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Vulkaneifel rüstet sich für noch mehr Mountainbiker

Aus dem Archiv Mai 2020 : Region rüstet sich für mehr Mountainbiker

Der Betreiber des Trailparks Vulkaneifel geht davon aus, dass die Corona-Krise den Trend zum Radurlaub in der Vulkaneifel verstärken wird. Die Vulkanbike-Rennen im September sollen stattfinden – irgendwie.

Die Worte klingen voller Zuversicht und wären wohl vor drei, vier Wochen noch komplett undenkbar gewesen: „Es wird natürlich anders als all die Jahre, aber es wird was geben – hundertprozentig.“ So beantwortet Markus Appelmann die Frage, ob der Vulkanbike 2020 stattfindet. Seit 2013 zeichnet er mit seiner Firma Inmedia für das Mountainbike-Rennen Anfang September (2020: 12. September) verantwortlich, das alljährlich zwischen 1500 und knapp 2000 Bergrad-Sportler anzieht, und seit nunmehr vier Jahren auch für Betrieb und Vermarktung des Mountainbike-Trailparks Vulkaneifel, dem mit 750 Kilometern ausgeschilderten MTB-Streckennetz in der Vulkaneifel.

Wie der Vulkanbike 2020 allerdings konkret aussehen wird, kann Appelmann derzeit auch nicht prognostizieren. Er sagt: „Wir halten uns natürlich an alle coronabedingten Vorgaben und bewerten die Situation jede Woche neu: Doch den sportlichen Teil des Events sehe ich als relativ unproblematisch an, da Sport an der frischen Luft ja empfohlen wird.“ Der übliche Massenstart könne durch Einzelstarts ersetzt werden. Um Warteschlangen bei der Anmeldung zu verhindern, könnten die Startersets zugeschickt werden. Und wenn gemeinschaftliches Duschen nicht erlaubt sei, „dann ist das eben so und wird auch kaum jemanden von einem Start abhalten“, meint der Organisator – und fügt hinzu: „Wir werden niemandem zumuten, mit Maske die Skipiste hochzufahren.“

Was das gesellige Drumherum betrifft, so wird es nach Einschätzung des Veranstalters allerdings deutliche Änderungen geben. „Die Pasta-Party im Vorfeld oder die Siegerehrung im vollbesetzten Festzelt sind wohl eher unrealistisch“, sagt Appelmann. Und auch ob die eigentlich für dieses Jahr geplante Premiere der Deutschen Meisterschaften im E-MTB-Marathon in der Vulkaneifel über die Bühne gehen wird – wofür der zuständige Bund Deutscher Radfahrer bereits die Zusage erteilt hatte – steht derzeit in den Sternen. Appelmann: „Wir fahren auf Sicht.“ Heißt: Das hängt von den Vorgaben der Politik ab und wird demnach später entschieden.

Corona hat also auch den Vulkanbike im Griff. Was das Mountainbiken (in der Vulkaneifel) und die Nutzung des Trailparks betrifft, so sieht der Betreiber allerdings große und zusätzliche Chancen für die Region. „Seit zwei Wochen gehen die Anmeldungen für den Vulkanbike wieder hoch. Und für unsere brandaktuelle Broschüre bikefreundlicher Beherbergungsbetriebe in der Vulkaneifel haben wir bereits 400 Anfragen, obwohl wir sie noch gar nicht beworben haben“, berichtet Appelmann. Auch die Zugriffe auf die Trailparkkarte seien ermutigend. Der Trend der vergangenen Jahre schient sich nicht nur zu bestätigen, sondern zu verstärken.

Gab es 2013, als Appelmanns Firma Inmedia den Betrieb des Trailparks übernommen hat, noch 170 000 Zugriffe auf die Trailparkkarte, waren es 2019 bereits 370 000. „Und wir merken deutlich, dass sich Gäste derzeit verstärkt einloggen, Touren auswählen und buchen und ein Hotelzimmer bekommen möchten. Das hat mit Sicherheit mit Corona und dem Trend zu Urlaub im Inland zu tun“, sagt Appelmann und fügt überzeugt hinzu: „Ich bin mir sicher: Dieser Trend wird über 2020 hinaus anhalten.“

Deswegen – und auch weil der Investitionsstau und Innovationsbedarf erkannt wurde – tut sich derzeit einiges, um den 15 Jahre alten Trailpark attraktiver zu machen. So ist die Verbandsgemeinde (VG) Wittlich-Land dabei, das Streckennetz um gut 50 Kilometer nach Süden zu erweitern, ähnliche Überlegungen gibt es laut Appelmann auch in der VG Gerolstein im Nordwesten.

Und innerhalb des bestehenden Streckennetzes soll es ebenfalls einen „Boost für den Trailpark“ geben, so Appelmann. Durch zwei Maßnahmen. Erstens: „Wir wollen im bestehenden Streckennetz eigenständige Routen ausweisen und so detailliert ausschildern, dass man sie problemlos ohne Navi oder Karte fahren kann.“ Also vorbei die Zeiten, an denen man an Kreuzungen anhält, um sich neu zu orientieren.

Pro Ausgangspunkt sind jeweils eine leichte, rund 30 Kilometer lange und eine technisch anspruchsvollere und mindestens 50 Kilometer lange sowie eine „harte“ 80 Kilometer lange Strecke geplant. Insgesamt sind fünf Ausgangspunkte im gesamten Trailpark und somit 15 Strecken vorgesehen (siehe Info).

Derzeit würden bereits einige Teams seiner Firma das gesamte Streckennetz abfahren, die bestehende Beschilderung checken und wo nötig ausbessern sowie Vorschläge für die neuen Routen erarbeiten.

Zum Zeitplan sagt Appelmann: „Im Sommer können wir das neue Konzept vorstellen. Ich denke, dass im nächsten Jahr die ersten Strecken fertig und befahrbar sein dürften.“ Das Herstellen aller neuen Strecken könne sich „über zwei bis drei Jahre ziehen“, so Appelmann.

Zweitens sollen neben der Koul­shore, der ausgedienten und zum MTB-Technikareal umfunktionierten Lavagrube bei Trittscheid, weitere Technik-Parcours sowie besondere Streckenabschnitte entstehen. Appelmann nennt sie „Spielplätze“. „Ich denke dabei an einen Flowtrail und eine Downhill-Strecke und möchte gerne all die MTB-Plätze, die bisher schon in Eigenregie entstanden sind, wie in Mehren oder Neroth, in das Gesamtstreckennetz einbeziehen.“ Denn komplette Neubauten nach Art der Koulshore würden den finanziellen Rahmen sprengen.

 Urlaub im Inland und konkret Mountainbiken in der Vulkaneifel wird – auch wegen Corona – immer beliebter.
Urlaub im Inland und konkret Mountainbiken in der Vulkaneifel wird – auch wegen Corona – immer beliebter. Foto: e_daun <e_daun@volksfreund.de>

Die Investitionskosten für den „Boost“ dürften laut Appelmann „auf jeden Fall über 100 000 Euro“ liegen. Auf die Frage, ob das auch die Gesellschafter (siehe Extra) so sähen und bereit seien, Geld zu investieren, sagt er: „Ja, die Bereitschaft ist da.“