Wachstum dank vegetarischer Würstchen

Wachstum dank vegetarischer Würstchen

Die Erfolgsgeschichte geht weiter: Im Industrie- und Gewerbepark (IGP) der Verbandsgemeinde Hillesheim in Wiesbaum steht eine weitere große Investition bevor. Noch diesen Monat will die Firma Tofutown.com (ehemals Viana), Hersteller vegetarischer Lebensmittel, ihre Produktionsstätte für fünf Millionen Euro erweitern. Acht bis zehn neue Arbeitsplätze sollen entstehen.

Wiesbaum. Sie heißen Velami, Vleischsalat, Tofuking oder Picknicker, es gibt sie als fleischlose Gyros- und Kebap-Variante, als Veggie-Wiener, Burger und Bolognese, und sie sind schon lange nicht mehr nur eingefleischten Vegetariern bekannt: die vegetarischen Bio-Produkte von Tofutown.com. Denn die Firma unter Leitung von Bernd Drosihn, die 1988 in Köln gegründet wurde und seit 2001 ihre Produktionsstätte im Industrie- und Gewerbepark (IGP) der VG Hillesheim in Wiesbaum hat, wächst und wächst und wächst.
"Seit Beginn jährlich um rund zehn Prozent", konkretisiert Geschäftsführer Drosihn und fügt hinzu: "Wir sind quasi das Eifel-Facebook." Das freut auch Stefan Mertes, Wirtschaftsförderer der Verbandsgemeinde Hillesheim. Er sagt: "Viana war eines der ersten Unternehmen, das bei uns angesiedelt hat. Dass es permanent auf Wachstumskurs ist und nun noch weitere Gewerbeflächen erworben hat, ist eine tolle Entwicklung. Damit hat anfangs niemand gerechnet."
Der Grund für das außergewöhnliche Wachstum ist nach Ansicht von Tofumacher Drosihn klar: "20 000 Liter Trinkwasser, um ein Kilo Fleisch zu produzieren: Immer mehr Menschen merken einfach, dass die Massentierhaltung ein zentraler Grund der weltweiten Umweltzerstörung ist. Und sie reagieren."
Über 30 Millionen Euro Umsatz


In Zahlen ausgedrückt: Im vergangenen Jahr machte Tofutown.com mehr als 30 Millionen Euro Umsatz und verarbeitete für die Herstellung seiner Produkte 2000 Tonnen Sojabohnen, 3000 Tonnen Weizen und 1000 Tonnen Gemüse - alles bio. Und dabei kaufte die Firma auch noch einen Mitbewerber in Lüneburg auf. Jetzt arbeiten an beiden Standorten je 90 Mitarbeiter.
Und da die Nachfrage weiter steigt, ist auch die Firma auf Wachstumskurs. Drosihn sagt: "Wir werden unsere Produktionsstätte in Wiesbaum um zwei Produktlinien erweitern. Der Baustart ist noch für diesen Monat geplant, im Sommer/Herbst 2012 soll die Anlage in Betrieb gehen. Acht bis zehn zusätzliche Arbeitsplätze werden entstehen."
Das 5000 Quadratmeter große Areal, das an die bestehende Produktionsstätte angrenzt, hat die Firma bereits vergangenes Jahr gekauft. Darüber hinaus hat sie in diesem Jahr ein benachbartes, 3000 Quadratmeter großes Firmengelände samt Halle erworben - und sich für weitere 3000 Quadratmeter die Kaufoption gesichert. Drosihn sagt: "Alles in allem ist das die bislang größte Investition in unserer Firmengeschichte. Gesamtvolumen: fast fünf Millionen Euro."
Letztlich bedeute diese Investition auch ein Stück Standortgarantie für Wiesbaum. Denn nach der Übernahme des Mitbewerbers in Lüneburg wurden Befürchtungen laut, dass der Standort Wiesbaum in Gefahr sei. Dem widerspricht Drosihn klar: "Zum einen ist es so, dass sich beide Standorte gegenseitig stabilisieren, da wir ja auch viele neue Produkte und Kunden durch die Übernahme hinzugewonnen haben. Zum anderen würden wir wohl kaum so groß investieren, wenn wir nicht zu Wiesbaum stehen würden. Kurzum: Wir fühlen uns hier sehr wohl."Extra

Eine der ersten Ansiedlungen im IGP: die Firma Viana, jetzt Tofutown.com, die nun erweitert wird. TV-Foto: Archiv/Mario Hübner.

Im Industrie- und Gewerbepark (IGP) der Verbandsgemeinde Hillesheim in Wiesbaum samt Existenzgründerzentrum Higis sind derzeit mehr als 400 Menschen in 30 Unternehmen beschäftigt. Die Größe des IGP beträgt samt Ausgleichsflächen 65 Hektar, also 650 000 Quadratmeter. Quadratmeterpreis: 9,50 Euro. 1992 bis 1995 wurde im Raumordnungsplan der Gewerbestandort Wiesbaum mit einer Vorrangfläche von 65 000 Quadratmetern und einer Vorbehaltsfläche von weiteren 60 000 Quadratmetern ausgewiesen. Anschließend wurde die Planung im Flächennutzungsplan konkretisiert. Der Bebauungsplan für das IGP wurde 1997 bis 1998 aufgestellt und Baurecht geschaffen. Der erste Bauabschnitt mit einer Fläche von 20 000 Quadratmetern wurde von 1997 bis 1999 realisiert. Die Kosten betrugen knapp drei Millionen Euro, 60 Prozent wurden vom Land bezuschusst. Erste Ansiedlungen: die Firma Reifenrath (jetzt Firma Ebinger) und die Firma Vulkan Technic. 2001 bis 2003 wurde der zweite Bauabschnitt mit 15 000 Quadratmetern erschlossen. Kosten: 2,74 Millionen Euro, 65 Prozent davon übernahm das Land. Erste Ansiedlung: die Firma Viana, jetzt Tofutown.com. Es folgten weitere Erweiterungen, zuletzt im vergangenen Jahr. Da wurde das IGP für 850 000 Euro in Richtung Mirbach um 40 000 Quadratmeter erweitert. Zudem gibt es derzeit weitere 20 000 Quadratmeter erschlossener Gewerbeflächen, die sofort gekauft, bebaut und bezogen werden können. Als Verlustausgleich hat die VG Hillesheim jährlich zwischen 50 000 Euro (im Jahr 2000) und 260 000 Euro (2011) an den Zweckverband IGP überwiesen. mh