeit und Flutkatastrophe haben an einen Anteil an der Schieflage. Doch die IG Metall sieht auch Versäumnisse seitens der Geschäftsführung. 

Das Werk gehe nun in das vierte Insolvenzverfahren seit 1999, sagt Christian Schmitz, Chef der IG Metall Trier. Auch diesmal sei die Situation für die Arbeitnehmer ernst, aber nicht aussichtslos: „Die Auftragsbücher der Gießerei sind gut gefüllt. Wir müssen nun gemeinsam mit dem bestellten Insolvenzverwalter Ingo Grünewald die Steine aus dem Weg räumen, damit es in Jünkerath weiter gehen kann“, sagt Schmitz. Ein Sozialplan für die Beschäftigten müsse nicht erstellt werden.

Die Vulcast GmbH, vormals Ergocast, gehört seit 2019 der Holding-Gesellschaft „Callista Private Equity“ mit Sitz in München an. Gleichzeitig mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens wird ein neuer Investor gesucht, der Geschäftsbetrieb werde gemeinsam mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter und Rechtsanwalt Ingo Grünewald fortgeführt, heißt es in einer Pressemitteilung der beauftragten Kanzlei Schmidt in Trier.

„Zurzeit wird ein Gutachten zum Firmenvermögen erstellt“, sagt Guido Joswig, Pressesprecher der Kanzlei. „Parallel startet unter Hochdruck und in Zusammenarbeit mit der Beratungsgesellschaft Mentor AG die Suche nach einem möglichen Investor.“

Der Spagat zwischen gut gefüllten Auftragsbüchern und explodierenden Energie- und Rohstoffpreisen könne nur gemeinsam mit der aktuellen Geschäftsführung und den Kunden gemeistert werden, heißt es weiter.

Die 2019 erfolgte Übernahme durch die jetzigen Gesellschafter ist nicht die Ursache des aktuellen Problems“, sagt Joswig. „Die Branche erlebt schwierige Zeiten, die Marktsituation ist angespannt.“ Aber eben wegen dieser Krise sei ein Verkauf des Eisengießereibetriebs an ein Unternehmen, das Maschinen- und Handformgussteile für die eigene Produktion brauche, eine naheliegende Möglichkeit.

„Die Gießerei in Jünkerath braucht eine neue Spitze, die ein strategisches Interesse an der Weiterführung des Betriebes hat“, sagt IG-Metall-Chef Christian Schmitz. Der jetzigen Geschäftsführung wirft er Versäumnisse vor: „Es fehlen beispielsweise Jahresabschlüsse seit der Übernahme durch die Holding-Gesellschaft Callista. Doch ohne diese Nachweise konnte weder eine Nothilfe für das 2021 von der Flut stark betroffene Werk, noch die Befreiung von der EEG-Umlage für energieintensive Betriebe beantragt werden“, zählt Schmitz auf.

Seiner Meinung nach sollten nun zügig Preis- Nachverhandlungen mit Zulieferern und Kunden in die Wege geleitet werden. „Wenn nicht innerhalb von drei Monaten schwarze Zahlen geschrieben werden oder kein Investor gefunden wird, droht die Schließung des Werks. Das Insolvenzverfahren wird in dem Fall nicht fortgesetzt“, sagt Christian Schmitz.

Doch soweit sei es noch nicht, man müsse nun nach vorne schauen und die bestehenden Probleme aus dem Weg räumen. „Wir wünschen dem Insolvenzverwalter eine glückliche Hand und werden als Gewerkschaft seine Arbeit positiv begleiten, sagt Schmitz.

„Es müssen jetzt die ökonomischen Grundlagen geschaffen werden, damit keine Arbeitsplätze verloren gehen.“ So könne es auf keinen Fall weiter gehen: „Der Betrieb kommt – trotz stabiler Auftragslage – seit 1999 stetig vom Regen in die Traufe. Das muss sich mit einem neuen Investor definitiv ändern“, sagt der IG-Metall-Chef.