Wärmespender im doppelten Sinn

Wärmespender im doppelten Sinn

Friedhelm und Peter Rau hüten in ihren beiden Fachwerkhäusern nicht nur einen umfangreichen Kreuzbergschatz. Alles, was sie aus alten Zeiten in ihrem Umfeld entdecken, wird wieder an seinem angestammten Platz untergebracht. Und so haben sie auch eine besondere Takenplatte mit einer besonderen Geschichte wieder an dem Ort befestigt, wo sie jahrhundertelang Wärme spendete.

Schalkenmehren. Takenplatten sind gusseiserne Platten, die in Bauernhäusern bis ins 19.Jahrhundert zu Heizzwecken in einer Aussparung in der Feuerwand zwischen Küche und Stube eingemauert wurden. Sie leiteten die wohlige Wärme von einem Raum zum andern. Sie zeigten oft biblische Szenen.

Takenplatten wurden nur in den Eisenhütten Ostbelgiens, Lothringens, Luxemburgs, des Hunsrücks, des heutigen Saarlands und der Eifel wie zum Beispiel in Jünkerath oder Eisenschmitt hergestellt.

Nach fast 50 Jahren ist die Platte wieder am alten Platz



Ein Fachwerkhaus, mit angestammtem Dorfnamen "Hostesch Ihm Ädem" in Schalkenmehren, in dem die Brüder Friedhelm und Peter Rau heute wirken, gehörte der Familie Röhl. Die verstorbene Mathilde Röhl verschenkte die Takenplatte 1960, und die Nachkommen des späteren Besitzers gaben sie nach dessen Tod an Friedhelm und Peter Rau zurück, so dass sie 2008 nach fast 50 Jahren wieder zu Hause angekommen ist.

Die 51 mal 78 Zentimeter große Darstellung eines besonderen, in einen Mantel gehüllten Reiters hängt nun wieder zwischen altertümlichen Töpfen und Kellen an der Wand hinter der ehemaligen offenen Feuerstelle am Kamin. "Es war ein Glücksfall, dass dieses Kunstwerk wieder zurückkam", erklären die Raus, die die Geschichte der Platte erforscht haben: "Das gusseiserne Werk muß zwischen 1500 und 1560 entstanden sein. Es zeigt in einem gotischen Rahmen St. Martin, der mit dem Bettler den Mantel teilt." St. Martin ist auch der Schutzpatron der Pfarrei Schalkenmehren, so dass schnell ein weiterer Grund für die frühe Anschaffung gefunden ist.

Nachdem die Takenplatte 50 Jahre verschollen war, freuen sich Friedhelm und Peter Rau über das unerwartete Geschenk doppelt. Sie haben das Haus Röhl intensiv durchforstet, und dabei ist ihnen auch ein seltener Original-Kinderschuh ("Pinnenschuh") in die Hände gefallen, dessen Alter sie auf über 200 Jahre schätzen. Auch er hat einen Ehrenplatz erhalten.

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